Beteiligung an Mobilitätswoche

Markt Murnau erwägt autofreien Sonntag

Schild Autoverbot
+
Im Rahmen der Mobilitätswoche könnte es auch einen autofreien Sonntag im September geben.
  • VonAntonia Reindl
    schließen

Murnau – Es ist schon ein paar Monate her, da reichte Veronika Jones, Fraktionssprecherin der Grünen, einen Antrag ein, in dem gefordert wird, dass sich Murnau an der Europäischen Mobilitätswoche vom 16. bis 22. September beteiligt. Und mehr noch, die Marktgemeinde soll in diesem Rahmen auch noch einen autofreien Sonntag organisieren.

Was will man mit dieser Mobilitätswoche eigentlich erreichen? Eine Frage, die in der Sitzung zwar nicht gestellt wird, die Jones aber dennoch beantwortet. Es gehe darum, einer breiten Masse die Auswirkungen der derzeitigen Mobilität aufzuzeigen, aber auch, welche alternativen Möglichkeiten der Fortbewegung es gebe. Klingt ein wenig passiv, ist es aber nicht. „Es soll eine Art Mitmachwoche sein“, erklärt Jones und betont, dass sich Institutionen, Vereine und Schulen an der Woche beteiligen können. Wenn Jones nun auf die Stellungnahme der Verwaltung in der Sitzungsvorlage blickt, so zeigt sie sich wenig begeistert, diese „liest sich so, als ob wir nur auf den Overtourism eindreschen“, dabei falle der Begriff lediglich in einem Satz. Ebenso wenig begeistert ist Jones vom Umfang der Beteiligung Murnaus an der Woche. „Es soll nur einen Vortrag geben, das ist mir zu wenig“, sagt Jones. Sie hätte gerne noch einen autofreien Sonntag durchgeführt.

Hätte, hätte, Fahrradkette, denn realisierbar ist ein solcher Sonntag nur bedingt. Dieser sei, zumindest in Gestalt eines Verbots, „rechtlich schwierig durchzusetzen“, erklärt Philipp Zehnder, Umwelt- und Mobilitätsbeauftragter. Vorstellbar ist laut Verwaltung aber, in Abstimmung mit dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen, ein mobiler Mittwoch am 22. September, an dem freiwillig auf das Auto verzichtet werden soll. Der Fokus liege dann auf dem Alltags- und eben nicht auf dem Ausflugsverkehr. In diesem Zusammenhang könnte die Gemeinde dann auch kostenlose Fahrten mit dem Ortsbus anbieten. Auch Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) blickt auf das Größere und findet, dass man „gut beraten“ wäre, „wenn wir uns am Kreis orientieren“.

Begrüßt wird der Grünen-Antrag von Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum), der in dem Schreiben keineswegs einen Zwang erkenne, jedoch den Overtourism durchaus als „wesentlichen Punkt“ herauslese. Dann blickt Manlik noch auf den von Jones erwähnten Vortrag, zu dem sich auch die Verwaltung in ihrer Stellungnahme geäußert hat. Darin heißt es nämlich, dass die Diskussion „Mobilität der Zukunft im ländlichen Raum“ mit Professor Doktor Knie im Kultur- und Tagungszentrum, veranstaltet vom Bund Naturschutz und vom Umweltreferat, „bewusst in den Zeitraum der Europäischen Mobilitätswoche gelegt wurde“. Sonderlich begeistert scheint Manlik von dem Vortrag beziehungsweise dieser Art der Beteiligung nicht zu sein, weist er doch explizit darauf hin, dass der Professor nicht einmal persönlich anwesend sein wird. Einen autofreien Sonntag gebe es schon lange, der „existiert schon 20 Jahre“ und sei in Murnau in der Vergangenheit nur „bedingt wirksam“ gewesen.

Vom Sonntag will sich Stephanie Neumeir-Schrank (Grüne) aber noch nicht ganz loslösen. Sie schlägt vor, an einem solchen Wochentag ein großes Straßenfest zu veranstalten, dann „ist wenigstens der Kern mal autofrei“, und zwar ohne Verbot, sondern aufgrund einer Straßensperrung. An Absperrungen denkt auch Jones, wenn sie vorschlägt, dass man auch eine abgespeckte Version eines autofreien Sonntags umsetzen könnte, mit ein paar gesperrten Straßen, auf denen dann geradelt werden könnte. Hauptachsen freilich ausgenommen, „ist ja klar, dass wir die Bundesstraße nicht sperren können.“ Grundsätzlich findet Michael Hosp (CSU) einen autofreien Tag nicht schlecht, jedoch müsste dieser auf Freiwilligkeit beruhen. „Es gibt Leute, die sind auch am Sonntag auf ihr Auto angewiesen“, merkt er an und fragt sich, wie man im Falle einer Umsetzung eines autofreien Tages differenzieren wolle. Mit fragendem Blick sitzt sein Fraktionskollege Rudolf Utzschneider im Sitzungssaal. „Ich habe Schwierigkeiten, der Debatte zu folgen“, sagt er.

Das entgeht auch Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) nicht. „Sie sind auch der Letzte auf der Rednerliste“, grinst er. Beuting schlägt – quasi als Resümee der Diskussion – einen freiwilligen autofreien Sonntag als Veranstaltungstag vor, an dem eventuell Gratisfahrten mit dem Ortsbus organisiert werden, und rät außerdem dazu, eine Zusammenarbeit mit dem Landratsamt anzustreben. Am Ende votiert man mehrheitlich dafür, sich an der Europäischen Mobilitätswoche zu beteiligen, und zwar mit dem Vortrag „Mobilität der Zukunft im ländlichen Raum“ und einem autofreien Sonntag auf freiwilliger Basis, an dem der Ortsbus kostenlose Fahrten anbietet. Auch stimmt man dafür, mit dem Landratsamt zusammenzuarbeiten, um weitere Aktivitäten zu planen, sowie Vereine und Institutionen einzuladen, sich zu beteiligen. Allein Welf Probst (FWG) stimmt dagegen.

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim-Schongau auch auf Facebook.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Motorrad übersehen: Fahrer lebensgefährlich verletzt
Weilheim
Motorrad übersehen: Fahrer lebensgefährlich verletzt
Motorrad übersehen: Fahrer lebensgefährlich verletzt
CariCorner Secondhand-Laden feiert 15-Jährigens
Weilheim
CariCorner Secondhand-Laden feiert 15-Jährigens
CariCorner Secondhand-Laden feiert 15-Jährigens
TSV Weilheim bietet Onlinekurse und Livestreams für ein Training zuhause an
Weilheim
TSV Weilheim bietet Onlinekurse und Livestreams für ein Training zuhause an
TSV Weilheim bietet Onlinekurse und Livestreams für ein Training zuhause an
Oberhausen: Ein Dorfplatz vor dem Rathaus
Weilheim
Oberhausen: Ein Dorfplatz vor dem Rathaus
Oberhausen: Ein Dorfplatz vor dem Rathaus

Kommentare