Schluss mit Schlucken

Anwohner des Behördenfunkmastes beklagen Belastungsanstieg

Der Behördenfunkmast in Murnau.
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Ein rund 35 Meter langer Dorn im Auge vieler Anwohner ist der Behördenfunkmast, der zwar erst einmal nur als Provisorium am Eisstockschützenplatz steht, aber das auf bislang unbestimmte Zeit.
  • VonAntonia Reindl
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Murnau – Gewiss wäre er an jenem Abend lieber woanders gewesen als bei der Anliegerversammlung, die nun, wenige Wochen nach der Aufstellung des provisorischen Behördenfunkmastes auf dem Parkplatz des Eisstockschützenplatzes, einberufen wurde. Keinesfalls, weil Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) die Anwohner nicht hätte hören wollen. Im Gegenteil, das wollte er. Nein, der Rathauschef machte vielmehr keinen Hehl daraus, dass es Abende wie diese für ihn als Bürgermeister in sich haben.

Ende Juni wurde die mobile Basisstation für den Suchkreis Murnau an der Kellerstraße errichtet. Es dauerte nicht lange und Beuting bekam eine Unterschriftensammlung, ein Zeugnis von Sorgen und Bedenken, in die Hände gedrückt. Diese „hat mir gezeigt, dass es noch sehr viele offene Fragen gibt“, sagt er. Fragen, die an dem Versammlungsabend nun geklärt werden sollen, unter anderem durch Vertreter der Autorisierten Stelle des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA). Im Zentrum soll laut Beuting aber „das Gespräch miteinander“ sein. Anwohner aus einem Umkreis von 200 Metern um den Mast seien eingeladen worden. Scheinbar wohl aber nicht alle, wie einige Besucher mitteilen und wofür sich Beuting entschuldigt. Am Verteilersystem wolle er nachjustieren.

Bis zu diesem Miteinander dauert es nun eine Weile. Zunächst stellt Beuting seine Sicht der Dinge klar. Das LKA sei im Winter auf die Gemeinde zugekommen, weil es „gravierende Versorgungslücken im Behördenfunk“ gebe. Wegen baurechtlicher Probleme sei der Maria-Antonien-Weg, an dem der Gemeinderat das Provisorium situieren hätte wollen, als Standort weggefallen. Dann standen noch drei Grundstücke zur Auswahl: Die Wiese an der evangelischen Kirche, der alte Volksfestplatz und schließlich der Eisstockschützenplatz, auf dem die Basisstation nun steht – solange, bis ein dauerhafter Platz gefunden ist. Dafür gebe die Gemeinde ein eigenes Gutachten, „unabhängig vom LKA“, in Auftrag, wie Beuting berichtet.

Anschließend holt Stefan Klein von der Autorisierten Stelle des LKA aus, er erklärt allerlei Technisches und Physikalisches – und auch, warum man sich für diesen Standort entschieden hat. „Die Basisstation müsse von allen Empfangspunkten etwa gleich weit entfernt sein. Klein zeigt Messungen, die belegen sollen, dass der Mast, was die Empfangbarkeit von Signalen angeht, dort nun gut steht. Was die Sorge vor starker Strahlung angeht, so betont Klein, dass eine „sehr geringe Leistung“ von der Antenne abgegeben werde, „vor allem im Vergleich zum Mobilfunk“. Und: Jeder meine, dass das Problem bei der Basisstation liege. Klein aber nimmt die Endgeräte ins Visier. „Das kleine Gerät schaut so harmlos aus“, sagt er und greift zu seinem Smartphone. Wenn er auf die Station blickt, so erklärt er, dass bislang von vier Trägern maximal einer aktiv gewesen sei, was einer Leistung von etwa fünf Watt entspreche. Ein Mann möchte da wissen, warum man dann die anderen Träger brauche. „Die Basisstation ist nicht für Murnau konfiguriert“, meint Klein.

Unzumutbar

Eine Anwohnerin des Ödön-von-Horváth-Wegs sitzt unruhig auf ihrem Stuhl, als sie aufsteht beklagt sie, dass ihr Bett vielleicht 42 Meter von dem Mast entfernt stehe. „Das ist absolut unzumutbar“, sagt sie, und könne nicht gesund sein. Klein aber betont, dass der gesetzlich vorgegebene Sicherheitsabstand deutlich darunter liege. Und er kommt noch einmal auf den Mobilfunk zu sprechen, bei dem Murnau „sicherlich nicht unterversorgt“ sei. Eine weitere Anwohnerin konfrontiert Klein mit vielen Informationen und Fragen, die der Mann vom LKA mit Geduld beantwortet. Die Dame verweist etwa auf den zweifelhaften Untergrund des Eisstockschützenplatzes, der laut Klein aber vor Errichtung der Interimslösung statisch geprüft worden sei. Und sie betont, dass die Anwohner seit Jahren Mehrfachbelastungen ausgesetzt seien. „Am Maria-Antonien-Weg ist nichts, hier fahren 14 000 Fahrzeuge am Tag“, sagt sie. Ein Anwohner bestätigt dies, wenn er sagt, dass die Kellerstraße „alles schlucken muss“. Eine vielfache Belastung, die Beuting nachvollziehen kann, jedoch „wohnen Sie im zentralen Bereich, nicht in Moosrain“, betont der Bürgermeister.

Zahlreiche weitere Anliegen werden vorgebracht, immer wieder wird betont, dass niemand Zweifel an der Wichtigkeit des Mastes hege. Die Anlage aber möchte man nun eben nicht in der Nachbarschaft. Auch aus ästhetischen Gründen, wie ein Mann vorbringt, der sich auch um den Wert der ansässigen Immobilen mit dem Mast im Nacken Sorgen macht. „Ich kann mir vorstellen, dass es kein Beitrag zur Verschönerung des Quartiers ist“, sagt da Beuting und glaubt, dass dies sicher auch bei der Suche nach einem endgültigen Platz berücksichtigt werde. Bis dato steht der Eisstockschützenplatz noch auf der Liste der möglichen dauerhaften Standorte.

Manche Anwohner werfen dennoch Blicke auf andere Standorte, an denen sie den Mast lieber gesehen hätten, auf dem neuen Polizeigebäude etwa, oder auch am Maria-Antonien-Weg, wo durch eine „Sondergenehmigung“ kein Mast errichtet werden könne, sagt ein Mann. Ob man den Bebauungsplan auch wieder ändern könne, will er wissen. Durchaus. Doch Beuting würde in diesem Fall von einem langwierigen Prozess ausgehen. Doch eine kurzfristige Lösung sei von Nöten gewesen, „es hat sozusagen pressiert“, sagt er. Wie lange diese kurzfristige Lösung an Ort und Stelle steht, konnte Beuting nicht abschätzen, aber „ich gehe davon aus, dass die Anlage über nächstes Jahr steht“. Schließlich erhebt sich Herbert Maurus von der Freiwilligen Feuerwehr Murnau. Er bittet die Anlieger angesichts der Bedeutung eines flächendeckenden Behördenfunknetzes: „Lebt’s die zwei Jahre damit“. Beuting wiederum hat eine andere Bitte, nämlich, dass die Klagenden ihre Sorgen nicht stillschweigend hinnehmen. „Bitte sagen Sie das auch dem Gemeinderat, dass Sie sich mehrfach belastet fühlen“. Sollte es abermals Gesprächsbedarf geben, sei er bereit für eine weitere Versammlung. Dann schnauft der Rathauschef durch. Abende wie diese seien „für Bürgermeister schwere Abende“, sagt er und beendet nach rund zwei Stunden die Versammlung.

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