Wahrheit über »Das Boot«

Muss Buchheims Biografie neu geschrieben werden?

Ausstellungseröffnung im Buchheim Museum
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Über Wahrheit und Fiktion des Romans „Das Boot“ klärte Autor Gerrit Reichert (rechts) bei der Ausstellungseröffnung im Buchheim Museum auf. Aufmerksam lauschten Brigadegeneral Rainer Simon, Hauptmann Wolfgang Schmidt und Museumsdirektor Daniel J. Schreiber vor der Enigma-Verschlüsselungsmaschine (von links).
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Bernried – Buchheims Ausstellungspalast direkt am Starnberger Seeufer heißt nicht umsonst Museum der Phantasie. Der Zusatz darf jetzt getrost auch an seinen 1973 erschienenen Weltbestseller „Das Boot“ angehängt werden. Denn Lothar-Günther Buchheim hat im Roman seine Erlebnisse als Kriegsberichterstatter der Propagandakompanie PK auf verschiedenen U-Booten literarisch verarbeitet und phantasievoll so angereichert, dass er sich wie ein spannender Tatsachenthriller liest.

Der Wahrheit auf die Spur gekommen ist mit detektivischer Recherche der Journalist und Autor Gerrit Reichert aus Worpswede bei Bremen. Er hat zusammen mit Museumsdirektor Daniel J. Schreiber die neue Ausstellung „Das Boot“ kuratiert, die jetzt eröffnet wurde. Schreiber war nach Reicherts Enthüllungen klar, dass die Dauerausstellung zu Buchheims Teilnahme am U-Boot-Krieg und die Entstehung des Romanwelterfolgs „Das Boot“ im Museum neu konzipiert werden musste.

Was ist Wahrheit und Fiktion der Romanhandlung? Wie weit war Buchheim als Kriegsberichterstatter im System der Nazipropaganda verstrickt? Wie tief ist das U-Boot in Gibraltar wirklich gesunken? Die neue Dauerausstellung erzählt anschaulich von der wahren Geschichte von U 96, vom Roman und seinem Autor sowie von der sechsfach Oscar-nominierten Verfilmung durch Wolfgang Petersen.

Zu sehen sind die Fotos, die Lothar-Günter Buchheim auf seinen beiden U-Boot-Mitfahrten 1941 und 1944 machte, natürlich mit erklärenden Informationen. Die Besucher erwarten auch historische Sachzeugnisse wie den „Südwester“ von Buchheims Fahrten oder die Original Triumph-Schreibmaschine, auf der Buchheims Ehefrau Diethild zwischen 1970 und 1973 das Roman-Manuskript ins Reine getippt hat. Dazu U-Boot-Modelle und die Unterwasserkamera, mit der Szenen aus dem Film „Das Boot“ gedreht wurden. Sequenzen aus der später produzierten Fernsehserie sowie Dokumentarfilme aus dem U-Boot-Krieg komplettieren die neue Dauerausstellung.

Highlight ist zweifellos eine echte Enigma-Verschlüsselungsmaschine aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie stammt aus der Schule für Informationstechnik der Bundeswehr in Pöcking/Feldafing und wurde von Brigadegeneral Rainer Simon und Hauptmann Wolfgang Schmidt als Leihgabe an Museumsdirektor Schreiber übergeben.

Reicherts Aufklärungsbuch „U 96 – Realität und Mythos“ ist im Mai dieses Jahres bereits in der dritten Auflage erschienen. Das Interesse ist scheinbar entsprechend groß. Wie Reichert im Buchheim Museum erläuterte, habe ihm bei der Wahrheitsfindung das letzte lebende Besatzungsmitglied von U 96 geholfen. Der ehemalige leitende Ingenieur Friedrich Grade ließ ihn seine privaten Tagebücher lesen, die er an Bord von U 96 führte. Diese dokumentieren laut Reichert anschaulich den Grad der Fiktionalität von Roman und Verfilmung.

Dem Welterfolg von „Das Boot“ tut das alles keinen Abbruch. Der Roman erreichte eine Millionenauflage und wurde in 18 Sprachen übersetzt. Wolfgang Petersens Verfilmung hatte ebenfalls großen internationalen Erfolg, sicher auch durch die Musik von Klaus Doldinger mit dem nervenaufreibenden Sonar-Geräusch.

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