Wurzeln im Gemäuer

Naturnahe Bestattung und wuchernder Efeu erfordern Änderungen in der Friedhofssatzung

Friedhofsmauer in Murnau.
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Die Murnauer Satzung über das Friedhofs- und Bestattungswesen soll auf Empfehlung der Verwaltung den aktuellen Umständen angepasst werden. Das neue Urnengrabfeld soll in die Satzung aufgenommen werden sowie etwa das Verbot, Efeu anzupflanzen, da dieses die Friedhofsmauer stark in Mitleidenschaft gezogen hat.
  • vonAntonia Reindl
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Murnau – Es ist ein idyllischer Platz, Bäume flankieren die Fläche, Wind schaukelt sanft Blätter und Gräser. Auf dem Murnauer Friedhof wächst das Angebot an Bestattungsformen. Gerade wird eine neue Grabanlage für Urnen errichtet, naturnah unter Laubkronen. Doch nicht allein die im Süden gelegene neue Anlage erfordere aus Sicht der Verwaltung eine Änderung der Friedhofssatzung, auch fehlplatzierter Kunststoff und zerstörerischer Efeu.

In wenigen Wochen soll das naturnahe Urnengrabfeld in Betrieb genommen werden, „in einer traumhaften Lage“, sagt Cornelia Scherbl, Leiterin der Friedhofsverwaltung, in der jüngsten Sitzung des Hauptverwaltungsausschusses. Vorab bedarf es jedoch einer Änderung der Friedhofssatzung. Auf die prägnantesten Anpassungen an die neuen Bedingungen und Umstände geht Scherbl näher ein und erläutert diese.

An der neuen Urnengrabanlage, auf der es blühen und summen soll, werden sich keine Beschriftungen finden lassen, zumindest nicht an den Gräbern selbst. Jedoch wird die Möglichkeit bestehen, Namenstafeln an einem Kunstwerk anbringen zu lassen. Von einem Kunstwerk ist bis dato aber noch nichts zu sehen, dieses soll an der zentralen Gedenkstätte im Nachgang errichtet werden. Grabschmuck wird auf der Anlage nicht gestattet sein, lediglich im Rahmen der Bestattung können Blumen und Kränze abgelegt werden. Nichts Blühendes, nichts Schmückendes, absolute Stille und damit Pflegebedarf in eingeschränktem Umfang. Die Pflege übernimmt dabei der Markt Murnau.

Auch in einer anderen Gelegenheit ergibt sich nun eine Änderung. Bislang waren Ehrenträger vom Ablassen des Sargs oder der Urne ausgeschlossen – aus Versicherungsgründen. Bei Bestattungen habe der Personalwechsel am Grab bislang zu einer Art „Bruch“ in der Zeremonie geführt, so Scherbl. Nun sollen die Ehrenträger über die Gemeinde versichert sein und ihnen damit das Ablassen gestattet werden.

Ein Müllproblem auf dem Friedhof

Nicht mehr gestattet sein sollen in der geänderten Satzung die Verwendung von Pflanzenschutz- und Unkrautbekämpfungsmitteln. Bislang gebe es laut Scherbl nur „geringe Regelungen“ diesbezüglich. Nicht mehr erlaubt sein sollen auch nicht verrottbare Werkstoffe wie Kunststoff in der Trauerfloristik, beim Grabschmuck und bei Pflanzenzuchtbehältern. „Wir haben ein massives Müllproblem“, berichtet die Leiterin der Friedhofsverwaltung. In den Grüngutabfällen etwa findet sich oftmals Plastik, Verunreinigungen, die hohe Entsorgungskosten verursachen.

Vom Süden der neuen Urnengrabanlage wendet Scherbl ihren Blick nach Norden, speziell auf die Hanglagen. Normalerweise müsse bei Auflösung eines Grabes das Fundament entfernt werden, da der Nachmieter sonst „die Katze im Sack“ bekomme, sagt die Leiterin der Friedhofsverwaltung. Nun soll angesichts der Hanglage und der schwierigen Bodenverhältnisse die Möglichkeit bestehen, das Fundament zu belassen. Hier wolle die Friedhofsverwaltung im Einzelfall entscheiden, so Scherbl. In besagtem kritischen Bereich sollen Erdbestattungen außerdem grundsätzlich nicht mehr oder nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Verwaltung möglich sein.

Dann blickt Scherbl noch auf den Rand, das Umgebende, die Friedhofsmauer, welche in den kommenden Jahren nach und nach saniert werden soll und muss. Wuchernder Efeu habe „erhebliche Schäden“ verursacht, erläutert die Leiterin der Friedhofsverwaltung. Daher soll das Anpflanzen des Wurzelkletterers künftig untersagt sein.

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) geht nicht weiter auf die empfohlenen Satzungsänderungen ein, scheint noch an Scherbls ersten Worten hängen geblieben zu sein und betont, neue Bestattungsformen zu begrüßen. Am Efeu hängen geblieben ist dagegen Wolfgang Köglmayr (Mehr Bewegen), der darum bittet, Bürger über Maßnahmen wie die Entfernung des Efeus frühzeitig zu informieren. Er selbst müsse nun für recht hohe Kosten ein Grabmal wiederherstellen lassen, welches das Klettergehölz zusammengehalten habe. Scherbl entschuldigt das Versäumnis und bedauert, dass die Abstimmung zwischen Bauamt und Friedhofsverwaltung nicht optimal gewesen sei. „Uns war nicht bewusst, was für Schäden unter den Efeumengen liegen“, bedauert Scherbl. Köglmayer jedenfalls findet das Geschehene, die mangelnde Information, „bissl schade“ und appelliert, diese Angelegenheit mit Gefühl anzugehen.

Im Anschluss stimmt das Gremium geschlossen für die erste Änderungssatzung der Friedhofsgebührensatzung. Diese ist von Nöten, da etwa die Gebühren für die neue naturnahe Graburnenanlage festgelegt werden müssen, geänderte Kosten für Ehrenträger, deren Einsatz nun mit einem erhöhten Verwaltungsaufwand verbunden ist, anfallen und Fundamente bei Grabauflösungen nicht in jedem Fall entfernt werden müssen. Und eines möchte Scherbl mit Blick auf die Änderungssatzung noch hervorheben: Bislang seien Urnen und Särge im Leichenhaus, was die Einstellungsgebühren anbelangt, gleich behandelt worden. Nun wird es einen deutlichen Kostenunterschied geben, etwa hinsichtlich der Grundgebühr für die Einstellung im Leichenhaus Murnau oder Hechendorf. Diese beträgt bei einem Sarg künftig 123 Euro, bei einer Urne 59 Euro.

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