Franz Josef Benedikt spricht vor MU über Zukunft der Währungsunion

Bargeld soll bleiben

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„Bloß keine Transferunion.“ In seinem Referat sprach sich Franz Josef Benedikt entschieden gegen die Schuldenverallgemeinerung und Staatsrettungen per Anleiheaufkäufe aus.

Weilheim – Zwei bis drei Mal im Jahr holt sich die Mittelstandsunion (MU) Weilheim-Schongau hochkarätige Experten zu „heißen Themen“ ins Haus.

Zum ersten Vortragsabend 2018 hatte Vorstand Hans Medele den Präsidenten der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Bayern Franz Josef Benedikt zum Thema „Niedrigzinsen, Reformvorhaben, Zukunft des Bargelds, Herausforderungen für die Währungsunion“ eingeladen. Der Dipl.-Volkswirt ist profunder Kenner der Materie, war Chef der Bundesbank in Bayern und ist seit 1. Mai 2016 an der Spitze der Hauptverwaltung in Bayern. „Sie wissen gar nicht, dass Sie mit Ihrer Einladung eines Notenbankers großen Mut beweisen. Ich werde dennoch versuchen, Ihnen die trockene Zahlenmaterie verständlich zu erklären“, begrüßte Benedikt die rund 80 Vertreter aus Wirtschaft und Politik am vergangenen Donnerstag im Medele-Center launig.

In seinem etwa eineinhalbstündigen Referat zog der Finanzfachmann mediengestützt einen breiten Bogen durch die Materie und hielt Wort bezüglich Verständlichkeit. Seine Forderungen an die Politik: Um ein stabiles Finanzniveau in der Europäischen Union zu erreichen, müsse das Vertrauen wieder hergestellt werden. Dazu müssten die Staatsschulden in den Mitgliedsländern abgebaut werden. Die Niedrigzinsphase hätte sich zum Schuldenabbau angeboten, sei aber nicht genutzt worden. Es helfe nicht, immer neue Brandmauern zu ziehen, solange die Ursachen der Verschuldung nicht beseitigt würden. Benedikt vertrat hier eine harte Haltung gegenüber den Schuldnerstaaten. Die Konsolidierung sei alternativlos. Die Maastrichter Verträge müssten von allen eingehalten werden. Verflechtungen zwischen Politik und Banken müssten aufgelöst werden. Ein Nachgeben ziehe nur weitere Forderungen nach einer Verallgemeinerung der Staatsschulden nach sich.

„Ich hoffe und wünsche, dass ein künftiger deutscher Finanzminister sich hier entschieden gegen solche Vorschläge wendet. Alle Mitgliedsländer müssen sich an die Verträge halten. Wer das nicht tut, muss die Konsequenzen tragen.“ Die Zinswende zeige sich schon jetzt ganz vorsichtig. Die Zinsen würden angehoben nach Einstellung der Ankäufe von Staatsanleihen. Als mögliches Datum nannte Benedikt das Jahr 2019.

Beruhigen konnte Benedikt in Bezug auf das Bargeld. Eine Abschaffung sei nicht geplant. In der sich anschließenden Fragerunde plädierte er für eine kontrollierte Immigration europäischer Fachkräfte in die deutsche Wirtschaft. Eine unkontrollierte Einwanderung in die Sozialsysteme dürfe es nicht geben.

Von Georg Müller 

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