Ein Wille, aber kein Weg

Murnauer Umspannwerk bleibt an Dr.-Schalk-Straße

Murnauer Umspannwerk.
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Weil die Bayernwerk Netz GmbH bald Erneuerungen und Erweiterungen durchführen muss, blieb nicht viel Zeit, um einen neuen Standort für das Umspannwerk zu finden – wohl zu wenig Zeit, denn die Verlagerung ist nun endgültig vom Tisch.
  • vonStephanie Novy
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Murnau – Viel Zeit, Mühe und Worte kostete die angestrebte Verlagerung des Umspannwerkes die Murnauer Gemeinderäte in den vergangenen Monaten. Im Ergebnis scheint nun alles vergebens gewesen zu sein. Die Anlage bleibt an der Dr.-Schalk-Straße und damit im Ortskern.

Nach vielem Hin und Her fanden die Gemeinderäte zuletzt Konsens, als sie für die Verlagerung des Umspannwerkes auf eine Fläche südlich des TSV-Geländes votierten. Doch nach Gesprächen mit den betroffenen Grundeigentümern fällt diese Alternative nun weg. „Die erforderlichen Grundstücke lassen sich für den Bau und die Grunddienstbarkeiten nicht kurzfristig beschaffen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Marktgemeinde. Etwa 50 Grundstücke wären von der Verlagerung betroffen gewesen. Das Umspannwerk verbleibt damit an der Dr.-Schalk-Straße, wo nun die Bayernwerk Netz GmbH Erneuerungs- und Erweiterungsmaßnahmen durchführen wird. Die Marktgemeinde lässt jedoch prüfen, ob sich die Anlage am Bestandsstandort einhausen und Kabel unter die Erde bringen lassen.

Dass die Verlagerung gescheitert ist, enttäuscht Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), hätte diese doch „enorme städtebauliche Entwicklungspotentiale für Murnau ergeben“. Auch Vizebürgermeisterin Dr. Julia Stewens (FWG) bedauert das Scheitern, wendet ihren Blick aber gemeinsam mit Beuting nach vorne – weit nach vorne auf die nächsten Generationen. Man müsse „jetzt schon die Weichen für eine Auslagerung durch einen Flächennutzungsplan stellen, damit wir dann nicht mit leeren Händen dastehen, wenn sich wieder eine solche Chance bieten sollte“, so Dr. Stewens.

Das Scheitern des „Jahrhundertprojekts“ bedauert auch Felix Burger, jedoch übt der einzige SPD-Mann im Gremium auch Kritik am Vorgehen. „Wenn sich Fraktionen, der Bürgermeister und die Verwaltung gegenseitig mit Anschuldigungen bewerfen, kann man nicht konstruktiv zusammenarbeiten und aufeinander zugehen.“ Bei der Bürgerbeteiligung räumt Burger ebenso Fehler ein: „Das war eher ein Musterbeispiel dafür, wie man es nicht macht.“ Doch Burger ist nicht der einzige Gemeinderat, dessen Gedanken um die vertane Chance kreisen.

An die Enkel, die Urenkel oder gar die Ururenkel denken Bürgermeister Rolf Beuting und seine Stellvertreterin Dr. Julia Stewens nun, nachdem die Verlagerung des Umspannwerks gescheitert ist und für die beiden feststeht, dass eine solche Chance erst in ein paar Jahrzehnten wieder aufkommt.

Doch nicht jeder im Gemeinderat wendet seinen Blick so schnell vom Jetzt ab auf ein weit entferntes Morgen. Auch ÖDP-Fraktionssprecher Michael Manlik findet für die verpasste Gelegenheit deutliche Worte: er spricht von einer „Jahrhundertchance, die nicht genutzt werden konnte“. Den Grund schiebt Manlik hinterher: „Wenn der Gemeinderat immer an einem Strang gezogen hätte, dann hätten die jahrelangen Bemühungen der Verwaltung eine größere Erfolgschance gehabt“.

Dass es durchaus einen Strang gab, an dem wohl aber nicht gemeinsam gezogen wurde, scheint Mehr Bewegen-Fraktionssprecher Phillip Zoepf zu glauben, wenn er sagt, dass hinsichtlich des städtebaulichen Entwicklungspotentials „im gesamten Gemeinderat immer Einigkeit bestand“. Jedoch betont er: „Wenn wir am Ende nicht die Antworten bekommen, die wir uns als Gemeinderäte alle gewünscht hätten, kann und darf man nicht einzelnen Gemeinderäten Verhinderungstaktik vorwerfen.“

Das große, nun ungenutzte Entwicklungspotential beschäftigt auch Welf Probst (FWG). Die Verlegung hätte „nicht nur eine weitere Entwicklung in den Bereichen des jetzigen Standortes und der dann dazu bebaubaren angrenzenden Wiesen“ ermöglicht, sondern hätte „durch den Wegfall der das Landschaftsbild und einige Wohngebiete stark beeinträchtigenden Strommasten und Stromtrassen“ auch positive Auswirkungen auf Weindorf und Froschhausen mit sich gebracht. Ein Gewinn, der „nicht von allen so erkannt“ worden sei.

„Schade, dass die Chance vertan ist“, meint Franz Neuner (CSU). In seinen Augen wäre das Gelände südlich des TSV aber ohnehin nicht der große Wurf, sondern eine Notlösung gewesen. Geht es nach Neuner, müsse man bei einem Projekt solchen Ausmaßes die optimale Lösung finden. Und dazu zähle auch, dass jegliche Pros und Contras beleuchtet werden, das Finanzielle geklärt werde, der ökologische Schaden abgewägt werde und die Bürger von Anfang „unter bedingungsloser Transparenz“ beteiligt werden.

Auf das Morgen schaut Veronika Jones: „Schuldzuweisungen bringen jetzt nichts, so schön eine Verlagerung wäre, es gilt, jetzt das Beste daraus zu machen. Der Fokus muss auf möglichst viel Erdverkabelung liegen, inklusive der drei Masten am Standort und einer Einhausung. Mit der gewonnenen Fläche gewinnen die Anwohner Abstand, wir Platz für kommunale Zwecke“, so die Fraktionssprecherin der Grünen, die noch anfügt: „Auch wenn das jetzt teuer klingt, wir tragen Verantwortung für die Generationen nach uns.“

Von Antonia Reindl

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