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Murnauer startet Petition wegen Personalsituation in Behinderteneinrichtungen

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Ein Murnauer hat eine Online-Petition für mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen in Behinderteneinrichtungen gestartet. © Symbolfoto: PantherMedia/Karsten Ehlers

Murnau – Es wird dieser Tage viel über den Mangel an Pflegefachkräften gesprochen. Dabei geht es meist primär um Krankenhäuser und Altenheime. Doch auch in Behinderteneinrichtungen ist die Lage angespannt. Ein Murnauer hat deshalb eine deutschlandweite Petition gestartet.

Thomas Geggerle ist alleinerziehender Vater eines behinderten Sohnes. Das schreibt der Murnauer auf der Website www.openpetion.de. „Ich bin Jahrgang 1954, mein Sohn ist inzwischen 35 Jahre. Er lebt und arbeitet in einer oberbayerischen Behinderteneinrichtung und ist jedes zweite Wochenende bei mir zu Hause.“ Geggerles Sohn lebe in einer betreuten Wohngruppe und gehe tagsüber in die Förderstätte. „Die Mitarbeiter dort sind toll und alle sind sehr engagiert. Leider gibt es aber immer wieder erhebliche Personalengpässe unter denen die Mitarbeiter, die betreuten Menschen und die Angehörigen dann zum Teil sehr zu leiden haben.“

Aus diesem Grund hat er nun auf der genannten Website eine Petition gestartet: „Für mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen zur Betreuung von Menschen mit Behinderung.“ Diese richtet sich an den Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier und den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags. Darin schreibt der Murnauer: „Der derzeitige Personalschlüssel in den stationären Wohnangeboten der Eingliederungshilfe ist äußerst knapp bemessen, wäre aber gerade noch auskömmlich, wenn alle Stellen besetzt werden könnten und die Mitarbeitenden nicht aufgrund der immer wieder nicht besetzten Stellen und der damit verbundenen stetigen Überlastung krankheitsbedingt ausfallen würden.“ Dies würde zu unerträglichen Belastungen des vorhandenen Personals führen. Erschöpfung, Burnout-Symptome, körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen, keine Lust mehr an der Arbeit. „Und natürlich bleiben bei dieser extremen Arbeitsbelastung die wichtigen pädagogischen Zuwendungen und Angebote auf der Strecke.“

In der Petition wird deshalb gefordert: „Mehr Personal in der direkten Betreuung, Erhöhung des Personalschlüssels, verringerte Arbeitszeiten, weniger Überstunden, bessere Bezahlung.“

Eigene Erfahrungen

Geggerle schreibt zudem: „Da ich selbst Vater eines behinderten Sohnes bin, spüre ich ganz unmittelbar die Personalnot in den Behinderteneinrichtungen. Dies geht soweit, dass ich inzwischen meinen Sohn schon mal aus der Einrichtung zu mir nach Hause nehme, weil ich merke, dass das vorhandene Fachpersonal kräftemäßig so an der Grenze ist, dass man helfen möchte, wo man nur kann.“ Wie wichtig die Unterstützung durch andere ist, erklärt der Murnauer so: „Mein Sohn kann wegen seiner Behinderung nicht für sich sprechen und Missstände anprangern und Forderungen stellen. Da dies sehr vielen Menschen mit Behinderung ebenfalls nicht möglich ist, helfen Sie mit dieser Petition auch, ihnen eine Stimme zu geben und uns für ein lebenswertes und erfülltes Leben für sie einzusetzen.“

Rund 600 Menschen haben bereits unterschrieben. Das Ziel sind 50 000. Mit der Petition scheint Geggerle einen Nerv getroffen zu haben. Unter den Kommentaren finden sich Sätze wie: „Ich arbeite in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung und kann die Schilderung der Zustände leider nur so unterschreiben. Wir sind am Limit“ oder „Mir ist die Petition wichtig, weil ich in der Behindertenhilfe arbeite und täglich beobachte, wie sehr Personal und Betreute unter der Situation psychisch und physisch leiden“.

Zu finden ist die Petition hier.

Von Kreisbote

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