In Murnau lebt am Unsinnigen Donnerstag das historische Gunkelgehen wieder auf

Geschnitzte Larven und lustige Verserl

+
Martin Bergmeister, Anton Steigenberger und Lorenz Brey (v.li.) sind faschingsnarrisch. Sie lassen am Unsinnigen Donnerstag in Murnau das historische Gunkelgehen aufleben.

Murnau – Sorgsam wickelt Martin Bergmeister die geschnitzten Holzmasken aus einem Stück bunten Stoff: „Diese Larven sind mehr als 120 Jahre alt und ein Indiz dafür, dass es bereits im 19. Jahrhundert in Murnau ein reges Maschkera-Treiben gegeben hatte.“

Solche Masken waren nämlich auch damals schon ziemlich teuer. Niemand kaufte sie sich, um sie als Raumschmuck in die Stube zu hängen. Bergmeister erklärte: „Die wurden benutzt, getragen und am Aschermittwoch auf dem Speicher versteckt.“

Martin Bergmeister, Anton Steigenberger und Lorenz Brey vom Murnauer Trachtenverein haben einen Weg gefunden, die historische Fosenacht wieder mit Leben zu füllen.

Fosenacht zur vorvergangenen Jahrhundertwende muss man sich anders vorstellen als im 21. Jahrhundert. Damals gab es keine organisierten Umzüge, vielmehr liefen maskierte Einzelpersonen und Kleingruppen von Gasthof zu Gasthof, um die Leute zum Tanzen und Feiern anzuregen.

Bei dieser Gelegenheit wurden der weltlichen und kirchlichen Obrigkeit mit frechen Verserln ordentlich die Leviten gelesen. Dieses Spektakel nennt man Gunkelgehen. Im Verlauf der 1930er-Jahre ist dieser Brauch eingeschlafen beziehungsweise er wurde von den Nationalsozialisten verboten.

Vor zwei Jahren haben Bergmeister, Steigenberger und Brey damit begonnen, den Brauch wieder ins Bewusstsein der Menschen zu bringen: „Im ersten Jahr sind wir drei alleine losgezogen, haben uns am Abend des Unsinnigen Donnerstags maskiert beim Karg reingesetzt und mit den Gästen musiziert. Unser gutes Beispiel ist angekommen. Im vergangenen Jahr waren es bereits mehr als 50 Gunkelgeher.“

Dieses Jahr sollen es noch mehr Faschingsnarrische werden. Steigenberger berichtet: „Am Unsinnigen Donnerstag, 8. Februar, treffen ab 20 Uhr die ersten Maschkera-Gruppen in Kargs Bräustüberl ein. Wie viele es werden, können wir nicht abschätzen. Wir lassen uns überraschen. Willkommen ist jeder, der eine geschnitzte Fosenachtslarve besitzt und ein paar Verserl oder Gstanzl beisteuern mag.“ Das Publikum darf veräppelt, das Ortsgeschehen verspottet werden – natürlich in humorvoller und herzlicher Art. Leute mit Gitarre, Ziach oder Brummtopf sind ebenfalls gefragt. Wer kann Löffel schlagen? Nach einer gewissen Zeit ziehen die Maschkera zum Griesbräu und zum Pantlbräu weiter, wo derweil andere Gruppen eingetroffen sind. Diese wechseln wiederum zu den anderen Wrtshäusern.

Passanten sollen mitfeiern und mittanzen! Am besten natürlich kostümiert, denn das Schöne der Fosenacht ist, sagt Brey: „Niemand weiß, wer hinter der Larve steckt. Mit jedem Kleidungsstück, mit dem man sich verkleidet, verwandelt sich der Träger von einer realen Person in eine fiktive Gestalt. Es ist interessant, wie jeder Einzelne eine neue Figur annimmt.“

Günter Bitala

Auch interessant

Meistgelesen

Auf Bezirkstagskurs
Auf Bezirkstagskurs
Bayerische Impfwoche
Bayerische Impfwoche
Das Licht ist immer wieder anders
Das Licht ist immer wieder anders
Privatschulen oft benachteiligt
Privatschulen oft benachteiligt

Kommentare