Serenade am Ludwig-Denkmal – Heimatabend des Trachtenvereines

Märchenkönig hat Geburtstag

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Die Erinnerung an Ludwig II. wird in Murnau am Staffelsee groß geschrieben. Die Fahne mit dem Portrait des Märchenkönigs wird beim Trachtenverein in Ehren gehalten.

Murnau – Wichtige Geschäfte sind der Grund gewesen, dass Ludwig II. immer wieder in Murnau Station machte.

In der Wirtsstube des Posthalters Augustin Bayerlacher (Hotel Post, Obermarkt) verhandelte der Monarch mit Ludwig Brey über den Kauf der Staffelsee-Insel Wörth. Eine Kopie des französischen Schlosses Versailles wollte König Ludwig dort bauen lassen. So heißt es in der offiziellen Chronik. Was kaum jemand weiß: Der sagenumwobene Regent war eigentlich zum Kegeln an den Staffelsee gekommen...

Die Eltern von Ludwig, König Maximilian II. und Königin Marie, sind gerne gesehene Gäste auf der Insel Wörth gewesen. Anlässlich ihrer Hochzeitstage picknickte das Paar jedes Jahr unter einer Linde, die tausend Jahre zuvor der Wanderprediger Bonifatius gepflanzt hatte. Die Wörth gehörte zur Zeit des Königreichs Bayern Ludwig Brey. Er war Besitzer der Löwenbrauerei in München – und mochte auch nach langen Verhandlungen seine Insel nicht an Ludwig II. verkaufen.

Immer wenn die Gespräche zu scheitern drohten, schlich der König durch den Hinterausgang der Posthalterei. Beim Peterskircherl kletterte er in seine Kutsche und ließ sich heimlich nach Hechendorf bringen. Dort warteten schon die Wirtsleute Miehle auf ihren blaublütigen Besucher. Neben dem Gasthaus „Hoagarten“ gab es nämlich eine Kegelbahn. Seinen Verhandlungsfrust hatte sich dann Ludwig mit ein paar Schub in die Vollen abreagiert.

Eine Anekdote wird in diesem Zusammenhang erzählt: In dem Zimmer, in dem der Märchenkönig während seiner Aufenthalte im „Hoagarten“ schlief, hing über dem Bett ein Portrait von Prinzessin Elisabeth. Wie alle Königtreuen wissen, war Ludwig in das Mädchen verliebt. Als Elisabeth schließlich den österreichischen Kaiser Franz heiratete und als „Sisi“ berühmt wurde, nahm Frau Miehle das Bild ab und versteckte es. Ludwig sollte sich aus Liebeskummer nicht ärgern oder gar in Depressionen verfallen. Als es wieder einmal so weit war und der König nach Hechendorf kam, führte ihn sein erster Weg in das Zimmer. Nach wenigen Minuten stürmte er mit hochrotem Kopf zurück in die Stube und rief: „Wo ist Sisi?!“ Die Miehles mussten das Foto wieder an seinen angestammten Platz hängen – und Ludwig strahlte über das ganze Gesicht.

Nach dem Tod Ludwig II. ließ Posthalter Augustin Bayerlacher auf sein Grundstück an der Kohlgruberstraße ein Denkmal für den König stellen. Es war das erste Ludwig-Denkmal in Bayern überhaupt. Zum Einweihungsfest am 5. August 1894 kamen 18 000 Menschen nach Murnau, und die örtliche Zeitung jubelte: „Die Murnauer haben sich der Aufgabe in würdigster Weise gewachsen gezeigt.“

Die Murnauer verehren „ihren“ Ludwig II. noch heute. Jedes Jahr zum Geburtstag versammeln sich die Mitglieder des Gebirgstrachtenerhaltungsvereines am Denkmal zur abendlichen Ludwig-Serenade. Dieses Geburtstagsständchen für den Märchenkönig gibt es heuer am Samstag, 26. August, um 19.30 Uhr. Im Anschluss daran geht es in das Kultur- und Tagungszentrum zum traditionellen Heimatabend.

Von Günter Bitala

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