Daniel J. Schreiber bringt ab August frischen Wind ins Buchheim Museum

"Der schönste Job der Welt"

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Es ist ein großes Orchester, das der 47-jährige Kunsthistoriker künftig dirigieren muss.

Bernried – Im Buchheim Museum könnte sich bald einiges ändern. Das Ausstellungskonzept soll dynamischer werden, wenn der neue Direktor im August seine Stelle antritt.

Daniel J. Schreiber, derzeitig geschäftsführender Kurator der Kunsthalle Tübingen, wird Direktor des Buchheim Museums der Phantasie. Am 1. August wird er seine Arbeit in Bernried aufnehmen. Der 47-jährige Kunsthistoriker freut sich auf München und den Starnberger See, auf die Expressionisten, auf Zirkuspferde und auf seine Mitarbeiter.

Es ist wohl eine Art Heimkehr für Schreiber, denn schon in seiner frühen Kindheit hat es den gebürtigen Rheinländer nach München verschlagen, wo er später Philosophie, Ethnologie und Volkskunde studierte. Noch ist es zu früh, dem Kunsthistoriker eine neue Konzeption für das Museum der Phantasie abzunötigen. Aber wenn man ihm genau zuhört, kann man sich vorstellen, wohin die Reise künftig gehen könnte: Der Besucher soll sich wie „Alice im Wunderland“ fühlen und alle drei Monate in eine neue Erlebniswelt eintauchen. „Sinnliche Erfahrung, Neugierde, aber auch Verwirrung“ sollen dabei im Vordergrund stehen. „Das Ausstellungskonzept muss plastischer und dynamischer werden“, betont der neue Museumsdirektor, der damit seinem Willen zur Veränderung Ausdruck verleiht.

Das klingt fast wie eine Hommage an den exzentrischen Schriftsteller, Maler und Kunstsammler Lothar Günther Buchheim (1918-2007). Gut möglich, dass demnächst Kirchners, Heckels und Pechsteins mit Zirkuspferden, Masken und Briefbeschwerern einen bunten, unbeschwerten Reigen tanzen, und nicht mehr separat in eleganten Museumsräumen bestaunt werden dürfen.


Liebe zum Expressionismus

„Buchheim hat sich nie darumgekümmert, was die Weltvon seinen Ideen hält, er hat sieeinfach umgesetzt“, so Schreiber. Nicht nur diesen Wesenszugschätze er an Buchheim,sondern teile mit ihm auch dieLiebe zu den Expressionisten,zur Volkskunst und zu „Krimskrams“aus aller Welt. Nunfreue er sich, aus dem gesamtenSpektrum schöpfen zu dürfen. Auch in Zukunft werdeman überwiegend mit der eigenenSammlung arbeiten, aberfalls notwendig, auch auffremde Exponate zugreifen. Zugleichwill sich Schreiber auchweiter wissenschaftlich mit denExpressionisten auseinandersetzen.

Natürlich hat der „Neue“ nicht nur jede Menge Ideen im Gepäck, sondern auch eine beeindruckende Vita. Das dürfte letztendlich auch ein Grund gewesen sein, dass er sich erfolgreich gegen 45 Mitbewerber durchsetzen konnte, wovon sechs vorstellig geworden seien. „Diese Bewerber waren alle hochqualifiziert und voller guter Ideen“, sagt Burkhard Stich, der im Vorstand der Buchheim-Stiftung sitzt. Doch keiner habe auf Anhieb so beeindruckt und überzeugt, wie Schreiber. „Das ist einer, der mit seinen Mitarbeitern auf Augenhöhe kommuniziert, sein Wissen mit anderen teilt und auch mal delegieren kann“, schwärmt Stich. Von der neuen Personalie erhoffe man sich nun, wieder mehr Besucher in das Museum der Phantasie zu locken. 

Auch im Stiftungsgremium weht ein frischer Wind und zwar ein femininer: Dr. Sabine Scharnagl, Chefin des BR-Programmbereichs Kultur und Familie, und Nora-Eugenie Gomringer, Dichterin und Leiterin der Villa Concordia in Bamberg, sind in den Stiftungsrat berufen worden. Von Letzterer erhoffe man sich vor allem eine verstärkte Zusammenarbeit beim Veranstaltungsprogramm. Zudem versichert Stiftungsvorstand Prof. Dr. Kurt Faltlhauser, bayerischer Finanzminister a.D., mehrfach, dass der neue Chef ganz viel Spielraum habe. Zu guter Letzt denke die 90-jährige Diethild Buchheim über einen Rückzug aus dem Vorstand nach.

Vorfreude auf Bernried 

Die Erwartungshaltung an Schreiber ist groß. Es ist ein großes Orchester, das er künftig dirigieren muss. Er zeigt jedoch schon mal ein gutes Taktgefühl, denn nach eigenen Angaben warte auf ihn am Starnberger See „der schönste Job der Welt“. Ganz besonders freue er sich auf seine Mitarbeiter. Das glaubt man ihm gerne, denn seine Freude und Begeisterung sind wirklich echt. Deshalb darf man ihm alles Gute wünschen. Ob sich wohl künftig auf dem weitläufigen Museumsareal nicht nur weiße Hirsche, sondern auch weiße Kaninchen tummeln? Man darf gespannt sein!


Daniel J. Schreiber

Schreibers Museumslaufbahn begann mit einer wissenschaftlichen Assistenz in der Abteilung Jugendstil und Moderne des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg. Dem folgte eine Tätigkeit als Kustos an den Kunstsammlungen Böttcherstraße in Bremen, wo er bedeutende Ausstellungen zum Expressionismus und zur Kunst der Nachkriegszeit verantwortete. Danach war er als Kurator am Museum Frieder Burda in Baden-Baden sowie am Arp Museum Rolandseck tätig, bevor er 2009 die künstlerische Leitung in Tübingen übernahm. Mit viel beachteten Ausstellungen zur Kunst der Nachkriegszeit und zur Gegenwart ist es ihm dort gelungen, die Besucherresonanz des prominenten Ausstellungshauses gegenüber den Vorjahren beträchtlich zu steigern. 

Als Lehrbeauftragter unterrichtete Schreiber Architekturgeschichte an der Hochschule Bremen und Kunstgeschichte an der Universität Tübingen. Er hat zahlreiche Aufsätze sowie Kataloge zur Kunst der Moderne und der Gegenwart veröffentlicht. Außerdem ist er in Jurys und Auswahlgremien tätig, unter anderem für Kunst am Bau des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe sowie für den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst in Berlin. 

Von Annette Weyer

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