Nach der Krise wird aufgeholt – Metall- und Elektroindustrie im Oberland zuversichtlich: Firmen sind gut aufgestellt

Freuen sich über den wirtschaftlichen Aufschwung: V. li.: Dieter Faust (AOA Apparatebau Gauting), Gerd Kubin (Aerotech Peißenberg), Bernd Göpfert (Division Wind, Zarges Weilheim), Jürgen Müller (PARItec Weilheim). Foto: Hofstetter

Es geht aufwärts: Einen grundsätzlich optimistischen Ausblick gaben Vertreter der Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme und vbm vergangenen Donnerstag in Weilheim. Das Niveau vor der Wirtschaftskrise werde aber erst zum Jahresende erreicht, hieß es.

Im halbjährlichen Turnus befragen die Verbände ihre 90 Mitgliedsbetriebe im Oberland, die insgesamt 13 500 Mitarbeiter beschäftigen. „Die Stimmung in den Unternehmen ist gut“, beurteilte Bernd Göpfert, Vorsitzender der bayme vbm Region Oberland, die jüngsten Umfragewerte. Hohe Erwartungen dämpfte er mit der Prognose, dass der Aufholprozess an Tempo verlieren werde. Als Konjunkturbremse könnten sich Wechselkursschwankungen, Unsicherheiten auf den Finanzmärkten, hohe Energie- und Rohstoffpreise auswirken. Über 40 Prozent der Betriebe, ergab die Umfrage, rechnen mit einer Belebung ihres Inlandsgeschäftes und des Exportes. Zwei Drittel wollen mehr investieren, zudem seien im Oberland 700 Neueinstellungen geplant. Laut Göpfert erzielte 2010 jede zweite Firma im Oberland eine Nettoumsatzrendite von mindestens vier Prozent, allerdings schrieben 18 Prozent der Betriebe Verluste. Von konjunkturellen Einbrüchen verschont blieb die in der Medizintechnik tätige Firma PARItec (130 Mitarbeiter). In der Holzhofstraße in Weilheim wird zurzeit eine neue Fertigungshalle gebaut. „Wir werden technisch aufrüsten und die Fertigungstiefe erhöhen“, kündigte Geschäftsführer Jürgen Müller an. Aktuell werden sechs Mitarbeiter für Werkzeugbau, Kunststoffspritzgießerei sowie Ingenieure gesucht. Aerotech in Peißenberg (430 Mitarbeiter) profitiert von der Konjunkturerholung der Luftfahrt. Die „schwarze Null“ im vergangenen Jahr sei aber nur mit rigorosem Sparen und 25 Prozent Kurzarbeit möglich gewesen, sagte Geschäftsführer Gerd Kubin. Die Mitarbeiter verzichteten auf einen Teil ihres Urlaubs- und Weihnachtsgeldes und arbeiteten länger. 2011 rechnet Kubin mit 15 % mehr Wachstum und 2012 wieder mit Vollbeschäftigung. AOA Apparatebau Gauting beliefert ebenfalls die Flugzeugbauer. „Wir segeln im Windschatten von Airbus“, verweist Geschäftsführer Dieter Faust auf seinen wichtigsten Kunden. 2010 fuhr die Firma den größten Umsatz in ihrer Firmengeschichte ein. Allerdings seien die Aufwändungen sehr hoch. Für 2011 wird ein fünfprozentiges Umsatzplus angesetzt, bis Jahresende sollen die Beschäftigten um zehn auf 370 aufgestockt werden. Der massive Preiskampf machte der Sparte „Wind“ bei Zarges in Weilheim zu schaffen und ließ den Umsatz 2010 um 20 % einbrechen. 100 Beschäftigte produzieren für den Turm­ausbau großer Windturbinenhersteller. Windkraftanlagen würden zu Dumpingpreisen verkauft werden, „in der Zulieferindustrie gibt es Überkapazitäten“, berichtete Bernd Göpfert. Für das erste Halbjahr 2011 wurde Kurzarbeit beantragt. Im Januar, so der Zarges-Geschäftsführer, „waren es vier bis fünf Tage“. Heuer sieht Göpfert die Windsparte besser aufgestellt: „Wir haben 2010 unsere Hausaufgaben gemacht und können jetzt auf Marktschwankungen besser reagieren.“ Nach mehreren Auftragseingängen für Prototypen könnten diese jetzt in Serie gefertigt werden.

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