Teilnehmer der "Mood-Tour" machten auf ihrer Etappe Halt in Weilheim

7 000 km gegen die Depression

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Werden auf ihrer Etappe noch bis nach Isny ins Allgäu fahren (v. li.): Christoph, Initatior Sebastian Burger, Peter Kraus, Volker Wieland und Boris (vo.).

Weilheim – Sie radeln drei Monate lang mit ihren Tandems quer durch Deutschland. 64 Teilnehmer, teils mit und teils ohne Depressionserfahrung, legen rund 7 000 Kilometer zurück und machen Station in verschiedenen Städten.  Das Ziel der „Mood- Tour“: ein offener Umgang mit dem Thema „Depression“. 

Die Teilnehmer engagieren sich außerdem für Betroffene, die es sich nicht leisten können, ihre Depression öffentlich zu machen. Bei der Durchreise eines der Etappenteams in Weilheim hat sich ein Teilnehmer bereit erklärt, offen über seine Erfahrungen mit der Depression zu sprechen.

Wie hat sich die Depression bei Ihnen geäußert? 

Christoph: „Das Leben hatte plötzlich keinen Wert mehr für mich. Ich wollte verschiedene Sachen machen, die ich aber nicht umsetzen konnte. Daraus haben sich Ängste entwickelt, die bis zu Selbstmordgedanken geführt haben.“ 

Gab es eine bestimmte Ursache für die Depression?

Christoph: „Einen direkten Auslöser gab es nicht. Ich hatte immer schon eine leichte Tendenz dazu. Mein Vater ist früh gestorben und als Kind einer Einwandererfamilie hatte ich Probleme in der Schule.“ 

Kann man sagen, dass manche Leute mehr gefährdet sind als andere? 

Christoph: „Einige Leute reagieren sensibler auf Probleme und diese Leute sind auch empfänglicher und anfälliger für Depressionen. Mein Bruder ist da zum Beispiel auch ganz anders als ich.“ 

Wie erging es Ihnen während dieser Zeit? 

Christoph: „Ich hatte unheimliche Schwierigkeiten, mich zu motivieren, etwas zu machen. Ich hatte eine Phase, in der ich Wochen und sogar Monate lang nicht schlafen konnte. Ich war antriebslos und lustlos.“ 

Wie hat sich das auf das berufliche Leben ausgewirkt? 

Christoph: „Die Kollegen haben gedacht, dass ich keine richtige Motivation mehr habe, das hat sich auf die Stimmung ausgewirkt. Sie wussten aber nicht, dass ich Depressionen hatte. Ich habe auch nichts gesagt.“ 

War Ihnen klar, dass es nicht nur eine Krise ist, in der Sie steckten? 

Christoph: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich krank bin und zum Psychiater muss. Ich habe nicht geglaubt, dass mir ein Arzt helfen kann.“ 

Wann haben Sie beschlossen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen? 

Christoph: „Ich merkte, dass sich was ändern muss, hatte Gespräche mit Therapeuten und in einer Selbsthilfegruppe, die mir aber nicht richtig geholfen haben. Anschließend habe ich ein Wochenende in einer psychosozialen Klinik verbracht. Aus dem Wochenende wurden letztendlich drei Monate.“ 

Wie sieht die Therapie in einer Klinik aus? 

Christoph: „In der Klinik ist nicht viel abgelaufen, das ist eher ein Schutzraum. Es haben viele Einzel- und Gruppengespräche stattgefunden und man hatte sehr viel Zeit zum Nachdenken, was mir sehr geholfen hat.“ 

Haben Sie einen Tipp, wie man sich vor einer Depression schützen kann? 

Christoph: „Man muss immer die Dinge im Leben machen, die einem Spaß machen und die Beziehungen zu seinen Freunden pflegen.“ Vielen Dank für das Gespräch!

Wer mehr über die Mood-Tour erfahren oder an einer Etappe teilnehmen möchte, kann sich im Internet unter www.mood-tour.de informieren. 

Das Gespräch führte Lea Stäsche.

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