Eine einmalige Gelegenheit

Murnauer Moos könnte zum Unesco Weltkulturerbe werden

Murnauer Moos
+
Mit ein Grund, sich als Weltkulturerbe zu bewerben: Das Murnauer Moos, in dem sich die größte zusammenhängend erhaltene Streuwiesenlandschaft von Mittel- und Westeuropa befindet.

Region – Buckelwiesen und Bergwiesen, Lichtweiden und Waldweiden, Magerwiesen und Moore, eine ganz eigentümliche Flora, mit einer ebenso besonderen Fauna, bildet in ihrer weitläufigen Streuung markante Flächen in der Naturlandschaft des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, ob im Ammertal, Loisachtal oder Murnauer Moos. 

Nicht ohne Grund beschäftigt den Landkreis seit Jahren die Bewerbung als Unesco-Kulturerbe. Jetzt ist man wieder einen Schritt weitergekommen, denn vor Kurzem ist der 1 400 Seiten starke Entwurf der Bewerbungsunterlagen von Gutachtern fertiggestellt worden. Nun „müssen wir am Ball bleiben“, betonte Landrat Anton Speer (FWL) in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Landwirtschaftsausschusses in Spatzenhausen.

Erst zurück, dann nach vorn blickte Peter Strohwasser, als er im Gremium über den Antrag „Unesco-Weltkulturerbe – Alpine und voralpine Wiesen, Weide- und Moorlandschaften im Werdenfelser Land, Staffelseegebiet und Ammergau“ sprach. Der Leiter des Sachgebietes Natur, Umwelt und Landwirtschaft im Landratsamt erinnerte etwa an den Antrag auf Erstellung des Entwurfs im Herbst 2018, an das Papier „Erklärung zum Außergewöhnlichen Universellen Wert“, erarbeitet von einem Ausschuss der Unesco-Steuerungsgruppe, und an den vom Landratsamt verfassten Vorschlag für den Geltungsbereich des Welterbegebietes. Wie Strohwasser betonte, sei dabei stets viel Wert auf einen transparenten Bewerbungsprozess gelegt worden. Text des Papiers und die Karte mit den Bewerbungsgebieten sind daher auf der Homepage des Landkreises öffentlich einsehbar und liegen in ausgedruckter Form landwirtschaftlichen Organisationen und Gemeinden vor. Alle Involvierten und Tangierten sollten und sollen schließlich die Möglichkeit haben, Änderungsvorschläge einzubringen und so Beiträge einarbeiten und die Karte aktualisieren zu lassen.

Straffer Zeitplan

Strohwassers Rückblick ließ in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Landwirtschaftsausschusses erahnen, wie viele Zusammenkünfte das Unterfangen bislang erforderte. Landrat Anton Speer erinnerte an viele Gespräche und Termine, die „sehr intensiv und zeitfordernd“ waren. Und intensiv wird es nun wohl weiter gehen. „Der Zeitplan ist sehr straff“, betonte Strohwasser nach seinem Rückblick, um sich dem Vorausblick zuzuwenden. Von Rückmeldungen, Einarbeitungen, Beschlüssen und Prüfungen sprach Strohwasser, bis er schließlich verkündete, dass im Februar 2022 die Abgabe des Antrages beim Welterbezentrum erfolgen soll.

Kann der Zeitplan eingehalten werden, so würden rund zehn Jahre für den endgültigen Antrag ins Land gegangen sein. Ein Projekt, das der Landrat mit einer „Mammutaufgabe“ verglich, vielleicht auch, weil die Beteiligten während des Prozesses mit „vielen Anfeindungen“ konfrontiert worden waren. Daher betonte Speer abermals, dass es bei der Ernennung zum Unesco-Kulturerbe nicht darum gehe, neue Schutzgebiete zu schaffen. Schließlich wolle man keine weiteren Einschränkungen bei der Entwicklung von Gemeinden, so der Landrat. Und auch die Landwirtschaft soll nicht negativ beeinträchtigt, sondern gestärkt werden. „Wir wollen das erhalten, was unsere Vorfahren geschaffen haben“, sagte Speer ein wenig pathetisch. Sollte man mit der Bewerbung scheitern, möchte es der Landrat aber gut sein lassen. „Wenn wir es nicht schaffen, brauchen wir es nicht noch einmal versuchen“, sagte er mit Blick auf eine Vielzahl an Bewerbern.

Christine Singer (FWL) appellierte anschließend dafür, dass sich alle Kommunen noch einmal zusammensetzen und auf das Papier schauen. Zugleich forderte sie alle Grundbesitzer, die ihrer Meinung nach „in der Bringschuld sind“, auf, sich selbstständig zu informieren, immerhin sei die Karte online einsehbar. Weniger der Inhalt, als vielmehr die Befristung gab Rudolf Utzschneider (CSU) zu denken. Dieser wollte wissen, ob der Zeitplan mit Blick auf die gegenwärtige Corona-Pandemie „verschiebbar“ sei. „Der Zeitplan ist überhaupt nicht verschiebbar“, entgegnete ihm Strohwasser, der noch einmal auf den langjährigen Bewerbungsprozess verwies, welcher nach etwa zehn Jahren ein Ende finden soll und muss.

Von Antonia Reindl

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim auch auf Facebook.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hospizbegleiterin geht mit Menschen das letzte Stück ihres Lebenswegs
Hospizbegleiterin geht mit Menschen das letzte Stück ihres Lebenswegs
Landkreis-Medaille für Soldaten aus Murnau
Landkreis-Medaille für Soldaten aus Murnau
Corona bremst Bäckerei Kasprowicz aus
Corona bremst Bäckerei Kasprowicz aus
Oberland steht zusammen: Penzberger Initiative für Einzelhandel
Oberland steht zusammen: Penzberger Initiative für Einzelhandel

Kommentare