Nicht ohne Sensibilität

Murnauer Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung der NS-Zeit steht fest

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Bei der Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung der NS-Zeit soll aus jeder Fraktion ein Mitglied mitwirken
  • VonAntonia Reindl
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Murnau – Also wirklich viel her gibt die Sitzungsvorlage zum letzten Punkt der Tagesordnung der jüngsten Hauptverwaltungsausschusssitzung nicht. In wenigen Zeilen heißt es da, dass der Marktgemeinderat vor über neun Jahren beschlossen habe, „für die Aufarbeitung der NS-Zeit in Murnau eine Arbeitsgruppe“ zu bilden. Aus jeder Fraktion soll ein Mitglied mitwirken. Wer das aus dem aktuellen Gremium sein soll, wurde nun entschieden. Vorab zeigte sich aber, dass nicht jedem klar ist, was eigentlich die Aufgaben der AG sein werden.

Es ist der letzte Tagesordnungspunkt des Abends – und vermutlich auch der undurchsichtigste. Als es darum geht, dass jede Fraktion ein Mitglied für die Arbeitsgruppe zur Aufbereitung von Murnaus dunklem Kapitel nominiert, fordert Phillip Zoepf mehr Informationen ein. „Wir wissen bis heute gar nicht, welche Aufgaben die AG hat, was sie vorhat“, meint der Fraktionssprecher von Mehr Bewegen. „Es geht ja um Biografien“, ergänzt seine Fraktionskollegin Dr. Elisabeth Tworek, die anmerkt, dass noch nicht so genau definiert sei, was zu tun ist.

Biografien seien der „ursprüngliche Trigger“ gewesen, erklärt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Das aber soll nicht bedeuten, dass nicht auch weitere Themen aufgenommen werden können. Man wolle nun erst einmal die AG „wiederbeleben“, so der Rathauschef.

Die Freien Wähler aber werden kein Mitglied dafür bestimmen, „unsere Fraktion wusste nicht, um was es geht“, betont Welf Probst. Nun also sind es Biografien. „Da sind wir schon das letzte Mal ausgestiegen“, erinnert Probst.

Rudolf Utzschneider (CSU) blickt derweil auf die Leinwand, auf welche die noch unvollständige Liste der AG-Mitglieder projiziert wird. „Mich wundert’s, dass die SPD, ausgerechnet die SPD, nicht dabei ist“, runzelt er die Stirn. „Ich fände es schon schön, wenn die SPD dabei wäre“, lächelt Felix Burger (SPD), auch wenn er eine Ein-Mann-Partei und keine Fraktion sei. Sein Name landet auf der Liste.

Nicht allzu eng möchte Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum) aber den Kreis der Involvierten sehen. Er bittet darum, „dass der Kreis auch für andere Gemeinderäte offen ist“. Schließlich gebe es in der AG „genug zu tun“. Manlik blickt über den Biografie-Tellerrand, immerhin habe es weitere Anregungen gegeben. Man könne etwa auch die Geschichte des TSV mit aufnehmen. Offenheit habe man ohnehin in der Vergangenheit gepflegt, teilt ihm da Beuting mit. Jedoch sei freilich eine „gewisse Sensibilität erforderlich“. Wenn sich Utzschneider die genannten Mitglieder der AG ansieht, dann habe er Vertrauen in dieser Hinsicht. Man müsse sich mit der NS-Zeit auseinandersetzen. „Es war schrecklich“, sagt der CSU-Fraktionssprecher. Aber man könne sich dem Thema nicht verschließen. „Dass wir das fast 100 Jahre danach noch aufarbeiten müssen, spricht Bände“, findet Utzschneider.

Beuting ergänzt da noch, dass auch die Kinder- und Jugendvertretung (KJV) einen Vertreter in die AG entsenden möchte. „Die Geschichte betrifft uns alle“, findet Tim Sedlmaier. Der Erste Sprecher der KJV hat an diesem Abend in den Zuschauerreihen Platz genommen. „Super, Respekt!“, lobt ihn Utzschneider. Nicht so super findet Veronika Jones dagegen, dass die Freien Wähler niemanden nominieren, „ich fände es schon sinnvoll“, so die Fraktionssprecherin der Grünen. Sie schlägt außerdem vor, einen Vertreter aus dem Werdenfelser Bündnis für die AG zu suchen.

Abschließend votiert das Gremium geschlossen für folgende AG-Mitglieder: Wolfgang Küpper (ÖDP/Bürgerforum), Dr. Elisabeth Tworek (Mehr Bewegen), Veronika Jones (Grüne), Dr. Michael Rapp (CSU) und Felix Burger (SPD).

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