Vor Ort "Neue Medien" studieren – Start in Weilheim: Studenten erhalten Einblick in Unternehmen und profitieren von Netzwerken

Lukas Böhm (20) aus Murnau wollte ursprünglich in München Informatik studieren. Der 20-Jährige hat sich „total begeistert“ dem neuen Studiengang angeschlossen und möchte danach in seinem Ausbilderbetrieb SeitWerk bleiben. F.: Hofstetter

Studieren in der Region, direkt vor der Haustüre. Seit Oktober 2007 wird dieses im Oberland einmalige Angebot, das Theorie und Praxis eng miteinander verknüpft, von jungen Frauen und Männern im Studiengang „Wirtschaft und Technik“ genutzt. Ende Oktober startete in den Räumen der Firma K&L Ruppert in Weilheim ein neuer Studiengang mit dem international anerkannten Hochschulabschluss zum „Bachelor of Arts“.

15 Studenten haben sich für die siebensemestrige akademische Ausbildung in Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Neue Medien entschieden. Sie werden in Programmierung, Business-Englisch, Online-Marketing, E-Commerce und weiteren Fächern fit fürs Berufsleben gemacht. Über mangelnde Resonanz braucht sich die Fachhochschule für angewandtes Management (FHAM) mit Hauptsitz in Erding, die den neuen dualen Studiengang zusammen mit dem Internetspezialisten SeitWerk in Seehausen anbietet, nicht zu beklagen. „Viele interessierte Firmen haben keinen Studenten mehr bekommen“, berichtet Jürgen Janku von SeitWerk, der mit Dr. Gudrun Voggenreiter (Hoerbiger) die Lerninhalte erarbeitet hat. Deshalb werde überlegt, nächstes Jahr zwei Kurse anzubieten. Kompetenter Nachwuchs ist rar in den Betrieben. Das duale Studium an der FHAM soll die Vorteile von Berufsausbildung und Studium praxisnah vereinen. „Wir wollen die jungen Leute auf den Umbruch in der Medienlandschaft vorbereiten“, bekräftigt Prof. Dr. Stephan von Beckerath, Leiter des Campusstandortes in Bad Tölz, wo sich die Studenten zum Austausch, zu Vorlesungen und Prüfungen einfinden. Das Studium gliedert sich in drei Bausteine. Pro Jahr sind 30 „Präsenztage“ angesetzt. Dazwischen wird in den Partnerfirmen gearbeitet und über Internetplattformen gelernt. In der Regel schließt der Betrieb mit dem Studenten einen Vertrag, bildet ihn aus, übernimmt die Studiengebühren, rund 400 Euro im Monat, und zahlt ein Gehalt. Ein Drittel der Studenten nutzt das Studium zur privaten Weiterbildung. An der FHAM studieren können Absolventen von Gymnasium, FOS/BOS und Inhaber eines Meisterbriefes. Landrat Dr. Friedrich Zeller ist daran gelegen, „den Landkreis als Fachhochschulstandort nachhaltig zu sichern“. Diese „top ausgebildeten jungen Leute“ in der Region zu halten ist ein weiteres Ziel, wie Justina Eibl von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung im Landratsamt anmerkt. Eibl lobt das Engagement der Partnerfirmen wie Hoer­biger und K&L Ruppert, die auch Schulungsräume zur Verfügung stellen. Bei Gesprächen mit der regionalen Wirtschaft sei sie aber auch oft auf verhaltene Reaktionen gestoßen. Eibls Fazit: „Wir müssen noch mehr Unternehmen von den Vorteilen dieses semivirtuellen Studienkonzeptes überzeugen.“ Mehr Infos unter www.campus-badtoelz.de.

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