"Möglichst familiäre Atmosphäre" – Martin Okrslar stellt Projekt Demenz- und Pflegewohngemeinschaft vor – Eröffnung 2014 geplant

Wenn alles klappt, sollen 2014 die Demenz- und Pflegewohngemeinschaften an der Ecke Älblstraße/Eichenweg eröffnet werden. Petra Stragies von der Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel e.V. und Martin Okrslar von der Firma Maro erklärten in einer Infoveranstaltung am Dienstag, 22. Mai, den Besuchern und vor allem auch den Anwohnern, denen dieses Projekt ein Dorn im Auge ist, wie die Demenz-WG funktionieren soll.

Geplant sind zwei Häuser, 18 auf zwölf Meter. Im ersten Haus sollen eine Wohngemeinschaft für zwölf Bürger mit Demenz und im zweiten Haus eine Pflege-WG entstehen. Ein ambulanter Pflegedienst sorgt sich dann um die Bewohner. „Es ist eine harte Sache jemanden zu pflegen. 40 bis 70 Prozent der an Demenz erkrankten Menschen sind in Heimen untergebracht. Das klassische Pflegeheim ist aber nicht immer richtig ausgestattet“, meinte Projektleiter Okrslar. Was ist bei dieser ambulant betreuten WG für Demenz und Pflege anders? Okrslar erklärte, dass die WG auf das Krankheitsbild der Person optimal ausgerichtet wird, unnötige Medizin, wie Beruhigungsmittel, vermieden werden, die Bewohner ihren Alltag selbst bestimmen können und es auch eine enorme Entlastung für die Angehörigen ist, zu wissen, dass es dem Vater, der Mutter oder Geschwister gut geht. Außerdem behält die Familie eine tragende Rolle, indem sie in den Alltag der WG mit eingebunden wird. Es soll eine möglichst normale und familiäre Atmosphäre herrschen. Wie funktioniert die WG? Laut dem Projektleiter wird es ein Gremium geben, welches aus den Angehörigen besteht. Das Gremium kommt alle sechs Wochen zusammen. Sie treffen Entscheidungen, wie welcher Pflegedienst in Frage kommt, wer einen Platz in der WG bekommt, denn die Chemie sollte schon stimmen. Sie setzen die Verträge auf und vertreten die WG-Bewohner gegenüber den Behörden und der Heimaufsicht. Die Moderation, also die Hilfe bei der Aufbauarbeit, übernimmt das Bayerische Sozialministerium für ein Jahr, danach setzt Stragies diese Aufgabe fort. Finanzieren soll sich das Projekt durch ein Genossenschaftsmodell, das heißt, jeder ist Mieter und auch Eigentümer. Der Vorteil, so Okrslar, ist, dass die Mieten dadurch viel langsamer steigen, es keine Eigenbedarfskündigung gibt und es auch kein Renditeobjekt werden kann. „Außerdem fördert es das ,wir Gefühl’“. Geplant sind zwei bis drei Pflegekräfte pro Haus, die sieben Tage die Woche für die 24 Bewohner da sind und nachts wird eine Person anwesend sein. „Das geht doch niemals auf“, meinte ein Besucher. Dem widersprach Sonja Brandtner, die im Vorstand einer Demenz-WG in München sitzt. „Doch, das klappt sehr gut, denn wenn die Leute tagsüber beschäftig sind, schlafen sie auch.“ Wer in die Demenz- oder Pflege-WG einziehen möchte, muss mit einer Miete von 1 280 bis zu 1 500 Euro rechnen. Es sollte auch ein ärztliches Attest vorliegen, dass der/diejenige an Demenz erkrankt ist. In der Pflege-WG werden BürgerInnen mit der Pflegestufe eins bis drei aufgenommen. „Die zukünftigen Bewohner sollten gerne in einer Gemeinschaft leben wollen, aus Weilheim oder der Gemeinde kommen“, antwortete Okrslar auf die Frage, wer denn für die WG geeignet sei. Sorgen bereitet den Anwohnern aber immer noch das „unkontrollierte Schreien oder Herumspazieren der Bewohner“. Stragies wollte ihnen diese Angst nehmen: „Menschen mit Demenz schreien nur, wenn sie Schmerzen haben oder ihnen langweilig ist. In der WG können Pfleger schneller das Problem des Bewohners erkennen und ihm oder ihr helfen.“ Dem stimmte Beate Gürster vom Fuchstaler Pflegedienst zu, „denn man kennt ja seine Leute.“ Die ersten Anmeldungen für die ambulant betreuten Wohngemeinschaften für Demenz und Pflege gibt es laut Okrslar schon.

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