Milchpreis vor freiem Fall?

Die Milchpreise sind auf dem absteigenden Ast: „Vermutlich geht nun der freie Fall los“, befürchtete Stefan Barnsteiner, Vorstandsvorsitzender der Milchliefergenossenschaft Peißenberg und Umgebung, bei der Generalversammlung im Gasthof „Post“. Zuletzt erhielten die Milchbauern 35 Cent je Kilogramm Milch. Zu Jahresbeginn waren es noch 42 Cent.

Etwa 18,9 Millionen Kilo Milch lieferten die Landwirte im Jahr 2007 über das „Erste Bayerische Butterwerk“ an die Schongauer Molkerei Hochland. Das sind etwa eine halbe Million mehr als im Vorjahr. 2007 erzielten die Bauern ein Milchgeld von insgesamt 7,12 Millionen Euro. Der Auszahlungspreis betrug dabei 38,72 Cent. Zurzeit liefern 126 Mitglieder, sie stammen von Peißenberg-Ammerhöfe, Schöffau, Wessobrunn und Böbing, an die Molkerei. Unter dem Dach des Butterwerks sind 44 Genossenschaften vereint. Barnsteiner sah den Milchstreik vom Frühsommer in diesem Jahr rückblickend positiv. Ohne den Boykott „hätten wir bereits seit drei, vier Monaten einen viel schlechteren Preis“. Michael Mangold, Vorstandsvorsitzender des Butterwerkes, bezeichnete es als „unverständlich“, dass in Zeiten, in denen zu viel Milch auf dem Markt ist, jährlich die Quote um ein Prozent erhöht werde. Er mahnte: „Wenn der Milchpreis weiter absinkt, werden auch die besten Betriebe Probleme haben, zu überleben. Der Politik ist das, was auf uns zukommt, offenbar egal.“ Rainer Butzke konnte den etwa 100 Anwesenden keine großen Hoffnungen machen. Der Hochland-Vertreter kündigte im Hinblick auf den Milchpreis eine „Abschmelzung“, also einen Rückgang, an. „Es wird wieder aufwärts gehen.“ Die Frage sei, wann. Butzke ergänzte, dass die Politik billige Lebensmittel und billige Milch wolle und das Angebot erhöhe. Bernhard Heger, Kreisvorsitzender des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) untermauerte derweil die Forderung nach einer Mengenregelung. Seines Wissens bekommen Bauern in Mecklenburg-Vorpommern derzeit nur 24 Cent. Auch er fürchtet, dass Zukunftsbetriebe bei dieser Preisentwicklung „massivste Probleme“ bekommen werden. Hegers Resümee: „Die Politiker haben uns voll und ganz im Stich gelassen.“ Die Forderungen des BDM seien missachtet worden. Der Peißenberger vermisse zudem eine Initiative der Molkerei. Die Delegierten wählten mehrere Aufsichtsräte neu. Zudem beschlossen die Anwesenden für jede Gemeinde eine der Kuh-Figuren namens „Faironika“ zu besorgen (Stückpreis: 500 Euro). „Damit können wir den Verbrauchern zeigen, dass es uns Milchbauern noch gibt“, sagte Barnsteiner.

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