Unterwegs mit der Kolonne

Murnauer Soldaten beim Fahrtraining der besonderen Art

Eine Kolonne der Bundeswehr beim Training.
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Das Fahren in einer Kolonne will gelernt sein.

Murnau – LKW-Schlangen auf der Autobahn – ein alltägliches Bild auf den Straßen. Dennoch gilt ein großer Unterschied zwischen „normalen“ LKW-Kolonnen und den Kolonnen der Bundeswehr zu machen. Diese oft sehr langen „Metallwürmer“ folgen bestimmten Regeln und haben Sonderrechte. Das Informationstechnikbataillon 293 aus Murnau übte den sogenannten Marsch mit Kfz als Vorbereitung auf geplante Übungsvorhaben.

Alle Truppenteile der Bundeswehr müssen in Vorbereitung auf ihren Auftrag zur Landes- und Bündnisverteidigung sowie zur Vorbereitung auf die Auslandseinsätze regelmäßig Fähigkeiten und Kompetenzen üben. Dazu plant das Informationstechnikbataillon 293, fern ab der Heimat, im Sommer einen Truppenübungsplatzaufenthalt im rheinland-pfälzischen Baumholder. Dort werden unter anderem einsatzspezifische Szenarien im Rahmen von Gruppengefechtsschießen nachgebildet sowie IT-Geräte aufgebaut und IT-Fähigkeiten, wie das Aufbauen eines Netzwerkes, abgebildet.

Großgeräte wie Satellitenanlagen, Generatoren und ähnliche Systeme, an denen technische Verfahren und Systematiken geübt werden können, müssen die Murnauer IT-Profis selbst nach Baumholder überführen. Es gilt in Form von Marschkolonnen das gesamte Bataillon zu verlegen. Solch ein großangelegtes Manöver erfordert Übung und Sicherheit im Handeln. Zur Vorbereitung auf diese Übung bildete die vierte Kompanie im März einen wichtigen Ausbildungsabschnitt – den „Marsch mit Kfz“ – aus. „In der heutigen Zeit wird in den Fahrschulen, beim zivilen Führerschein, teilweise gar nicht mehr ausgebildet, was eine Kolonne ist und wie man sich beim Antreffen dieser verhält“, so Major Maximilian S., Chef der vierten Kompanie und meint ergänzend, „deshalb ist es besonders wichtig, die eigenen Kraftfahrer zu schulen und auch wieder mit Kolonnen im Straßenverkehr präsent zu sein“.

Fahren im Dunkeln

Auf dem Plan stand neben dem Fahren im bundeswehreigenen Gelände auch das Fahren auf öffentlichen Straßen. Außerdem übte man auf dem Standortübungsplatz unter anspruchsvollen Bedingungen, wie beispielsweise bei Nacht mit Nachtsichtbrillen. Menschen nehmen Eindrücke mit ihren Sinnen, häufig allerdings visuell – also über die Augen – auf. Durch Nachtsichtbrillen wird dem Fahrer ein einfarbig grünes Umfeld zur Orientierung in die Brille projiziert. Erschwerend kommt hinzu, dass die Sichtbreite eingeschränkt ist, in etwa so wie bei einem Kutschpferd mit Scheuklappen. Der Beifahrer muss den Fahrer aktiv unterstützen, indem er eigene optische Wahrnehmungen mitteilt und somit Hindernisse frühzeitig erkannt und enge Situationen richtig eingeschätzt werden.

Die stark erhöhte „Blendempfindlichkeit“ der Nachtsichtbrillen ist ein weiterer Faktor, der erschwerend hinzukommt. „Die ersten Streckenmeter mit Nachtsichtbrille sind schon immer eine Überwindung. Man hat Respekt vor der Strecke und muss aufpassen nicht gleich irgendwo mit dem Fahrzeug hängen zu bleiben“, erläutert Kompaniechef Maximilian S.

Der Fahrparcours

Neben simulierten Nachtfahrten mit eingeschränkter Sicht, stand vor allem das Rückwärts-um-die-Kurve-fahren mit und ohne Anhänger auf dem Dienstplan. Die SoldatInnen mussten eine Pylonen-Strecke im Slalom zurücklegen. Während die Vorwärtsfahrt noch von allen problemlos gemeistert wurde, gestaltete sich das Rückwärtsfahren schwieriger. Die Königsklasse war das Rückwärtsfahren mit Anhänger durch den Slalom. „Jeder Berufskraftfahrer würde über unsere Probleme beim Fahren mit dem LKW lachen. Man darf aber nicht vergessen, dass das bei uns nur ein Teilaspekt ist. Im Schwerpunkt sind wir IT-Profis, die sich als Soldaten auch noch allgemein-militärisch aus- und weiterbilden und nebenbei sind wir noch Kraftfahrer“, erklärt Major Maximilian S.

Bundeswehrkolonnen im Straßenverkehr

Kolonnen der Bundeswehr sind einheitlich gekennzeichnet. In der Regel ist am letzten Fahrzeug das Schild „Achtung Kolonne“ angebracht, wodurch diese Kolonnen als ein langes Gesamtfahrzeug gelten. Daraus ergibt sich für die Kolonne unter anderem das Recht, Ampelanlagen, auch nach deren zwischenzeitlichen Wechsel von Grün auf Rot, weiterhin zu überqueren. Ebenso sollte auf das Überholen einer Kolonne verzichtet werden, da nicht abschätzbar ist, welche Länge diese hat. Der Marschgruppenführer, welcher die Kolonne führt, muss hier den Überblick behalten. Er muss darauf achten, dass alle Fahrzeuge in gleichbleibender Reihenfolge in der vorgeschriebenen Zeit das Ziel erreichen. Dazu ist es manchmal notwendig die Geschwindigkeit der führenden Fahrzeuge anzupassen, dass die nachfolgenden LKWs aufschließen können oder aber an geeigneten Stellen auf die letzten Kolonnenteile zu warten.

Von Kreisbote

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