Ein großer Wurf gelungen

Freie Waldorfschule Weilheim/Huglfing präsentiert Konzept für neues Schulgebäude

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Das Modell zeigt das Projekt in der Endausbaustufe. Alle Bereiche werden barrierefrei ausgeführt.

Huglfing/Weilheim – Der Neubau der geplanten Waldorfschule auf dem sogenannten Erdbeerfeld am Narbonner Ring in Weilheim nimmt konkrete Formen an: In einer Pressekonferenz stellten Schulleitung, Vereinsvorstand und Elternvertreter am Montag das Modell ihres Bauprojektes und den verantwortlichen Architekten Prof. Francis Kéré der Öffentlichkeit vor.

„Alle unsere Ideen haben sich wiedergefunden, er sprach uns aus dem Herzen“, begründete Schulleiter Dr. Dietmar Müller seine Begeisterung für die Machbarkeitsstudie. Vorangegangen war eine Vorstellungsrunde im Oktober 2017 von sechs renommierten Architekturbüros, an der auch das Büro Kéré Architectures aus Berlin teilgenommen hatte. Der Vortrag von Kéré habe die Schulgemeinschaft einhellig davon überzeugt, dass er mit einfachen und regional verfügbaren Mitteln qualitativ hochwertige und ästhetische Räume schaffen könne, in denen sich die anthroposophischen Werte der Waldorfbewegung wiederfinden. Nachdem Kéré mit seinem Team den Zuschlag für die Studie erhalten hatte, wurden in zwei Workshops und einer Ortsbegehung alle Wünsche und Vorstellungen von Schulvorstand, Lehrkräften und Schülern gesammelt, um sie in das Konzept einfließen zu lassen.

Francis Kéré begründete seine Entscheidung, sich für das Projekt zu engagieren, damit, dass er von Anfang an gespürt habe, dass alle Beteiligten den Schulbau als Gemeinschaftsprojekt auffassten, so wie er dies aus seiner Heimat kenne. „Ich bekomme jeden Monat eine Anfrage für einen Schulbau, die ich in der Regel aber ablehne. Hier in Weilheim habe ich den ‚Spirit of the Space‘ gespürt, denn alle Beteiligten haben ihre Freizeit für das Projekt geopfert“, würdigte er das Engagement der Schulgemeinschaft.

Wichtig ist Kéré, dass die Schule nicht isoliert im Raum steht, sondern viele Interaktionsmöglichkeiten für die Stadt und die Anwohner bietet. Um dies zu erreichen, sollen auf dem Areal Begegnungsräume entstehen, in weiteren Bauabschnitten sind ein Festsaal mit 350 Plätzen und eine Sporthalle geplant. Anstelle einer Lärmschutzwand zum Narbonner Ring hin soll der Lärmschutz durch gewölbte Dächer der Gebäude an der Straßenseite gewährleistet sein. Die Dächer selbst können als Anbauflächen für Erdbeeren und Gemüse genutzt werden, so dass die Schüler Erfahrungen im Anbau gesunder Lebensmittel für den eigenen Bedarf sammeln können.

Weilheims Zweiter Bürgermeister Horst Martin begrüßte die Realisierung des Projektes als eine bedeutende Bereicherung des Schulangebotes in der Kreisstadt. Durch den anhaltenden Zuzug sei es wichtig, den schon hier wohnenden Bürgern ebenso wie den Neuzugängen ein möglichst umfassendes Schulangebot zu bieten. Er sagte den Bauherren zu, dass sie in der weiteren Planungsphase mit der Unterstützung des städtischen Bauamtes rechnen könnten.

Eva Seidel vom Schulvorstand gab den Besuchern einen kurzen Überblick über die noch junge Geschichte der Weilheimer Waldorfschule. So sei 2012 der Verein als Schulträger ins Leben gerufen und 2014 der Schulbetrieb mit zunächst acht Schülern am jetzigen Standort in Huglfing aufgenommen worden. Die Entscheidung für den Standort Weilheim sei aus der räumlichen Distanz zu den bestehenden Waldorfschulen in Landsberg, Geretsried und München-Südwest gefallen, begründete Seidel die Standortwahl.

Inzwischen werden von der Weilheimer Einrichtung in den fünf Schulstufen 98 Schüler unterrichtet. Mit jedem Jahr soll eine weitere Stufe hinzukommen, so dass im Endausbau bis zum Abitur alle Schulabschlüsse angeboten werden können. Für das kommende Schuljahr wird bereits mit insgesamt 135 Schülern gerechnet. „Der Neubau am ehemaligen Erdbeerfeld am Narbonner Ring soll 2020 mit seiner ersten Ausbaustufe den Betrieb aufnehmen“, gab sich Seidel hoffnungsvoll.

Eine große Herausforderung stellt die Finanzierung des Vorhabens dar, die auf drei Säulen stehen soll: Neben einem staatlichen Zuschuss und Spenden bietet der Verein auch Investoren die Möglichkeit, sich an dem Projekt zu beteiligen. Durch den zeitlich gestuften Ausbau soll die Projektentwicklung an die finanziellen Möglichkeiten angepasst werden.

Vizelandrat Karl-Heinz Grehl gab sich als gebürtiger Weilheimer zu erkennen, der in der Nachbarschaft des Bauplatzes aufgewachsen ist. Er lud Kéré zu einem Spaziergang im Umfeld des neuen Schulstandortes ein, um ihm den „Spirit of the Space“ noch näher zu bringen. Susanne Enders, Referentin für Menschen mit Behinderungen im Weilheimer Stadtrat, bot dem Architekten an, den Entwurf mit Behinderten zu diskutieren, da diese am besten ihre Bedürfnisse artikulieren könnten. Beide Einladungen nahm der Architekt gerne an.

emh

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