Kreisboten-Serie: Bekannt wie ein bunter Hund

Grimme-Preis verdächtig: Murnauer Drehbuchautor Murmel Clausen

Drehbuchautor Claus-Henric Clausen
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Murmel Clausen liebt die Natur. In Murnau hat er seine neue Heimat gefunden
  • Ursula Gallmetzer
    VonUrsula Gallmetzer
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Murnau – Er ist für den Inhalt des Weimar-Tatorts verantwortlich, schrieb an der Story für „Der Schuh des Manitu“ mit, arbeitet regelmäßig mit den bekanntesten Regisseur*innen und Schauspielgrößen Deutschlands zusammen und ist heuer sogar für einen Grimme-Preis nominiert: Drehbuchautor Murmel Clausen, der eigentlich Claus-Henric Clausen heißt, lebt und arbeitet in Murnau. Für ein Interview mit dem Kreisboten nahm er sich Zeit in seinem Arbeitsalltag.

Sie leben noch nicht lange in Murnau. Warum haben Sie sich für den Ort entschieden?

Clausen: „Meine Frau Caren, meine Tochter Charlie und ich sind nach dem ersten Lockdown nach Bad Bayersoien gefahren, um etwas Natur zu genießen. Auf dem Rückweg meinte meine Frau dann in Murnau, dass sie hier leben könnte. Am nächsten Tag habe ich im Internet ein Haus gefunden, zwei Monate später sind wir umgezogen. Es hat einfach sollen sein. Dass Murnau eine großartige Infrastruktur hat und einfach einer der schönsten Orte Deutschlands ist, hat die Entscheidung natürlich auch sehr einfach gemacht.“

Haben Sie schnell Anschluss gefunden?

Clausen: „Ich denke, dass uns die Pandemie die Ankunft erschwert hat. Im ersten Jahr ging es ja von Lockdown zu Lockdown, die Menschen haben sich zurückgezogen. Zum Glück habe ich aber ein Büro im InnovationsQuartier bekommen, einer wirklich großartigen Einrichtung. Hier sitzen viele kreative Köpfe, es gibt einen regelmäßigen Austausch – und es sind auch schon die ersten Freundschaften entstanden.“

Was gefällt Ihnen hier am besten?

Clausen: „Da Murnau schon immer von Zuagroasten geprägt wurde, ist man hier deutlich weltoffener als in anderen Gemeinden. Wenn man sich ebenso offen zeigt, fühlt man sich sehr schnell heimisch.“

Wie kann man sich Ihre Arbeit in Murnau vorstellen?

Clausen: „Die ist eigentlich an jedem Ort der Erde gleich. Ich setze mich brav gegen 8.30 Uhr an meinen Rechner und beginne, mich in fremde Welten zu denken. Meist nehmen mich meine Protagonisten mit in ihre Geschichten und machen es mir einfach, ihre Erlebnisse schriftlich festzuhalten.“

Krimis, Komödien, Jugendfilme: Ihr Spektrum ist breit. Was macht am meisten Spaß?

Clausen: „Den größten Spaß habe ich, wenn ich andere dabei beobachten kann, wie sie die Filme wahrnehmen. Beim Weimarer Tatort gab es bis zur Pandemie immer eine Premiere im Deutschen Nationaltheater. Die Karten waren immer in wenigen Minuten ausverkauft und die Vorstellungen immer ein Fest.“

Finden Sie Ideen für Ihre Drehbücher im Alltag oder ist alles rein fiktiv?

Clausen: „Natürlich fließen immer wieder Erlebnisse und Charaktere aus der realen Welt in meine fiktionalen Stoffe. Doch ich bemühe mich, diese so zu überzeichnen, dass keine Rückschlüsse möglich sind. Wobei der Großteil meiner Geschichten tatsächlich vollkommen erfunden ist.“

Wie aufwändig ist es, für einen Tatort zu recherchieren?

Clausen: „Andreas Pflüger (ehemaliger Co-Autor; Anm. d. Red.) und ich haben natürlich viel in Weimar und Umgebung recherchiert. Wir haben ein Wochenende in einer Westernstadt unter Hobbyisten verbracht, Porzellan- und Kloßfabriken besucht, mit der Weimarer Kriminalpolizei Kaffee getrunken und immer wieder mit den Menschen vor Ort Gespräche geführt. Nur so kann man auch die regionalen Eigenheiten eines Schauplatzes kennenlernen.“

Wie hat sich Ihre Arbeit für den Tatort verändert, seit Ihr Mit-Autor Andreas Pflüger nicht mehr mitmacht?

Clausen: „Als es mit der Reihe losging, hatte ich großen Respekt und Demut vor dem Tatort. Ich hatte mir ja keinen Namen als Krimiexperte gemacht, sondern war vorrangig im komischen Fach unterwegs. Deswegen hatte ich die Produzenten ja um einen erfahrenen Krimiexperten als Co-Autor gebeten – und Pflüger bekommen. Aus dieser Zwangsehe ist inzwischen eine tiefe Freundschaft entstanden. Und ich habe ihn tatsächlich beim Schreiben vermisst. Zu zweit gibt es immer einen, der den anderen mitreißt – und man hat automatisch zu jedem Satz gleich doppelt so viele Ideen... Insofern freut es mich besonders, dass wir dieses Jahr gemeinsam für den ‚stetigen Bruch mit dem Format Tatort‘ für den Grimme-Preis nominiert worden sind.“

Ist es deprimierend, dass man als Drehbuchautor nicht so wahrgenommen wird, obwohl das Drehbuch ja eigentlich das Grundgerüst für die ganze Produktion ist?

Clausen: „Ich fühle mich in der Anonymität des Autorendaseins eigentlich ganz wohl. Lediglich die Wertschätzung unserer Arbeit durch Kritiker hat noch sehr viel Luft nach oben.“

Woran arbeiten Sie gerade?

Clausen: „Gerade habe ich einen Vertrag mit Constantin Film unterzeichnet, der mich für die kommenden zwei Jahre exklusiv an die Firma bindet. Aktuell entwickle ich einen Kinderfilm, arbeite an einer Komödie von Til Schweiger mit und bringe meine Ideen in ein Projekt ein, an dem schon mehrere Autoren gearbeitet haben. Die Inhalte sind natürlich geheim. Aber in den nächsten Monaten wird so einiges produziert... “

Bleibt noch Zeit für Familie, Freunde und Hobbys?

Clausen: „Meine Arbeit ermöglicht es mir, fast jeden Abend um 18 Uhr nach Hause zu meiner Familie zu gehen und mir die Wochenenden freizuhalten. Große Hobbys habe ich leider keine. Falls jemand eins für mich übrig hat, kann er es gerne im InnovationsQuartier Murnau abgeben.“

Vielen Dank.

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