Kliniken möchten Geburtenzahl steigern – Neuer Chefarzt der Gynäkologie vorgestellt

Lippmanns nächster Streich

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Bereits jetzt sind werdende Mamas wie Susanne Weigl (liegend) durch das Team von Belegärzten – hier Dr. Stephan Rutke (re.) – und die fünf Hebammen wie Marianne Gegg (weißer Kittel) in Weilheim gut aufgehoben. Doch mit Dr. Bernd-Michael Grauel (2.v.li) wollen Geschäftsführer Thomas Lippmann (li.) und Landrätin Andrea Jochner-Weiß das Angebot noch erweitern.

Weilheim – Noch nicht einmal ein halbes Jahr ist es her, dass beschlossen wurde: In den Krankenhäusern im Landkreis werden weiterhin Babys zur Welt kommen. Nun wurde bereits der neue Chefarzt der Geburtshilfe und Gynäkologie vorgestellt. Im Sommer tritt Dr. Bernd-Michael Grauel seinen Dienst an.

„Es ist wichtig, dass Frauen aus dem Landkreis ihre Kinder auch im Landkreis auf die Welt bringen können“, sprach sich Landrätin Andrea Jochner-Weiß klar für das Weiterbestehen der Geburtsstation aus. Auch der Großteil der Kreisräte und des Aufsichtsrates hätten sich, als es um dieses Thema ging, dafür ausgesprochen. „Es hat schnell gehen müssen“, ist Jochner-Weiß mit dem Ergebnis zufrieden, obwohl die Geburtsstation voraussichtlich keine Gewinne einbringen wird.

„Wir schwimmen gegen den Trend“, erklärt Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH. Denn viele kleinere Kliniken würden eher geschlossen als ausgebaut. Doch er sieht die Neuerungen, die er seit seinem Dienstantritt angestoßen hat, bereits als gelungen. „Die Saat geht langsam auf, jetzt müssen die Pflänzchen nur noch gegossen werden.“ Zwar sei ihm klar, dass die Sanierung der GmbH auch wesentlich schneller möglich sei, allerdings wäre das Resultat dann vor allem für die Patienten nicht zufriedenstellend, gibt Lippmann zu bedenken. „Der Kreistag gibt uns die Zeit. Wir müssen weg von der Kurzfristigkeit“, sagt er.

Bewährte Qualität wird beibehalten 

„Das bisherige Team ist bis an seine Grenzen gegangen, um das System aufrechtzuerhalten“, lobt Lippmann. Er wünscht sich, dass es künftig mit den neuen Angestellten verschmilzt. „Haupt- und Belegabteilung werden eng zusammenarbeiten“, sieht Lippmann einen Mehrwert für die künftigen Patientinnen.

Für die Gebärenden wird sich auf den ersten Blick im Ablauf nicht viel ändern. Dafür umso mehr für die sechs Belegärzte, die sich in den Kliniken in Schongau und Weilheim bisher um die Geburtshilfe gekümmert haben. „Gerade in der Verwaltung wurden es immer mehr Anforderungen. Man schafft das irgendwann nicht mehr“, hofft Dr. Stephan Rutke, der neben dem Dienst im Krankenhaus auch noch seine Praxis führt, durch die neuen Kollegen auf Entlastung für das derzeit kleine Team. Er habe hohe Erwartungen an die Zusammenarbeit mit den neuen Kollegen und glaubt: „Vielleicht tut frisches Blut ganz gut.“

Ein klarer Vorteil: Operationen, die lange dauern und bisher aus Zeitmangel nicht von den Belegärzten in Weilheim und Schongau durchgeführt werden konnten, sind künftig möglich. „Die Entfernung eines Eierstocks kann durchaus bis zu acht Stunden dauern“, verdeutlicht Grauel den Aufwand vieler Eingriffe.

Er wird seinen Dienst am 1. Juli antreten und tageweise zwischen beiden Kliniken wechseln. Mit ihm wird auch ein neues Spezialgebiet Einzug halten: die Inkontinenzchirurgie. In Schongau wird hierfür ein „Beckenboden-Zentrum“ eingerichtet. „Es war wichtig, jemanden zu finden, der ein Zusatzgebiet mitbringt“, sagt Lippmann. „Er ist genau der Kandidat, den wir gesucht haben“, ergänzt Jochner-Weiß. „Wir wollten keinen Jungsporn, sondern jemand, der erfahren ist und nicht seine Ellenbogen benutzt, sondern ein Verbindungsglied ist“, begründet Lippmann die Entscheidung für den 62-jährigen Grauel. Der ist Vater und Opa und wohnt derzeit in Erfurt.

Bereits an vier Kliniken war er Chefarzt und konnte dort die Geburtenzahlen und die Zahl der Operationen, wie in der gynäkologischen Onkologie, steigern. Das möchte er nun auch im Landkreis. Von 800 soll es in Richtung 1 000 Geburten pro Jahr gehen. „Das wird sich auch wirtschaftlich niederschlagen“, ist Grauel sicher. „Aber es dauert bestimmt zweieinhalb bis drei Jahre.“ Dennoch möchte er die Patientinnen nicht nur als Kunden sehen, sondern auf jedes Problem individuell eingehen. Vier Facharztstellen und 3,5 Assistenz- und Weiterbildungsstellen sind geplant. Fünf Verträge sind schon unterschrieben, drei Vorstellungsgespräche stehen diesen Monat noch an. Bis Oktober soll das gesamte Team bereits im Dienst sein.

Von Ursula Gnadl

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