Mehr Wertschätzung der Branche gefordert

Nachhaltiger Tourismus in Oberbayern

Hotelglocke
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Betreiber der Hotellerie- und Gastronomieszene erhoffen sich angesichts der fortschreitenden Impfquote in Deutschland einen Neustart des Tourismus.
  • Stefan Raab
    VonStefan Raab
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Region – Alarmierende Zahlen für die oberbayerische Tourismuswirtschaft – das zeigen die Ergebnisse einer Umfrage, die der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern im Juli unter seinen Mitgliedern durchgeführt hat. Danach liegen in Oberbayern die Übernachtungen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 40 Prozent niedriger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Wer denkt, dass dieser Rückgang nicht so gravierend sei, muss sich dazu den Vergleich von 2020 und 2019 anschauen: hier ist ein Minus von 44 Prozent zu verzeichnen. Ihre Auslastung im ersten Halbjahr 2021 geben die Betriebe mit lediglich 17,7 Prozent an. Es ist daher nur allzu verständlich, wenn Stefan Neumann von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) vor Kurzem in einem Online-Pressegespräch betont, dass sich fast 42 Prozent seiner Mitgliedsbetriebe in Oberbayern in ihrer Existenz gefährdet sehen. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende ergänzt: „Noch alarmierender ist, dass in Oberbayern fast 22 Prozent tatsächlich eine Betriebsaufgabe in Erwägung ziehen.“

Bangemachen gilt bekanntlich nicht. Schon gar nicht in der oberbayerischen Hotellerie- und Gastronomieszene. Schließlich erhoffen sich die vielen Betreiber*innen angesichts der fortschreitenden Impfquote in Deutschland einen Neustart des Tourismus. Für Christian Bär, Inhaber des Hotels Alpenhof in Murnau, steht außer Frage, dass der Tourismus ein Aushängeschild für Bayern ist, dem aber die gesellschaftliche Anerkennung als Energiespender fehle: „Sowohl Urlaube als auch Gaststätten- und Restaurantbesuche sind unverzichtbare Energiegeber – ohne Energie zu tanken, ist man nicht voll leistungsfähig.“

Jutta Griess, Inhaberin des Hotels Rheinischer Hof in Garmisch-Partenkirchen, ergänzt: „Zu den genannten Herausforderungen ist vor allem der Personalaspekt zu nennen. Es wird immer schwieriger, geeignete Dienstleister zu finden.“ Behörden würden immer wieder zu Verzögerungen oder Verhinderungen beitragen, wenn Fachkräfte aus dem Ausland für Jobs im Hotel- und Gastrogewerbe nach Bayern einreisen wollten. „Wenn ein Gast ein Essen bestellt, muss es sofort rausgebracht werden“, bringt es die Bezirksvorsitzende Oberbayern des Dehoga Bayern auf den Punkt. Ihr Tipp: Besser sei es Grenzen zu öffnen, damit Oberbayern kurzfristig ausreichend Mitarbeitende für Hotels und Gastronomie zur Verfügung stünden.

Allerdings müsse noch viel mehr getan werden, um die Tourismusbranche in Oberbayern mit einem Vor-Corona-Umsatz von 33 Milliarden Euro und 600 000 Beschäftigten wieder so richtig in Schwung zu bringen, heißt es bei der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Dazu sei eine optimierte Digitalisierung, ein nachhaltiger Tourismus und eine verfeinerte Infrastruktur notwendig, so das Credo von vbw-Vizechef Neumann. Insbesondere Klimaschutz und Nachhaltigkeit müssten Hand in Hand gehen. Darunter sei zum Beispiel die Verknüpfung von Bergtourismus und Mobilität zu verstehen, aber auch die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks von Gästen durch nachhaltiges Wirtschaften. „Wir wollen einen expandierenden Tourismus im Einklang von Wirtschaft und Natur, von Touristen und Einwohnern“, erläutert Neumann. Dazu gehöre zum Beispiel die räumliche Entzerrung von Tagesausflüglern und längere Aufenthalte der Besuchenden in den Urlaubsregionen.

Für Josef Niedermaier, Landrat von Bad Tölz-Wolfratshausen, ist klar, dass es eine Zukunft des Tourismus nur durch die Lösung der Verkehrsprobleme geben kann: „Wir brauchen einen Mobilitätswandel!“ Gerade die nachhaltige Mobilität auf den letzten Kilometern zur Feriendestination gelte es sicherzustellen. Nur so könne sich die oberbayerische Ferienregion in Sachen Mobilität weiterentwickeln, ohne an Attraktivität zu verlieren. Viele Alternativen, wie Shuttle-Busse und Elektroautos, würden dazu bereit stehen. Vielleicht bringen innovative, nachhaltige Tourismuskonzepte die oberbayerische Tourismuswirtschaft entscheidend voran und lassen die roten Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2021 in Vergessenheit geraten.

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