Der Minister und das große Puzzle

Angekommen, um die Sorgen und Nöte der Menschen am LTG 61 zu hören: Kommodore Christian Leitges (links) begrüßt auf dem Flugfeld Verteidigungsminister Thomas de Maizière. Foto: Kruse

Richtige Neuigkeiten hatte Thomas de Maizière bei seinem Besuch in Penzing nicht dabei – also immerhin auch keine schlechten. Denn an Standorten, auf denen der Verteidigungsminister zurzeit auftaucht, herrscht in Zeiten der Bundeswehrreform Nervosität. De Maizière sprach lediglich hinter verschlossenen Türen fast zwei Stunden mit Angestellten und Soldaten. „Ich habe mir die Sorgen und Nöte angehört“, erklärte er, bevor er wieder in den Hubschrauber stieg. „Und natürlich haben sich die Bürger­- meister, der Landrat und andere sehr für die Region ins Zeug gelegt. Ich habe jetzt viel Zeit und Gelegenheit, darüber nachzudenken.“

Es bleibt dabei: Die Entscheidung, wie lange in Penzing geflogen wird, fällt erst in einigen Monaten. „Im Mai oder spätestens Juni wird das klar sein“, so de Maizière. Es sei den Beteiligten „nicht zumutbar“, länger zu warten. Sollte die Ausphasung der Transall beim LTG 61 stattfinden, ginge der Betrieb bis 2021 oder 2022 weiter. Falls dagegen der Standort Hohn zum Zug kommt, ist in Penzing wohl schon 2016 Schluss. Dass in dieser Frage eine Vorentscheidung gefallen und er deshalb nach Penzing gekommen sei, verneinte der Minister. „In Schleswig-Holstein stehen Wahlen bevor und ich werde mir deshalb sehr gut überlegen, ob ich Hohn besuche. Ich will das Thema nicht im Wahlkampf haben.“ Dort ist es allerdings offenbar schon angekommen. „Nach meinen Informationen aus der Luftwaffe hat man dem Verteidigungsminister aus militärischen Gründen empfohlen, den Restflugbetrieb von Hohn aus zu betreiben“, vermeldete der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels jetzt in der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung. Der SPD-Politiker, der auch im Verteidigungsausschuss sitzt, sieht zudem skeptisch auf den „Druck“, der aus Penzing aufgebaut werde. „Die Bayern wollen immer ein wenig mehr, als ihnen zusteht.“ Die entsprechende Nachfrage brachte Thomas de Maizière bei seinem Besuch beim LTG 61 nicht aus der Fassung. „Man weiß ja, dass Herr Bartels aus Schleswig-Holstein kommt“, meinte der Minister. „Und er ist in einigen Fragen inzwischen sehr kompetent, aber ein richtiger Luftwaffen-Experte ist er noch nicht.“ De Maizière räumte aber indirekt ein, dass es die Empfehlung für Hohn tatsächlich gibt: „Ich bekomme ja viele Ratschläge, muss mich aber immer wieder einmal auch über eine Expertenmeinung hinwegsetzen. Das ist ein großes Puzzle, bei dem viel mehr Teile ineinander passen müssen, als der Einzelne sieht.“ Generalleutnant Aarne Kreuzin­- ger-Janik, der mit de Maizière nach Penzing gekommen war, schwieg während des gesamten Gesprächs – an dieser Stelle aber nickte der Inspekteur der Luftwaffe immerhin, was den Umstehenden sichtlich Hoffnung machte. Viel mehr Positives gab es aber nicht. „Ich kann den Leuten ihre Sorgen nicht nehmen“, so der Minister auf Nachfrage. „Die Bundeswehr im Rahmen der Reform so stark zu verkleinern, das geht nicht ohne Schmerzen ab. Ich kann nur zusichern, dass fair und nach sachlichen Kriterien geurteilt wird.“ Inspekteur Kreuzinger-Janik stammt aus Lübeck – das liegt bekanntlich in Schleswig-Holstein.

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