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Murnau: Radwegneubau in der Poschinger Allee erneut Thema

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Von: Antonia Reindl

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Fahrradweg mit Radfahrer
Insbesondere die Zukunft der Bäume beschäftigt viele beim Thema Radwegneubau in der Poschinger Allee. © Symbolbild: Bildagentur PantherMedia / blasbike

Murnau – Draußen vor dem Rathaus, die ersten Gemeinderäte und Gemeinderätinnen kommen zur Sitzung, Schilder, ein Mikrofon und eine Traube Menschen. Diese protestieren vor Sitzungsbeginn gegen die potenzielle Fällung der Bäume in der Poschinger Allee. „Die Bäume müssen bleiben!“, schallt es den eintretenden Räten und Rätinnen entgegen. Aufgerufen zur Kundgebung hatte der Grünen-Ortsverein Murnau und Umgebung. Einige aus der Traube verschlägt es dann auch in die Zuhörerreihen im Sitzungssaal, wo sich das Gremium rund zweieinhalb Stunden mit der Allee – der Planung des Radwegs wie zwei Anträgen – beschäftigt. Am Ende sieht es nicht gut aus für die Bäume.

Wohin der Wind an diesem Abend weht, wird gleich zu Beginn klar: Bei der Bürgerfragestunde erheben sich mehrere Stimmen. Immer wieder ist der in der Poschinger Allee anvisierten Radwegbau Thema und es werden Sorgen laut – ums Klima, um die Kosten, um die vielen Bäume. Der Großteil des Abends, er gehört der Poschinger Allee, ihrer Zukunft, der Zukunft der Bäume. Unter anderem muss das Gremium darüber abstimmen, wie man den Radweg realisieren möchte.

Zwei Varianten standen dabei zuletzt im Raum. Variante eins: ein Radweg südlich der Allee im Grünbereich, topografischer Verlauf, teilweise ersatzlose Baumfällungen. Dafür müsste die Marktgemeinde von der Bundesrepublik circa 1 000 Quadratmeter Grund kaufen und der Zaun der Kaserne müsste auf einer Länge von rund 70 Metern versetzt werden. Kosten ohne Grundkauf und Baunebenkosten: 185 000 Euro (Stand: Januar 2022).

Variante zwei: Verschiebung der Straße um zweieinhalb Meter gen Norden, sodass die Breite auf fünfeinhalb Meter erhöht werden könnte. Alle 50 Bäume an der Poschinger Allee müssten dafür gefällt werden, könnten aber nachgepflanzt werden. Von der Bundesrepublik bräuchte man rund 300 Quadratmeter Grund; der Zaun der Kaserne bliebe unberührt. Kosten ohne Grunderwerb und Baunebenkosten: rund 550 000 Euro (Stand: Januar 2022).

In die Diskussion steigt das Gremium aber nicht mit den Planungen ein, sondern mit einem Antrag von Mehr Bewegen. Die Fraktion beantragt, dass die Verwaltung in die Grundstücksverhandlungen mit der Bundesagentur für Immobilienaufgaben (BImA) geht, damit man sich die Fläche für den kombinierten Fuß- und Radweg an der Allee sichern kann. Für die Fraktion Grundlage, um Variante zwei zu realisieren. In der Sitzung betont der Fraktionsvorsitzende Phillip Zoepf: „Wir müssen in die Verhandlungen mit der BImA einsteigen.“ Allgemeine Gespräche habe man schon geführt, sagt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Der Antrag sei „grundsätzlich nicht verkehrt“, doch man müsse dafür die Frage klären, welche Planungsvariante man wähle, so Beuting.

Wo der Zaun an Grenzen stößt

„Ganz massiv unterstützen wir den Antrag“, meint CSU-Fraktionsvorsitzender Rudolf Utzschneider, der zu den von Beuting erwähnten Gesprächen meint: „Wir wissen nicht, was gesprochen wurde“. Auch will er wissen, was die BImA „bereit ist, zu geben.“ Der Bürgermeister macht deutlich, dass die Gemeinde am Zug sei und Bundeswehr und BImA auf Pläne warten. „Ins selbe Horn blasen“ wie Utzschneider möchte Dr. Josef Raab (Grüne) und wissen, welche Bedingungen die BImA für die Flächenabgabe stellt. „Ich glaube, der Bund kann sich sehr viel vorstellen“, meint Beuting, der jedoch darauf verweist, dass der Zaun der Werdenfelskaserne, der für den Radweg in der Variante zwei versetzt werden müsste, „nicht richtig tief ins Gelände gelegt werden“ könne. Hansjörg Resenberger vom Tiefbauamt nennt mehrere Punkte, an denen man beim Versetzen an Grenzen stößt, den Sportplatz, den Kontrollgang, den Hundezwinger. Wie viele Meter möglich seien, will Utzschneider wissen, zehn, neun, acht, sieben Meter, man könne zehn Anträge stellen, um die Optionen auszuloten, meint Utzschneider und stellt diese dann auch.

Auf das, was die Allee ausmacht, kommt Baumreferent Welf Probst (FWG) zu sprechen. Der Bestand sei „sehr jämmerlich“, die Bäume hätten keine Zukunft. Er bittet um eine Neuanlage, auch wenn er gestehen muss, dass der Radwegneubau „nichts mehr mit einem bloßen Radweg“ zu tun habe. Von einer Antragsreihe, wie von Utzschneider angeregt, würde Wolfgang Küpper (ÖDP/Bürgerforum) abraten. Zumal die Bundeswehr bei Variante zwei gar nichts abgeben müsste. Einfach mit der BImA sprechen will Hans Kohl (Grüne). Josef Bierling (CSU) will nicht abklopfen, wie viel Fläche herauszuholen ist: „Auf dieses Spielchen“ werde sich die Bundeswehr nicht einlassen, meint er und sorgt sich vor Rückschritten in den Verhandlungen.

Veronika Jones (Grüne) würde gerne herausfinden, wie viel Flächen gewonnen werden könnten. „Die Variante eins sei schon die Maximalvariante“, meint Beuting. Für Utzschneider ein „völlig normales Vorgehen“ zu erfragen, wie viele Meter man bekommen könne. Von den Aussagen Brückners, der meinte, die BImA könne sich einen Verkauf vorstellen, wolle aber eine Planung, fühlt sich Utzschneider in seinem Ansinnen bestätigt. Geht es nach Franz Neuner und Leonhard Brey (beide CSU) und auch nach Zoepf, drehe man sich nun im Kreis. Die Fraktion Mehr Bewegen bittet um eine kurze Unterbrechung, um sich intern zu besprechen. Nach der Pause meint Zoepf: „Wir wollen am Antrag festhalten“.

„Irgendwie krumm“

„Die Angst vor Variante zwei“ kann Neuner nicht ganz nachvollziehen. Wie man jetzt auf die Variante zwei komme, verwirrt Utzschneider, habe man doch vor der Pause von den herauszuholenden Metern gesprochen. Für Raab macht es „null Sinn“, eine neue Straße zu bauen, wenn in ein paar Jahren das Nordtor der Bundeswehr komme und die Straße dafür umgebaut werden müsse. Alles „kommt irgendwie krumm“, so Raab. Am Ende stimmt das Gremium dennoch mehrheitlich dafür, dass die Verwaltung in die Grundstücksverhandlungen mit der BImA eintritt, um die Basis für den Neubau des Fuß- und Radwegs in der Variante zwei zu schaffen.

Mehrheitlich abgelehnt wird dagegen der Eil-Antrag der Grünen, „sämtliche Entscheidungen zur Poschinger Allee“, also zum Radweg wie zur Verbreiterung der Straße, „bis zum Abschluss der Haushaltsberatungen zurückzustellen“. Man habe bei dem Projekt „keinen Zeitdruck“, so Jones. Dennoch baue man „ganz schnell eine Straße“ und ignoriere „das, was auf der Prioritätenliste steht“. Für Beuting ein widersprüchlicher Antrag, müsse man doch die Zahlen für die Haushaltsberatungen auf dem Tisch haben. Wenn man keinen Radweg wolle, solle man das einfach sagen, so Beuting, was Jones dann auch deutlich ausruft.

Die Allee, ein unvollständiges Ganzes

Nach langen Diskussionen geht es jetzt erst an die Planung, also „erst richtig zur Sache“, so Beuting. Tiefbauamtsleiter Resenberger beschreibt noch einmal den Zustand der Bäume, nennt etwa Sturmschäden, Wurzelkappungen, offene Zwieselbereiche, Stammfußwunden, Totäste, Fäulnis, ehe er auf die beiden Varianten eingeht. Eigentlich sei es nur noch der „Torso einer Allee“, meint Beuting, der jedem Baum in Murnau gönne, alt werden zu dürfen. Doch diese Stämme seien in sehr schlechtem Zustand, sagt er in Richtung der Zuschauerreihen.

Die Straße werde nur optisch breiter, erklärt Neuner, wenn man das aktuell vorhandene Bankett bedenke. Für Jones bleibt Variante zwei ein „sauteuerer Radlweg“. Und Kohl will keinen Radweg, der an eine Straße gekoppelt ist. „Fakt ist, dass wir einen Antrag auf Radwegverlegung haben und jetzt eine Straße bauen – das ist Mist“, sagt Raab in aller Deutlichkeit. „Wir machen uns das nicht einfach“, meint Zoepf und betont, dass ja auch eine neue Allee angelegt werden soll. Reiner Oppelts (Mehr Bewegen) Antrag, die Debatte abzubrechen – abgelehnt.

Nur vier Prozent gesunde Bäume

„Niemand will willkürlich Bäume fällen“, betont Küpper. Dass es Alternativen zu den beiden vorliegenden Varianten gäbe, darauf verweist Stephanie Neumeir-Schrank (Grüne). Wenn Autos und Schwerlastverkehr weiter über die Wurzeln der Bäume fahren, „wird die Allee in den nächsten Jahren absterben“, meint Simon Pittrich (ÖDP/Bürgerforum). Felix Burger (SPD) würde lieber abwarten, bis die Bundeswehr das Nordtor baue, dann sei diese „am Zug“. Die Variante zwei, „für mich völlig unmöglich“, so Burger. Von den 50 Bäumen der Poschinger Allee seien noch zwei gesund, so Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum), „das ist keine Allee mehr, sondern ein Rudiment“. Manlik will jedoch keinen bedingungslosen Beschluss. Die Bundeswehr soll sich an den Kosten beteiligen, die Kosten müssen sich in finanziellem Rahmen halten und 53 Bäume sollen nachgepflanzt werden.

Am Ende stimmt das Gremium mehrheitlich (sechs Gegenstimmen) dafür, der Variante zwei zuzustimmen. Die Bundeswehr soll sich an den Kosten, die im Rahmen bleiben sollen, beteiligen. Mit einem Fachplaner soll abgeklärt werden, welchen Stammumfang die neuen Bäume haben sollen.

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