Führungswechsel in der Sparkasse

Vorstandsvorsitzender Josef Koch verabschiedet – Thomas Orbig übernimmt das Steuer

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Eine symbolische Geste: Josef Koch (li.) gibt den Staffelstab an Thomas Orbig weiter.

Weilheim – Wäre Josef Koch nicht Sparkassenmanager geworden, so wäre seine berufliche Laufbahn wohl in die eines Bauingenieurs gemündet. Beim Stabwechsel wurden dem scheidenden Chef der Sparkasse Oberland neben einer glücklichen Hand fürs Bauen noch erstaunliche handwerkliche Fähigkeiten, wie Mähdrescher fahren, bestätigt. „Einfach und heiter“ hatte sich Koch seine Abschiedsfeier gewünscht, zu der sich am Samstag Wegbegleiter, Geschäftspartner und Vertreter der Lokalpolitik in der Sparkasse einfanden.

Von seiner langjährigen Assistentin Birgit Jocher charmant moderiert, blickten die Laudatoren und der angehende Ruheständler selbst auf fast 22 Jahre zurück, in denen Koch als Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Sparkassen Weilheim und zuletzt der Sparkasse Oberland die Geschäfte geführt hatte.

Eine Leistung, die der Verwaltungsratsvorsitzende und Weilheimer Bürgermeister Markus Loth hervorhob, war Kochs aufgeschlossene Haltung für einen Zusammenschluss und die nach etlichen gescheiterten Versuchen 2016 gelungene Fusion (Loth: „Er war der Manager der Fusion“) der Vereinigten Sparkassen Weilheim mit der Kreissparkasse Schongau zur Sparkasse Oberland. In die Ära Koch fielen Sparkassen-Neubauten ebenso wie die Errichtung des Wohnhauses an der Eisenkramergasse oder die Revitalisierung des ehemaligen MZT an der Olympiastraße nach dem Erwerb durch die Sparkasse. Eine Bank in Krisenzeiten erfolgreich durch die rauer werdende See und auf Platz 7 der bayerischen Sparkassen zu steuern, verdiene „absolute Hochachtung“, sagte Loth. Die Eigenkapitalquote der Vereinigten Sparkassen habe sich von Kochs Amtsantritt 1996 (75,9 Mio. Euro) bis 2016 (225,5 Mio.) verdreifacht. Er habe der lokalen Kunstszene mit Ausstellungen eine Bühne geboten und dafür gesorgt, dass über Stiftungen nachhaltig Gelder in die Region fließen. „Harmonie in der Zusammenarbeit“ und „gegenseitiger Respekt“ seien dem Sparkassenurgestein auf der Vorstandsebene wie im Verwaltungsrat wichtig gewesen. Loth erinnerte an Kochs ausgefeiltes Zeitmanagement, „Abweichungen vom Thema waren ihm in Meetings ein Gräuel.“ Zum Dank überreichte Loth die Silbermünze der Stadt Weilheim.

Als oberster Repräsentant der bayerischen Sparkassen dekorierte Präsident Dr. Ulrich Netzer Koch mit der Sparkassenmedaille in Gold. Im badischen Leiberstung als Sohn eines Kämmerers geboren, sei dem 65-Jährigen das Sparkassengeschäft „regelrecht in die Wiege gelegt“ worden. Der kleine Josef habe im heimischen Wohnzimmer mitbekommen, wie der Vater dort Sparkassengeschäfte abgewickelt hat. Das eigene Vertrauen auch in seinen Kunden zu wecken, sei Kochs primäres Ziel gewesen. Um in der Finanzmarktkrise verunsicherten Kunden komplexe Zusammenhänge zu erklären, habe er bisweilen selbst zum Hörer gegriffen. Die Fusion sei ein „wichtiger und richtiger Schritt“ gewesen. Von Netzer erfuhren die Gäste auch, dass der im Berufsleben „unaufgeregte, besonnene Koch“ ab und an einen Adrenalinstoß brauchte, den er sich auf rasanten Fahrten mit der „Wilden Maus“ verschaffte.

Koch verglich seine Sparkassenzeit, die in der Bezirkssparkasse Bühl begann, mit einem Marathonlauf. Etwa die Hälfte der Distanz habe er in Weilheim verbracht, wohin er sich aus seiner Position als Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Dresden beworben hatte. In seine Dankesworte schloss er neben den Vorstandskollegen – „wir waren ein Dreamteam“ – das gesamte Personal, die Verwaltungsräte, Geschäftspartner und seine Ehefrau Gabi ein. Die Sparkasse Oberland sei „für die Zukunft gut gerüstet“.

Der neue Vorstandsvorsitzende sieht nach der gemeisterten Fusion seine Aufgabe darin, „Menschen, Mitarbeiter und Kulturen zweier Sparkassenhäuser zusammenzuführen“. Thomas Orbig, ein gebürtiger Weilheimer, gestaltet hier die Geschicke der Sparkasse seit 14 Jahren mit. Als wichtige Herausforderung der nächsten Jahre nannte er die Digitalisierung, die „sowohl die internen Prozessabläufe als auch die Kontakt- und Geschäftsmöglichkeiten mit den Kunden stark beeinflussen“ werde.

Die Mitarbeiter legten sich für den Abschied ihres Chefs noch einmal richtig ins Zeug: Mit einer kurzweiligen Bilderfolge riefen sie wichtige Ereignisse aus Kochs Sparkassenzeit in Erinnerung. Flotte Blasmusik spielten Sparkassenkollegen unter der Leitung von Bernd Schuster, auch der Service beim anschließenden Weißwurstessen wurde hausintern organisiert.

 

Von Maria Hofstetter

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