Schellenrührer machen am Faschingssonntag dem Winter den Garaus

Uriges Spektakel

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Schellenrühren in der Murnauer Fußgängerzone – am Faschingssonntag, 3. März, sind sie dort wieder ab 14 Uhr zu sehen.

Murnau – Vor vier Jahrzehnten erwachte die „Fosenocht“ aus einem Dornröschenschlaf.

„1978 gab es in Murnau einen großen Faschingszug. Der Holzschnitzer Nikolaus Kölbl hatte die Idee, bei dieser Gelegenheit das historische Schellenrühren neu zu beleben. Eine Gruppe von Männern besorgte sich Kuhschellen und Larven, so heißen die geschnitzten Fosenachtsmasken“, erklärte Martin Bergmeister vom Trachtenverein.

Das ist bis heute so geblieben. Jeden Faschingssonntag sind die Schellenrührer in der Fußgängerzone unterwegs. „13 ‚Rührer‘ müssen es sein – ein Vortänzer und für jeden Monat folgt ein Mann“, so Bergmeister weiter. Der Tanz ist Schwerstarbeit, denn die Schellengürtel wiegen zwischen 20 und 30 Kilogramm. Viele klagen über Rückenschmerzen. Da hilft es nur, den Gurt so eng wie möglich zu schnallen, damit die Schellen kein Spiel haben. „Mitunter gibt es ein böses Erwachen“, sagte Bergmeister schmunzelnd. Es kommt nämlich vor, dass die Leibesfülle der Männer übers Jahr angewachsen ist. Die Schellenrührer sind eine reine Männergruppe. In ihrem Gefolge sind aber auch Frauen zu finden. Meistens führen Hexen den Umzug an. Mit ihren Besen kehren sie den Schnee von der Straße. So zeigen die Hexen dem Winter, dass er jetzt seine Macht über die Natur verliert. Dasselbe Ziel verfolgen die Bärentreiber. Der Bär stellt den Winter dar, der mit einer Kette durch die Gassen gezerrt wird. Gleich darauf folgen die Pfandlzieher – vier Burschen ziehen einen, auf einer Pfanne sitzenden, Kameraden. Diese Pfanne symbolisiert einen Pflug, der den gefrorenen Boden für die neue Saat aufbricht. Weiter geht es mit den Jacklschutzern. Sie schleudern die kleine Winterpuppe „Jackl“ mit einem Leinentuch in die Höhe und verbrennen sie nach Einbruch der Dunkelheit. Die Biggalan-Figuren in weißen Gewändern und schwarzen Zipfelmützen springen lautlos umher und erschrecken mit ihren Schweinsblasen die Mädchen und die Kinder. Der Marsch wird während des Umzuges von Musikanten in Flickengewändern begleitet. Wichtiger Bestandteil dieses alpenländischen Winteraustreibens sind auch das Untersberger- Manderl und das Untersberger-Weiberl.

Alle diese Figuren, wie auch die Riesen und Teufel, sollen nicht nur dem Winter den Garaus machen, sondern die Menschen daran erinnern, die kommende Fastenzeit einzuhalten. 

Von Günter Bitala

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