Politische Online-Diskussion

Mögliche Reaktivierung der Bahnhalte im Oberland

Haltestelle Bahn
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Eine Reaktivierung der vor rund 30 Jahren still gelegten Bahnhalte war Thema der politischen Diskussion.
  • Stefan Raab
    VonStefan Raab
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Landkreis – Kurz mal zum Shoppen in die Altstadt? Oder Freunde im Eiscafé am Marienplatz treffen? Wer aus dem Umland mit dem Auto nach Weilheim hineinfährt, muss seit Langem mit einem Stopp-and-Go-Verkehr auf der Bundesstraße 2 in Weilheim rechnen.

Das sorgt nicht nur für schlechte Lebensqualität, Lärm und viel Stress, sondern erhöht auch den CO2-Ausstoß in erheblichem Maße. München-Pendler*innen müssen zudem mit dem Fahrzeug erst nach Weilheim oder Tutzing fahren, um mit der Bahn in die Landeshauptstadt zu ihrem Job zu gelangen. Nun macht der Fahrgastverband PRO Bahn Oberbayern einen Vorschlag zur Entlastung vom Straßenverkehr: Für die rund 7 000 Bürger*innen aus den Gemeinden Polling, Wielenbach und Wilzhofen könnten die vor rund 30 Jahren still gelegten Bahnhalte reaktiviert werden, um schnell und klimafreundlich nach Weilheim und München zu kommen.

Auf einer Online-Konferenz am vergangenen Freitag waren Landtagsabgeordnete, Gemeindepolitiker und Experten der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) zusammengekommen, um über das ambitionierte Vorhaben einer Reaktivierung der drei Bahnhalte zu sprechen. Organisator war der Fahrgastverband PRO Bahn Oberbayern, der vor einigen Tagen seine Aktionswoche „Mehr Bahn wagen – auch in Bayern!“ ausgerufen hatte. Dessen Vertreter, Norbert Moy, benennt das vorrangige Problem, das die Bürger aus dem Umland vorfinden, wenn sie den „überbordenden Straßenverkehr“ nach Weilheim umgehen wollen – ohne sich hinter das Lenkrad ihres eigenen Autos zu setzen: „Die Busse fahren zu selten, vor allem am Wochenende.“

Was sagt Harald Mansi, Bügermeister Wielenbachs, zu dieser verfahrenen Situation? Der Gemeindepolitiker befürchtet eine weitere Zuspitzung des Individualverkehrs auf den Straßen der Region durch den anhaltenden Siedlungsdruck. Resultat: die Mobilität zwischen dem Oberland und München wachse deutlich an. Daher würde ein Kurzverkehr zwischen Weilheim und Wielenbach „viel bringen“. Für Martin Pape, Bürgermeister der Gemeinde Polling, ist klar, dass ein Bahnhalt in seiner Gemeinde dem Pendler sehr entgegenkommen würde. Dabei verweist der Politiker auch auf ökologische Aspekte. Wichtig ist ihm aber vor allem: „Wir brauchen ein g’scheit’s Verkehrskonzept für Bahn und Auto!“

Wie wichtig für die Verwirklichung der anvisierten Bahnhalte ein Konzept ist, macht Kord Simons, Infrastruktur-Experte bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, deutlich. „Ein neuer Halt muss in das Gesamtkonzept passen.“ Dabei gilt es einiges zu beachten. Die Infrastruktur für das gewünschte Projekt müsse gegeben sein, was zurzeit bei der eingleisigen Streckenführung südlich von Tutzing nicht der Fall und daher ein Ausbau unumgänglich sei. Auch die Wirtschaftlichkeit spielt eine große Rolle. So wären in der Kalkulation mindestens 100 Ein- und Ausstiege auf diesen Strecken notwendig, so Simons weiter. Und er gibt zu Bedenken, dass neue Haltepunkte nicht nur vorteilhaft seien: „Neue Haltepunkte haben auch Nachteile. Passagiere, die weiterfahren wollen, kommen an ihrem Zielort später an.“

Dass Bahnfahrer derzeit im Halbstunden-Takt von Weilheim nach München fahren können, betrachtet Harald Kühn, Mitglied des Landtags, als ein sehr gutes Angebot der Bahn. Für den CSU-Politiker steht die gleichberechtigte Optimierung aller Verkehrsangebote im Fokus. In Bezug auf den zukünftigen Individualverkehr in 20 Jahren rechnet der ehemalige Bürgermeister von Murnau mit entscheidenden Veränderungen: „Es wird eine ökologische Optimierung der Autos geben, und auch das autonome Fahren wird den Straßenverkehr entscheidend verändern, gerade auf dem Land.“

Für Andreas Krahl, Mitglied des Landtags für Bündnis 90/Die Grünen, ist die Reaktivierung der Bahnhaltepunkte in Polling, Wilzhofen oder Wielenbach „wichtig“. Die Finanzierung des Infrastrukturausbaus müsse „selbstverständlich gesichert“ sein, aber ebenso die Attraktivität der Bahn selbst: „Bahnnutzer brauchen einen WLAN-Zugang, um arbeiten zu können, Musik zu hören oder um Filme zu streamen.“

Trotz zum Teil unterschiedlicher Positionen zur Reaktivierung der alten, still gelegten Bahnhalte in Polling, Wielenbach und Wilzhofen hat eine rege politische Diskussion darüber begonnen, wie der Straßen- und Schienenverkehr im Oberland künftig aussehen kann. rab

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