Peißenberg hat wieder einen Förderturm

Nachbau des einstigen Wahrzeichens der Bergbaugeschichte eingeweiht

Einweihung des Wahrzeichens.
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V.re.: Rudi Hochenauer, Franz Merkl, Frank Zellner, Altbürgermeisterin Manuela Vanni und eine Fahnenabordnung des Knappenvereins weihten das Förderturmmodell ein.

Peißenberg – Am ehemaligen Zieglmeierschacht im heutigen Peißenberger Einkaufspark steht wieder ein Förderturm – wenn auch nur im Maßstab 1:10. Genau 50 Jahre nach der Schließung des Bergwerks am 31. März 1971 wurde nun ein über fünf Meter hoher Nachbau des einstigen Wahrzeichens eingeweiht.

„Das ist ein ganz besonderer Ort. Wir stehen im Zentrum der Peißenberger Bergbaugeschichte“, konstatierte Bürgermeister Frank Zellner bei der Feierzeremonie, die coronabedingt im kleinen Kreis stattfinden musste. Erst vor drei Jahren hatte die Gemeinde das Grundstück an der Straßenecke „An der Grube/Am Holzgarten“ von der Peißenberger Kraftwerksgesellschaft (PKG) erworben. Das Förderturmmodell steht nicht genau an der Stelle des verfüllten und gepflasterten Schachtrondells, sondern gut sichtbar in Nähe der Straßenkreuzung. Gebaut wurde die Aluminium-Konstruktion von Franz Merkl. Über 800 Arbeitsstunden hat der 82-jährige, ehemalige Hauer in das Projekt investiert. „Der Turm war für uns Bergleute lebensnotwendig“, betonte Merkl bei der Einweihung. Die „große Zuneigung zum Bergbau und seinen Traditionen“ hätten ihn dazu veranlasst, den 1955 neu errichteten und im Oktober 1972 gesprengten Förderturm in einem Modell nachzubauen. Rund 6 500 Nieten halten das Alu-Gerüst zusammen: „Möge der Turm länger stehen, als es seinem Original vergönnt war“, so Merkl.

Knappenvereinsvorsitzender Rudi Hochenauer sprach bei der Einweihung anlässlich des besonderen Datums von einem „Gedenktag“. Mit der Schließung des Bergwerks sei der „Kampf gegen das billigere Öl für die Peißenberger Zeche verloren gegangen“. Für die Orte Peißenberg und Hohenpeißenberg – dort wurde unter anderem der Wetterschacht auf 1 150 m abgeteuft – sei dies ein „einschneidendes Ereignis“ gewesen: „Die Region hat von der Hände Arbeit im Bergbau gelebt.“ Anfang der 1960 Jahre lag die Jahresfördermenge bei über 800 000 Tonnen. Insgesamt wurden in 134 Bergbaujahren rund um den Hohen Peißenberg 32 Millionen Tonnen Kohle aus dem Boden geholt. „Eine gigantische Leistung“, so Hochenauer. Doch in den 1960 Jahren ging es mit dem Kohleabbau rapide bergab. Hochenauer erinnerte in seiner „Gedenktag-Rede“ daran, dass auf dem heutigen MTP-Gelände eine riesige Kohlenhalde aufgeschüttet werden musste. Das Zwischenlager symbolisierte damals die Absatzschwierigkeiten.

Eine „Topleistung“, bescheinigte Hochenauer übrigens auch dem Peißenberger Bauhof. Dessen Mitarbeiter haben das Turmmodell von Merkls Grundstück mit Kran und Lastwagen an den Zieglmeierschacht transportiert – „und es behandelt wie ein rohes Ei“, so Hochenauer. Seinen Dank sprach der Knappenvereinschef explizit auch den Rathausmitarbeitern Sonja Mayer und Stefan Pröbstl aus. Das gemeindliche Bauamt habe viel Planungsarbeit in das Projekt investiert: „Das Förderturmmodell war eine Baumaßnahme, als wenn wir hier ein Haus gebaut hätten – mit Statik und allem, was dazu gehört.“

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