Eine gut gedeckte Tafel

Was wird aus dem ehemaligen Murnauer Postgebäude?

Altes Postamt in Murnau von außen.
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Der Mietvertrag für das ehemalige Postgebäude wurde zum 30. November diesen Jahres gekündigt. Was ab Dezember aus dem Haus und dem Areal, wo derzeit noch gelbe Postfahrzeuge parken, werden soll, darüber sprach der Hauptverwaltungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung.
  • vonAntonia Reindl
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Murnau – Es ist quasi wie das dezente Lächeln der Mona Lisa oder wie das warme Gelb von van Goghs Sonnenblumen: das Postamt in Murnau, es prägt das Bild der Bahnhofstraße maßgeblich. Schon bald aber zieht sich ein anderes Gelb, das der Post, aus dem Satteldachbau mit seinen auffälligen Treppengiebeln und seiner aufwendigen Fassadenmalerei zurück. Im Hauptverwaltungsausschuss debattierte man nun über die Folgenutzung des Hauses und des dazugehörigen Areals. Kritisch blickte man dabei auf eine Zwischenmietlösung.

Von Endgültigkeit oder Einmaligkeit möchte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) nichts wissen, wenn er auf das Postamt an der Bahnhofstraße blickt. Das Thema, die Nachnutzung des schon bald freiwerdenden Gebäudes, „wird uns noch sehr oft und sehr lange beschäftigen“, glaubt der Rathauschef. Sehr lange hin ist es bis zum Auszug seines derzeitigen Nutzers nicht mehr. Wie Marktbaumeister Klaus Tworek mitteilt, habe die Post den Mietvertrag zum 30. November 2021 gekündigt. Diese „errichtet derzeit wohl an anderer Stelle einen Neubau“, sagt Tworek. Blickt der Marktbaumeister auf die Nachnutzung, so spricht er eine Krux an. Ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1989 lege nämlich eine stark beschränkte Nutzung des rund 630 Quadratmeter umfassenden Gebäudes fest. Die Konsequenz: Bauanträge orientieren sich an dem Bebauungsplan. Problemlos einziehen könnten nur Unternehmen aus den Bereichen Logistik, Postverwaltung oder Telekommunikation – oder auch an der Nachnutzung der Nachbargebäude orientierte Sparten. Das Problem „könnte man aber heilen“, sagt Tworek und verweist auf eine mögliche Änderung des Bebauungsplans. Bis es aber soweit ist, sähe die Verwaltung gerne ein Mietverhältnis als Zwischenlösung. „Der Gedanke liegt nahe“, wenn eine Liegenschaft gekündigt werde, so Tworek. Abgesehen davon sei die Nachnutzung des Areals in der Prioritätenliste erst nach 2024 enthalten. Und auch die Mieteinnahmen sind nicht unerheblich, belaufen sich diese jährlich auf immerhin rund 58 000 Euro.

Zwischenvermietung als vorläufige Folgenutzung, ein Vorschlag, den Rudolf Utzschneider (CSU) als „nicht zustimmungsfähig“ sieht, denn „wir wollen uns nichts verbauen“. Viele Mieter werden bestimmt ein längerfristiges Mietverhältnis anstreben, glaubt Utzschneider. Zugleich möchte niemand das Haus lange leerstehen und „zur Ruine“ werden sehen, meint der CSU-Fraktionssprecher, der anregt, möglichst zeitnah eine Ortsbegehung durchzuführen. Eine Besichtigung strebt auch Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) an, immerhin kenne jeder das „solitäre Gebäude“ von außen, nicht aber von innen. Noch einmal draufschauen sollte man dagegen auf die Prioritätenliste der Gemeinde, wo das Postgebäude erst im Jahr 2024 auf dem Plan stehe, weil man zum Zeitpunkt der Erstellung die Kündigung der Post noch nicht auf dem Tisch gehabt habe, sagt Zoepf. Eine „Hausbesichtigung“ will auch Wolfgang Küpper (ÖDP/Bürgerforum), über eine Zwischenvermietung möchte er dagegen kein Urteil abgeben, sei diese doch „eine Frage der Finanzen“.

Das geht zu schnell

Mehrmals fällt an diesem Sitzungsabend der Name Burger, etwa aus Küppers Mund oder als Welf Probst (FWG) ins Mikro spricht. Immerhin hat Felix Burger (SPD) Anfang Mai einen Antrag auf Durchführung einer Nutzwertanalyse zur optimalen Nachnutzung des Gebäudes als eine Art Bürgerhaus gestellt. An diesem Abend erhofft sich der Mann von der SPD auch schon einen Beschluss, ob ein Bürgerhaus möglich ist oder nicht. Immerhin gebe es „eine Riesenzahl, die das möchte“. Und einige Interessenten halten auch eine Zwischenlösung für denkbar, könnten im Frühjahr 2022 ins ehemalige Postgebäude einziehen, weiß Burger. Das geht Zoepf nun aber „zu schnell“. Die Richtung Bürgerhaus scheint der Fraktionssprecher von Mehr Bewegen noch nicht einschlagen zu wollen, zumal seine Fraktion vor zwei Jahren selbst einen Antrag das Areal betreffend eingereicht hat, der den Einzug der Musikschule in das Gebäude ermöglichen soll – und „der besteht ja noch“, so Zoepf. Auch Josef Bierling (CSU) möchte „da ein bisschen vorsichtig“ sein, immerhin gebe es viele Ideen, sagt er und blickt auch auf die Musikschule, „die aus allen Nähten platzt“, als möglichen Interimsnutzer. Die Haltung der Verwaltung könne er aber durchaus nachvollziehen. „Natürlich würde sich die Kämmerei freuen, wenn wir Miete generieren“, fügt da Kämmerer Josef Brückner an.

Viele Ideen sind da, sie „liegen auf dem Tisch“. Das hört man an diesem Abend immer wieder und von mehreren Seiten. Angesichts dieser gut gedeckten, dieser ideenreichen Tafel möchte Küpper möglichst viele Bürger an der Angelegenheit beteiligen, vielleicht auch in Form eines Bürgerrates. Ein Vorschlag, der Veronika Jones (Grüne) behagt, „es ist immer schön, wenn wir Bürgerbeteiligung wollen“. Eine Bürgerbeteiligung habe man ohnehin schon, findet Utzschneider, „wir sind doch eine Bürgervertretung“, meint er mit Blick auf das Gremium und fordert, dass alle Fraktionen Bürger in das Geschehen einbinden.

Am Ende möchte Beuting nun abstimmen lassen, ob das Objekt bis zur Festlegung der weiteren Nutzung zwischenvermietet werden soll, wobei dafür keine hohen Umbaukosten und keine Baugenehmigungen erforderlich sein sollen. Die Befürchtung, damit eine Endlösung zu beschließen, brauche man nicht haben, so der Rathauschef. Was die Zukunft des Postgebäudes anbelangt, so werde es noch „eine Kette an Beschlüssen“ geben. Stephanie Neumeir-Schrank (Grüne) will da aber noch wissen, ob bei mehrheitlicher Zustimmung für eine Interimsvermietung das Thema im Hauptverwaltungsausschuss noch einmal vorgelegt werde, sollte ein Mieter gefunden sein. Das könne man machen, erwidert der Bürgermeister.

Ungeachtet dessen votiert die Mehrheit (sieben Stimmen) am Ende gegen eine Zwischenvermietung. Burgers Bürgerhaus-Antrag soll nun bei der nächsten Marktgemeinderatssitzung auf der Tagesordnung stehen beziehungsweise, um dem Wortschatz des Gremiums treu zu bleiben, auf dem Tisch liegen.

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