In der Schuld gestanden

Murnauer Feuerwehrgerätehaus soll auf ehemaligem Volksfestplatz entstehen

Symbolfoto: Blaulicht der Feuerwehr.
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Die Murnauer Feuerwehr braucht ein Gerätehaus. Doch wo es entstehen soll, darüber herrscht Uneinigkeit.
  • VonAntonia Reindl
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Murnau – Man muss nicht einmal einen Blick auf die Tagesordnung werfen, um zu wissen, dass an diesem Abend der Marktgemeinderatssitzung der Neubau des Feuerwehrgerätehauses Thema sein wird. Vor Sitzungsbeginn tummeln sich vor dem Sitzungssaal ein paar Feuerwehrler. Ein paar Minuten später wird man im Gremium über den Bericht zum aktuellen Gutachten sowie die Empfehlung des Arbeitskreises Feuerwehrbedarfsplan sprechen – und die Feuerwehrler werden genau hinhorchen.

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) verliest die Vorlage, die ein paar Seiten und reichlich Worte umfasst. Er wirft dabei einen Blick zurück auf Juli 2019, als man sich im Marktgemeinderat für den alten Volksfestplatz an der Kellerstraße als Standort für den Neubau aussprach. Im November selbigen Jahres kam dann die Idee auf, „so was Ähnliches wie einen Blaulichtcampus“ gemeinsam mit der Rettungswache des Bayerischen Roten Kreuzes auf dem Areal zu errichten, berichtet der Bürgermeister weiter. Auch Pläne für eine Tiefgarage standen da schon zur Debatte, und Parkmöglichkeiten für den angrenzenden Rewe-Markt, der derzeit auf dem Areal Stellflächen für seine Kunden zur Verfügung stellt. „Die Verwaltung wurde beauftragt, auf Basis der bekannten Daten der Feuerwehr und des BRK, eine städtebauliche Voruntersuchung durchzuführen“, heißt es in der Vorlage.

Ein Verkehrsgutachten wurde in Auftrag gegeben und dem Marktgemeinderat im September 2020 präsentiert. Im November 2020 hätte die Mehrheit des Arbeitskreises daraufhin dafür gestimmt, mehrere Standorte für den Neubau zu prüfen, erinnert der Rathauschef. Beuting erwähnt das von der Kocheler Straße und Schwaigangerstraße umschlossene Areal, den neuen Volksfestplatz am Kemmelpark sowie besagten alten Volksfestplatz an der Kellerstraße.

Vor wenigen Wochen fand der Arbeitskreis abermals zusammen. In dieser Sitzung habe die Verwaltung mitgeteilt, dass „die BRK-Rettungswache zwischenzeitlich ein Grundstück in direkter Nähe zur Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik gefunden und somit kein Interesse mehr an der Realisierung der Rettungswache im Zusammenhang mit dem Feuerwehrgerätehaus-Grundstück hat“, ist in der Vorlage zu lesen. Der BRK-Bau erfolge „aller Wahrscheinlichkeit nächstes Jahr“, so Beuting. Auch die alternativen Freiflächen an der Schwaiganger- und der Kocheler Straße sind nach der Einschätzung eines Fachbüros raus.

Es geht wieder von vorne los

Zu welchem Ergebnis kommt man nun also? Im Grunde genommen geht alles auf Anfang, zumindest in Sachen Standort. Der Arbeitskreis hält demnach an dem Juli-Beschluss von 2019 fest. Und wie soll es nun weiter gehen? Beuting präsentiert den möglichen Zeitplan, erstellt vom Marktbauamt: Bis Ende des laufenden Jahres soll eine Machbarkeitsstudie für eine Tiefgarage erstellt werden, bis Mitte August sollen dabei noch „Ideen, Vorschläge und Vorgaben“ gesammelt werden. Den Architektenwettbewerb und den Aufbau eines Planerteams verortet man ins kommende Jahr. Den Bebauungsplan könnte man 2023 aufstellen, dann würde man auch die Bürgerbeteiligung durchführen, denn „da wissen wir, wie es in etwa ausschaut“, so Beuting. Würden 2024 die Spaten in die Erde gestochen werden, könnte der Neubau ab 2026 oder 2027 genutzt werden. „Ein realistischer Zeitplan“, meint Beuting und betont: „Das können wir schaffen, wenn wir die Sache gemeinsam durchziehen“, sagt er. „Wir sind es der Feuerwehr schuldig, dass wir Klarheit schaffen“, sagt der Bürgermeister weiter. Einen Beschluss strebt er nach seinem langen Vortrag nicht an, „es gibt ja Beschlüsse für den Standort“, sagt er. „Was mich betrifft, passt das jetzt so“.

Der Feuerwehr schuldig sein, Worte, die wohl ebenso aus Michael Hosps (CSU) Mund hätten kommen können. Der Feuerwehrreferent erinnert angesichts der jüngsten Überflutungen vielerorts daran, wie wichtig das Engagement der Einsatzkräfte ist. „Man stelle sich vor, es brennt, und niemand würde kommen“, wandelt er Carl Sandburgs in aller Ohren bekanntes Zitat ab. Mit Blick auf den zu realisierenden Neubau meint er abschließend, „des muaß ma jetz machen“.

Welf Probst (FWG) möchte aber nicht unerwähnt lassen, „dass wir auch noch in der Planung der Umgehungsstraße stehen“, weshalb man darauf achten sollte, dass die Pläne nicht in Konflikt geraten. „Niemand möchte einer möglichen Umgehungsstraße die Trasse verbauen“, betont Beuting. Veronika Jones (Grüne) ist mit dem Kopf derweil beim Zeitplan hängen geblieben. Dass die Machbarkeitsstudie erst im November im Marktgemeinderat präsentiert wird, scheint ihr zu lange zu dauern. „Wegen mir kann man das auch früher machen“, lächelt sie. Früher, schneller, wird das wohl aber nicht möglich sein, immerhin geht es nicht allein darum, eine Tiefgarage an die Kellerstraße zu bringen, sondern eben auch ein ganzes Feuerwehrgerätehaus darüber.

Was die Kosten anbelangt, so führt der Rathauschef eine Schätzung von rund acht Millionen Euro auf, basierend auf Ausgaben für bereits umgesetzte Vorhaben ähnlicher Größenordnung. In der Schätzung nicht enthalten: die Tiefgarage sowie die Altlastensanierung.

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