Variante mit Farbtopf

Murnauer Umspannwerk wird nicht verlagert, aber vielleicht eingehaust

Umspannwerk Murnau
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Das Umspannwerk in Murnau bleibt an der Dr.-Schalk-Straße. Im Rahmen von Erneuerungs- und Erweiterungsmaßnahmen könnte es jedoch eine Einhausung bekommen – auf Kosten der Marktgemeinde.

Murnau – Kein Pappenstiel, ein vergoldetes Pferd, ein Farbtopf und dazu noch ein zu setzender Haken und ein hoffentlich nicht gezogener Schlussstrich. Ein ganzes Sammelsurium an von Bildern gefütterten, wenn nicht gar übersättigten Sätzen stellten die Gemeinderäte von Murnau in ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr zusammen. Als es darum ging, was denn nun mit dem Umspannwerk passieren soll, erwiesen sich einige Mitglieder in ihren Ansprachen als kreative Köpfe. Doch all die Kreativität brachte in den vergangenen Wochen nicht viel, das Umspannwerk bleibt wo es ist. Aber zumindest die Möglichkeit einer Einhausung hängt noch nicht am Nagel, um beim bildhaften Jargon des Gremiums zu bleiben.

In der Novembersitzung einigte sich der Gemeinderat noch darauf, eine Arbeitsgruppe einzurichten, welche sich vorrangig darum bemühen sollte, eine Verlagerungsvariante zu erstellen, nachdem die potenziellen Alternativstandorte südlich der Riegseer Straße aufgegeben worden waren. Zweimal kam die Gruppe zusammen. Dabei eruierte man bereits beim ersten Treffen ein Grundstück nordöstlich von Weindorf als potenziellen Standort für das Umspannwerk. Eine Fläche, welche die Verwaltung auch schon mal im Blick gehabt hatte, jedoch „wegen negativen Verhandlungsergebnissen“ und mangelnder Ortsnähe wieder verworfen habe, erläuterte Marktbaumeister Klaus Tworek in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Die Verwaltung wurde schließlich damit beauftragt, mit den Eigentümern zu sprechen und sich ein Bild von der Stimmungslage zu machen. Doch ein Gespräch mit dem laut Tworek „wichtigsten Eigentümer“ ließ die Zuversicht auf ein erfolgreiches Ende der Standortsuche schwinden.

Große Hürden

Beim zweiten Treffen stellte sich dann die Frage, ob eine Verlagerung überhaupt noch angestrebt werden soll. Abermals kamen Alternativstandorte zur Sprache, etwa in Schwaiganger. Und abermals taten sich Hürden auf, wie eine Vielzahl an Verhandlungspartnern, die dann zu erwarten wären, oder auch die „erheblichen Kosten“, so Tworek, die mit der Verlegung fünf, sechs Kilometer langer Leitungen verbunden seien. Schließlich wurde eine Fläche nördlich des Wasserschutzgebietes, zwischen Murnau und Hofheim, anvisiert. Die Verwaltung wagte sogar eine Kostenrechnung, „eine überschlägige Kostenrechnung, das sage ich ganz deutlich“, betonte der Marktbaumeister. Eine Freianlage an dem Alternativstandort könnte demnach um die 13,5 Millionen Euro kosten. Angesichts dieser Summe stellte sich freilich die Frage nach der Refinanzierung. Eine Möglichkeit hierfür bestünde logischerweise auf den freiwerdenden Flächen am Altstandort, damit könnte aber nicht einmal die Hälfte der Kosten gedeckt werden. Tworek sprach von einem deutlichen Missverhältnis. Unrentabel wäre wohl auch eine Einhausung des Umspannwerks. Sie sei aus städtebaulicher und finanzieller Sicht uninteressant, berichtete der Marktbaumeister aus den Arbeitsgruppentreffen.

In ihrer jüngsten Sitzung hatten die Gemeinderäte also nur noch die Wahl zwischen zwei Optionen: Den Alternativstandort nördlich des Wasserschutzgebietes weiter verfolgen oder das Umspannwerk an der Dr.-Schalk-Straße belassen, sei es nun mit oder ohne Einhausung. Eine Wahl, die einige Gemeinderäte nachdenklich stimmte. „Ich war begeistert von der Idee“, erhob Welf Probst (Freie Wählergemeinschaft Murnau) als erster Rat die Stimme. Mit der Verlagerung hätte man das Ortsbild verschönern und Wohnraum schaffen können, spekulierte er, ehe er von Anfeindungen und vielen falschen Informationen in der Öffentlichkeit während der Standortsuche sprach. „Es ist traurig, dass solche Projekte in Deutschland nicht mehr möglich sind“, schloss Probst. Von einer vertanen Chance sprach Anna Schlegel-Herz (ÖDP). Die Gemeinderätin betonte, dass es nicht allein Gegner der Verlagerung gegeben habe. Ungefähr 80 Bürger hätten für eine Verlegung unterschrieben, nur seien ihre Stimmen eben nicht so laut gewesen wie die der Gegner. „Wir sollten keinen Schlussstrich unter das Projekt ziehen“, appellierte sie.

Nicht mehr viel Zeit

Dr. Josef Raab wandte derweil seinen Blick nach vorne und forderte, nun die Möglichkeiten am Bestandsstandort zu prüfen. „Da werden wir wenig Mitspracherecht haben“, befürchtete Dr. Julia Stewens (Freie Wählergemeinschaft Murnau). Und wenn, dann wäre das Mitspracherecht mit hohen Kosten für den Markt verbunden, mutmaßte die stellvertretende Bürgermeisterin. Veronika Jones (Grüne) wollte dagegen die Einhausungsvariante nicht ausgeschlossen sehen. „Es ist uns bewusst: Wir müssten die Kosten tragen – und die sind gewiss kein Pappenstiel“, so die Grüne, die sich erste Kostenschätzungen wünscht. Ausgeschlossen ist eine Einhausung zu diesem Zeitpunkt keineswegs. Laut Tworek habe sich die Arbeitsgruppe bislang um die Suche nach einem Alternativstandort bemüht, der nächste Schritt sei nun die Prüfung der Möglichkeiten am Bestandsstandort. Resultate dürften wohl erst in ein paar Wochen vorliegen. „Wir werden es bis Ende Januar nicht schaffen“, meinte Tworek. Viel Zeit bleibt aber nicht mehr, immerhin möchte der Netzbetreiber, die Bayernwerk Netz GmbH, am bestehenden Umspannwerk die notwendigen Erneuerungs- und Erweiterungsmaßnahmen zeitig durchführen und abschließen.

Von einer Einhausung hielt Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) aber herzlich wenig. „Der Bestandsstandort gehört uns nicht einmal“, mahnte er, weshalb er das tote Pferd nicht auch noch vergolden und das Projekt damit künstlich in die Länge ziehen wolle. Einen Haken hinter die ganze Angelegenheit setzen, auch wenn es bedauerlich sei, lautete daher sein Ratschlag an das Gremium. Ähnlich scheint es auch Stewens zu sehen. Sie verglich die Einhausung mit einem Farbtopf, „den man drüberstülpt und der nichts bewirkt“.

Am Ende standen dem Gremium drei Varianten zur Abstimmung. Diese kurz zusammengefasst: In der ersten Variante soll die Fläche nördlich des Wasserschutzgebietes als Alternativstandort weiterverfolgt und geprüft werden, in der zweiten Variante wird die Verlagerungsidee verworfen und das Umspannwerk nicht eingehaust und in der dritten Variante wird ebenso eine Verlegung ausgeschlossen, eine Einhausung dagegen nicht. Mit zehn zu neun Stimmen entschied sich eine knappe Mehrheit des Gremiums schließlich für Letzteres, ein an der Dr.-Schalk-Straße verbleibendes Umspannwerk, über das nach ausführlicher Prüfung, etwa der Kosten und der frei werdenden Fläche, möglicherweise noch ein Farbtopf gestülpt wird.

Von Antonia Reindl

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