Expertentreffen

Weilheimer Mittelstandsunion sorgt sich um Innenstädte

Treffen der Mittelstandsunion.
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Bei dem Expertentreffen im Wirtshaus zum Gögerl v. li.: Wolfgang Puff, Frank Dittmann, Josef Wiedemann, Harald Kühn und stellvertretender MU-Vorsitzender Gerald Weingessl.

Weilheim – Mit 21 Vertretern aus dem Kreis des stationären Weilheimer Handels, der Stadt sowie der gastgebenden Mittelstandsunion (MU) war nicht nur der örtliche Handel stark vertreten, sondern auch die maßgebenden politischen Instanzen, so durch MdL Harald Kühn und Jutta Liebmann und Stefan Frenzl vom Amt für Standortförderung, Kultur und Tourismus.

Hinzu kam als Gastredner Wolfgang Puff, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern. Initiator und Organisator des Expertentreffens war der Weilheimer MU-Chef Josef Wiedemann, der die Veranstaltung eröffnete und gleichzeitig als Gesprächsleiter seinen Vertreter, Frank Dittmann, vorstellte. Nach zwei Stunden des zum Teil emotional geführten Gedanken- und Erfahrungsaustauschs zog dieser ein positives Resümee: Das von allen Seiten mit viel Offenheit und Überzeugungskraft geführte Gespräch habe das gegenseitige Verständnis und den Willen zur Zusammenarbeit betont. Er sprach von einer „Ideen starken Runde“. Wiedemann ergänzte mit der Aufforderung, nach vorne zu schauen, die Gemeinsamkeit der Wirtschaftsvertreter zu stärken und dabei immer die Situation der Arbeitsplätze im Blick zu behalten. Es wurde sich auf eine Fortsetzung des Gesprächsformats im November geeinigt.

Puff skizzierte die Situation in Bayern mit der Beobachtung, dass die Landeshauptstadt unter anderem durch die ausbleibenden Touristenströme am stärksten unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie gelitten habe, während die umliegenden Regionen profitiert hätten, weil die dortige Bevölkerung wieder mehr zuhause einkaufen wollte: „Eine gut aufgestellte Kommune kann überleben, andere werden verlieren.“ Der bauliche und kulturelle „Schmuck“ einer Stadt spiele dabei eine wichtige Rolle, die Mittelstädte sollten sich auf ihre Stärken besinnen. Der stationäre Einzelhandel sei auch für die jungen Menschen interessant, die nicht nur digital einkaufen möchten. Die Kommunen müssten aus ihrem Immobilieneigentum neue Flächen nutzbar machen. Begleitende Hauptakteure seien dabei die Gastronomie und der Einzelhandel: „Je mehr davon auf engem Platz, umso besser!“

Attraktives Weilheim

MdL Kühn eröffnete seine Rede mit dem Hinweis auf vom Freistaat erstattete Gewerbesteuerausfälle der Stadt Weilheim in Höhe von 2,4 Millionen Euro. Die Digitalisierung werde den Erholungsprozess beschleunigen. Für die Metropolregion München, zu der Weilheim zähle, sei er „nicht pessimistisch“. Er erinnerte an die Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur, wie den Halbstundentakt der Bahn von und nach München zu Stoßzeiten und die Straßenbauprojekte in Starnberg und Weilheim. Die wachsende Anziehungskraft des ländlichen Raums, zum Beispiel durch Home Office, verstärke den Trend „Raus auf‘s Land“ – wovon Weilheim mit seiner enormen Attraktivität besonders profitiere.

Florian Lipp vom Kaufhaus Rid und aktiv im „Aktionskreis Innenstadt“ setzte zu einer faktenreichen Generalabrechnung mit der Politik der letzten Jahre an. Er warf der Regierung vor, während der Corona-Jahre willkürliche, widersprüchliche und kleinkarierte Entscheidungen getroffen zu haben, mit denen sie in die Wirtschaft „hinein regiert, eine wahnsinns Bürokratie aufgebaut und mit gängelnden Maßnahmen“ dem Mittelstand das Handeln erschwert habe. So mache es keinen Spaß mehr, Unternehmer zu sein.

Umsatzeinbußen nicht aufholbar

Ins selbe Horn stießen andere Unternehmer, so Werner Schuhladen vom MediaMarkt, Josef Hapfelmeier vom gleichnamigen Schuhhaus, Rüdiger Herrmann von K&L, Prokurist Andreas Weber von der Firma Echter und eine Reihe anderer Weilheimer Geschäftsleute. Einer beklagte die „Entmündigung mittelständischer Familienunternehmen“ und für sein Handelsunternehmen einen 20-prozentigen Umsatzrückgang im letzten Lockdown, der nicht mehr aufholbar sei. Ein anderer Geschäftsmann sprach von Weilheim als einem der besten Standorte in Deutschland mit einem „exorbitanten Umland“. Allerdings sei die Kundenorientierung änderungsbedürftig, dennoch sei Weilheim „definitiv nicht tot“. „Weilheim hat großes Potential“, meinte auch Weber vom Modehaus Echter und verwies auf ein in Murnau erstelltes Strategiepapier.

Von den Vertretern der Stadt Weilheim gab es den Hinweis auf 240 000 Euro aus dem Sonderfonds der Städtebauförderung, die einer förderfähigen Summe von 300 000 Euro entsprechen. Mit dem Geld sollen vier verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden (wir berichteten). Diese stellten Liebmann und Frenzl beim Expertentreffen den Anwesenden kurz vor.

Von Kreisbote

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