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Areal am Schloßmuseum Murnau wird nach Künstler Kandinskys benannt

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Von: Antonia Reindl

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Bekommt den Namen Wassily Kandinsky-Platz: Die Fläche unterhalb des Schloßmuseums.
Bekommt den Namen Wassily Kandinsky-Platz: Die Fläche unterhalb des Schloßmuseums. © Reindl

Murnau – Eigentlich recht unscheinbar ist der Platz, der sich unterhalb des Schloßmuseums zeigt. Und eigentlich trifft es Platz nicht einmal. Nun soll das Areal aber wirklich ein Platz werden und auch noch nach einem berühmten Maler des Blauen Reiters benannt werden. Mehrheitlich befürwortet der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Umbenennung der Fläche in Wassily Kandinsky-Platz. Jedoch gibt es auch zwei Gegenstimmen, eines Ungleichgewichtes wegen.

Die Idee für die Taufe stammt von der Privatstiftung Schloßmuseum Murnau. Diese beantragte die Benennung des Areals unterhalb des Schloßmuseums nach Wassily Kandinsky. In dem Antrag wird aber nicht allein der gewünschte neue Name aufgeführt, es finden sich auch „Ansätze für eine mögliche Umgestaltung beziehungsweise Aufwertung des Platzes“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Von Seiten der Schloßmuseumsleitung wird der Antrag befürwortet, es sei wichtig, diesen Künstler mit der „Platzbenennung zu würdigen“. In der schriftlichen Stellungname ist unter anderem zu lesen, dass „durch die Werke Gabriele Münters, aber vor allem durch die Werke des international viel bekannteren Wassily Kandinsky, seinen zwischen 1908 und 1914 entstandenen Ansichten vom Ort und seiner Landschaft, Murnau auf der ganzen Welt berühmt geworden ist“. Die Marktgemeinde sei sogar „auf der ganzen Welt als Lebensstation Kandinskys bekannt“.

Eine sehr ausführliche schriftliche Stellungnahme liefern Dr. Michael Rapp (CSU) und Dr. Elisabeth Tworek (Mehr Bewegen). Darin führen die beiden Referenten für Kultur, Heimat und Denkmalschutz die Gründe auf, aus denen es „genau der richtige Platz“ für eine solche Benennung sei. Der Platz liege zentral, es brauche „nur geringe bauliche Änderungen“ und keine privaten Adressänderungen. Auch sei „mit verhältnismäßig wenig Kosten zu rechnen“. Gern sähen die beiden „stelenartige Informationen mit Gemäldeansichten Kandinskys“ an dem Platz, wobei sich die Stelen an die Gestaltung bisheriger Schautafeln orientieren sollten. „In aller Kürze“ fasst Rapp die Stellungnahme dann noch einmal in der Sitzung zusammen und betont, dass es „keine Parkplatzeinbußen“ geben soll.

Der Marktgemeinderat stimmt am Ende mehrheitlich für die Umbenennung – unter der Voraussetzung, dass die momentane Nutzung erhalten wird und keine umfangreichen gestalterischen Veränderungen durchgeführt werden. Zwei Gegenstimmen erheben sich jedoch, von Veronika Jones und Stephanie Neumeir-Schrank (beide Grüne).

Wenige Tage nach der Sitzung erklärt Jones, aus welchen Gründen Wassily Kandinsky für Neumeir-Schrank und sie selbst als Namenspatron nicht die richtige Wahl sei: „Für echte Gleichberechtigung braucht es die Sichtbarkeit von Frauen“, sagt Jones. Sichtbarkeit auch im öffentlichen Raum. In der Marktgemeinde könne man „die nach Frauen benannten Straßen wohl an wenigen Fingern“ abzählen. Aber „für die der nach Männern benannten braucht es mehr als vier Paar Hände“.

An möglichen Namenspatroninnen würde es eigentlich nicht mangeln. „Angefangen von Ilse Erl über Elisabeth Zwick bis hin zur hier geborenen Jazzsängerin Barbara Mayr und der hier verstorbenen Puppenmacherin Käthe Kruse. Und noch viele weitere“, so Jones, die den Usus kritisiert, „nur Persönlichkeiten zu nehmen, die einen bestimmten Bekanntheitsgrad erfüllen“. Wenn dieser Grad nicht gegeben sei, „bleiben wir lieber gleich bei der Bedienung von neutralen Namen aus der Botanik. Es gibt ja noch nicht genug Linden- und Gänseblümchenstraßen“. Doch die Suche nach Gleichberechtigung scheint nicht der alleinige Beweggrund für die Gegenstimmen gewesen zu sein:

„Wenn ein Platz schon nach einer weltbekannten Persönlichkeit benannt wird, dann doch bitte ein entsprechend großer und gestalteter Platz. Und kein Parkplatz mit grünem Beischmuck“, bewertet Jones die Strahlkraft des Areals unterhalb des Schloßmuseums.

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