Milchbauern fordern von Politikern Einsatz statt Lippenbekenntnisse

Die Milcherzeuger stehen mit dem Rücken zur Wand. Die Preise fielen in einem knappen Jahr um fast 50 Prozent. Was die etwa 250 Landwirte am Milchbauernabend im Pollinger Festzelt deshalb von den geladenen Politikern hören wollten, waren klare Aussagen.

Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) sollte sie liefern, sagte aber kurzfristig wegen eines Sondergipfels in Berlin ab. In seiner Vertretung sprach EU-Abgeordneter Albert Dess (CSU). Um den Ernst der Lage klarzumachen, sollten die Politiker vor einer eindrucksvollen Kulisse im Festzelt zu den Milchbauern sprechen – erwartet waren zwischen 1000 und 1500 Landwirte. Doch das schöne Wetter machte den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. BDM-Kreisvorstand Bernhard Heger zeigte Verständnis: „Schlimmer hätte es für uns gar nicht kommen können, aber das Heu muss eingebracht werden. Wir wollen heute Abend von den Parteien hören, wie es weiter geht. Wir brauchen keine Lippenbekenntnisse, sondern möchten etwas zur Stärke des Engagements von CSU und Grünen erfahren.“ Er forderte die Landwirte zum Hinhören bei den Aussagen der Parteien auf. „Das ist heuer unsere große Chance“, sagte er. In ihrem Grußwort sicherte die stellvertretende Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) den Bauern die volle Solidarität des Amtes wie auch der Kreisräte zu. „Sie erzeugen hochwertige Lebensmittel, dafür brauchen Sie faire Preise“, sagte Jochner-Weiß. Brüssel müsse den besonderen Strukturen Bayerns Rechnung tragen. Allerdings wäre vieles einfacher, wenn die Landwirtschaftsverbände BDM und DBV an einem Strang ziehen würden. Der EU-Abgeordnete Dess bekannte sich in seiner Rede als Verfechter der Milchquote. Das Thema sei schwierig, die Lösungsansätze ebenso und Patentrezepte gebe es auch keine. So uneins in dieser Frage wie die deutschen Agrarminister seien auch die Länder im EU-Parlament. Dess kritisierte die Welthandelsorganisation als unfähig, die Probleme im weltweiten Agrarhandel zu lösen und votierte für die Einrichtung von vier Agrarhandelszonen. Da die Unterschiede in der Landwirtschaft einfach zu gravierend wären, sei ein Außenschutz dringend erforderlich. Ohne ihn sei die Mengensteuerung nicht möglich. Für die Einrichtung einer flexiblen Milchmengenregulierung sprach sich die Grünen-Politikerin Ulrike Höfgen aus. Wie die Vorsitzende des Agrarausschusses im Bundestag mitteilte, werde sich ihre Partei dafür stark machen und sehe sich in dieser Forderung durch viele Gesellschaftsgruppen getragen. Bereits in der kommenden Woche werde zum wiederholten Male ein Antrag eingebracht, der den Wegfall der Subventionierung des Milchexportes sowie eine strikte Mengenbegrenzung beinhalte, so Höfgen.

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