Antonia Schreitt schließt ihren Laden "Molkereiprodukte Luitz"

Familientradition geht zu Ende

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Das „Danke-Plakat“ hängt schon im Schaufenster. Antonia Schreitt schließt ihren Laden.

Weilheim – „Ich habe mich schon von vielen meiner Kunden, die von außerhalb kommen, verabschiedet. Da gab es Bussis und Umarmungen, das ist schon sehr rührend für mich“, sagte Antonia Schreitt, Inhaberin des in Weilheim bekannten „ Molkereiprodukteladens Luitz“. In den nächsten Tagen schließt die 61-Jährige ihr Käse- und Milchparadies.

Wenn man die Türe des Ladens in der Admiral-Hipper-Straße 15 öffnet, klingelt eine kleine Glocke und hinter dem dunkelgrünen Vorhang kommt wahrscheinlich Weilheims beliebteste Käsefachver- käuferin hervor und begrüßt einen immer mit einem Lächeln auf dem Lippen: „Guten Tag Frau Jazbec. Wie geht es Ihnen?“. Jetzt findet diese Familientradition in Weilheim ihr Ende. Seit vielen Generationen ist die Familie Luitz in verschiedenen Orten in Bayern im Molkereiwesen tätig gewesen. 1918 übersiedelte Josef Luitz von Haunshofen nach Weilheim und übernahm eine Molkerei in der Schöffelhuberstraße mit dem dazugehörigen Geschäft in der Admiral-Hipper-Straße 20. Nach 17 Jahren zog der Laden zwei Nummern weiter und im Jahre 1938 hatte das Geschäft dann die Hausnummer 17. Anton Luitz, Sohn von Josef Luitz, übernahm 1948 den Laden und die Molkerei. 1955 wurde diese aber eingestellt und lediglich der Einzelhandel fortgeführt. Nach dem Tod von Josef führte 1977 seine Frau Centa Luitz den Laden weiter. 1984 zog dieser dann noch ein letztes Mal um, und zwar in die Admiral-Hipper-Straße 15. Antonia Schreitt übernahm die Geschicke des Hauses dann ab 1997. Im selben Jahr wurde der Laden modernisiert und erweitert. „Ich war ja 50 Jahre in diesem Geschäft. Als kleines Mädchen habe ich schon geholfen und es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht“, sagte sie. Ihre Passion zum Beruf merkt man ihr auch an. Jeder Kunde wird immer freundlich empfangen, und ein gutes Namensgedächtnis hat die 61-Jährige auch, denn sie begrüßt ihre „Gäste“ immer mit ihren Namen. „Es ist eben viel persönlicher in so einem kleineren Laden. Wenn Zeit ist, ratsch’ ich ein bisschen mit den Damen und Herren. Mir wird auch vieles anvertraut. Die Menschen wissen, das ihre Geschichten bei mir bleiben. Das Vertrauensverhältnis zwischen meinen Kunden und mir ist sehr groß“, erklärte Schreitt. Bis zu 300 Käsesorten aus allen Länder und Regionen hatte sie im Angebot. Es gab Spezialitäten kleiner Käseerzeuger aus Bayern, Österreich, Italien und besondere Käsedelikatessen kleiner und mittelgroßer Käsereien und Sennereien aus allen Gebieten Frankreichs. Auch Bioprodukte aus heimischer Erzeugung, wie die frischen und großen Eier, waren bei den Kunden sehr beliebt. Der Feinschmecker fand bei Antonia Schreitt auch weitere Delikatessen, wie ausgezeichnete Konfitüre, Marmeladen, gute Schokolade sowie süße und pikante Gebäcke und Knabbereien. Sie und ihr Geschäft werden in Weilheim fehlen. „Ich habe so viele liebe Kunden. Manche waren schon als Kleinkinder mit ihren Eltern hier und nun kommen diese mit ihren Sprößlingen zu mir“, sagte die Inhaberin zurückblickend. So sieht man, wie die Zeit vergeht. Vor eineinhalb Jahren beschloss sie kürzer zu treten. „Meine Söhne haben mich auch in meiner Entscheidung bestärkt. Ich freue mich jetzt auf einen ruhigeren Abschnitt“, sagte Antonia Schreitt mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Verdient hat sie es sich auf jeden Fall. Jeden Morgen hieß es für sie um 5 Uhr aufstehen, Produkte einräumen, Einkäufe und Bestellungen erledigen und am Abend die Theke putzen. „Es gab immer etwas zu tun“, sagte sie. Nun gibt es niemanden, der diesen Familienbetrieb weiterführen wird. Sohn Christian Luitz übernimmt das Zigarrengeschäft Dietlmeier. Dieser wird auch im Sinne der Familie Dietlmeier weitergeführt. „Es bleibt alles beim Alten“, versicherte Christian Luitz. Ab Freitag ist er offiziell im neuen Laden. Auf die Frage, was Antonia Schreitt vermissen wird, antwortete sie prompt: „Meine Kunden werden mir fehlen. Die Situation wird für mich sehr ungewohnt sein. Ich bekomme einen neuen Tagesrhythmus.“ Aber sie freut sich auch auf die neue Zeit. Wenn die Sonne wieder über dem Weil­heimer Marienplatz scheint, wird sie bestimmt bei dem einen oder anderen Spaziergang einen Plausch mit ihren ehemaligen Kunden halten. Vielen Generationen wird „Molkereiprodukte Luitz“ in sehr guter Erinnerung bleiben, und das auch dank Antonia Schreitt.

Von Alma Jazbec

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