Neubau für Asylbewerber mit Doppeleffekt

"Raistinger Modell" macht Schule

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Mit den Bauplänen auf dem Probst-Gelände: Raistings Bürgermeister Martin Höck (re.) und Gemeinderat Josef Schüßler, der den Helferkreis aufbaut. Auf dem kleinen Bild der geplante Neubau mit zwölf Wohnungen für circa 50 Asylbewerber.

Raisting – „Heute schon an morgen und übermorgen denken“ ist die Devise des Raistinger Gemeinderates.

So macht man aus der (Wohnungs)-Not für Asylbewerber eine Tugend und baut ein dauerhaftes Gebäude mit zwölf Wohneinheiten, das in der Nachnutzung sozialen Zwecken dienen soll wie der Unterbringung von Obdachlosen. Oder auch als günstiger Wohnraum für junge Familien. Dieses Konzept wurde von Gemeindechef Martin Höck bei einer Bürgerversammlung im Gasthof Drexl vorgestellt und fand breite Zustimmung.

Thema der Bürgerversammlung im restlos überfüllten Gasthof war die Asylsituation in Raisting. Dazu hatte Bürgermeister Höck vier kompetente Mitarbeiter vom Sachbereich Asylwesen im Landratsamt Weilheim-Schongau eingeladen: Elisabeth Vieweger, Lydia Schminke, Irina Ortner und Matthias Barz. Sie erläuterten zunächst die Situation im Landkreis, wo momentan 1 690 Asylbewerber und 140 sogenannte „Fehlbeleger“, also bereits anerkannte Flüchtlinge, in 28 Gemeinden leben. Derzeit kämen wöchentlich 15 neue Asylbewerber dazu. Das Problem hier wie auch in den anderen Landkreisen der Region ist der fehlende Wohnraum für Asylbewerber.

In Raisting, wo seit Februar acht Asylbewerber leben, baut man im wahrsten Sinne des Wortes vor. Da laut Verteilungsschlüssel noch 59 Flüchtlinge erwartet werden und keine freien Wohnungen vorhanden sind, errichtet man kurzerhand auf dem gemeindeeigenen Probstgelände nordöstlich der Pfarrkirche ein zweistöckiges Gebäude mit zwölf Wohnungen. Knapp 1,3 Millionen Euro wird das vollunterkellerte Holzständerbauwerk kosten und soll noch Ende dieses Jahres bezugsfertig sein.

Das Geld für null Prozent Zinsen kommt von der LaBo, dem Institut der Bayerischen Landesbank für Wohnraumförderung. Durch die Mietzahlungen des Freistaates für die Asylbewerber könne das zinslose Darlehen in zehn Jahren getilgt sein. Und sollte sich die Asylsituation in einigen Jahren beruhigen, werden die Wohnungen von der Gemeinde günstig vermietet oder auch Familien in Not zur Verfügung gestellt. Diese weitblickende Lösung befanden Bürgermeister und Gemeinderat als optimal gegenüber Containern, die nach einer gewissen Nutzungszeit entsorgt werden müssen. Das „Raistinger Modell“ spricht sich herum und findet bereits Nachahmer, wie zum Beispiel in Wielenbach.

Asylbewerber brauchen nicht nur Wohnraum, sondern auch intensive Betreuung, die von staatlicher Seite nicht gegeben ist. Darum hat sich Ende Februar in Raisting ein Helferkreis aus derzeit 24 Ehrenamtlichen gebildet, den Koordinator und Gemeinderat Josef Schüßler vorstellte. Derzeit bilde man diverse Arbeitskreise für die verschiedenen Aufgaben von Deutsch- unterricht über Behördenhilfe bis zu Fahrdiensten. Um von den Erfahrungen anderer Helferkreise zu profitieren, habe man sich mit der Plattform www.asylimoberland.de vernetzt.

Bürgermeister Martin Höck betonte in seinem Schlusswort mit Freude und Erleichterung, dass man in Raisting mit der Integration der Asylbewerber in die dörfliche Gemeinschaft keine Probleme sehe und die Willkommenskultur leben will. Es gebe nur ganz wenig kritische Stimmen, die sicher bald eines Besseren belehrt werden: „Denn wir kümmern uns um die Neuankömmlinge und zeigen ihnen, wie ein harmonisches Miteinander funktioniert“, betonte Höck.

Dieter Roettig

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