Der neue KJR-Geschäftsführer im Interview:

Im "Heimatring" angekommen

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Herbert Haseitl ist seit 1. Oktober der neue Geschäftsführer des Kreisjugendrings Weilheim-Schongau.

Landkreis – Nach 15 Jahren unter der Führung von Andreas Ginger und einem Dreivierteljahr der Vakanz, hat der Kreisjugendring (KJR) Weilheim-Schongau einen neuen Geschäftsführer. Seit Anfang Oktober besetzt Herbert Haseitl aus Kinsau die Stelle. Wie er sich die Zukunft für den KJR vorstellt und welche Projekte er anpacken will, erzählt der 29-Jährige im Kreisboten-Interview.

Herr Haseitl, wie sind Sie zum Kreisjugendring gekommen?

Haseitl: „Während meiner Tätigkeit als Streetworker auf dem Lechfeld war ich beim Kreisjugendring Augsburg-Land angestellt, war dort jedoch nicht so in die klassische Arbeit eines Jugendrings involviert. Gerade die Stelle hier beim Kreisjugend­ring Weilheim-Schongau war für mich besonders interessant, da er quasi mein ‚Heimatjugendring‘ ist. Ich war schon immer in Verbänden und Vereinen in der Umgebung aktiv, beispielsweise bei der Landjugend Kinsau oder der Stadtkapelle Schongau.“

Sie wohnen in Kinsau, ist Ihnen der Kreisjugendring Landsberg da nicht näher?

Haseitl: (lacht) „Nein, in Landsberg kenne ich nur vereinzelt Leute. Da ich aus Kinsau komme, ist mir der Altlandkreis Schongau schon wesentlich näher. Als Streetworker ist es gut, nicht dort zu wohnen, wo man arbeitet. Beim Kreisjugendring ist das ganz anders, da ist es gut, wenn man Leute kennt.“

Was macht ein Geschäftsführer des Kreisjugendrings?

Haseitl: „In erster Linie leite ich die Geschäftsstelle, wir organisieren Fortbildungen und Freizeiten. Außerdem bin ich Ansprechpartner für die Vereine. Darüber hinaus trage ich natürlich auch die Haushaltsverantwortung. Gleichzeitig möchte ich pädagogischer Ansprechpartner sein und wünsche mir für die Zukunft, dass Vereine und Jugendleiter zu mir kommen, wenn sie Hilfe brauchen und bevor Krisen entstehen." 

Welche Voraussetzungen muss man dafür mitbringen?

Haseitl: „Ich glaube, ich habe die perfekte Ausbildung dafür. Mein Studium der Sozialwirtschaft vereint beide Aspekte des Jobs: das Wirtschaftliche und das Sozial­arbeiterische. Den Posten könnte wahrscheinlich auch ein BWLer oder ein Sozialarbeiter besetzen. Im Mittelpunkt soll für mich aber nicht das Geld stehen, sondern gute Jugendarbeit, die natürlich auch finanzierbar sein muss.“

War es von Anfang an Ihr Wunsch in der Jugendarbeit tätig zu werden?

Haseitl: „Jugendarbeit im weitesten Sinne hat mir persönlich selbst viel gegeben. Ich glaube, das ist ein wichtiger Bereich, in dem man viel bewirken kann. Der Gruppenzusammenhalt ist extrem wichtig, da entscheidet sich dann, ob etwas passiert oder eben auch nicht.“

Wir reden von Alkohol und Drogen?

Haseitl: „Nicht nur, es gibt mehrere gefährliche Faktoren in der Phase des Erwachsenwerdens. Es ist einfach ein riesengroßer Unterschied, ob man solche Dinge alleine oder in der Gruppe ausprobiert. Viele, die riskante Sachen alleine probieren, kriegen ihr Leben dann nicht mehr auf die Reihe. Da fallen immer welche weg. Die Situation ist eine ganz andere, wenn das vom Gemeinschaftsgefüge aufgefangen wird. Eine Gruppe kann und muss da viel abfedern, was vom Elternhaus heutzutage nicht mehr geleistet werden kann. In einer guten Gruppenkonstellation können Jugendliche ihr Potenzial besser ausschöpfen.“

Haben Sie einen reinen Bürojob oder haben Sie auch wirklich Kontakt mit Jugendlichen?

Haseitl: „Derzeit bin ich noch stark ans Büro gefesselt. Innerhalb der ersten paar Wochen musste ich mich mit dem Haushalt vertraut machen. Meine Zielsetzung für 2018 ist es aber auf alle Fälle viel zu den Vereinen und Verbänden zu gehen, die Unterstützung brauchen. Ich könnte mir auch vorstellen, Fortbildungen selbst draußen zu machen bei den Jugendgruppen.“

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft des KJR Weilheim-Schongau?

Haseitl: „Zur Wahl wollen wir auf jeden Fall was machen. Was da wirklich sinnvoll ist, werden wir gemeinsam mit der kommunalen Jugendarbeit erarbeiten. Strategisches Ziel ist es, die Verbände mehr in den Blick zu nehmen. Grundsätzlich will ich die Lebensverhältnisse von jungen Menschen verbessern.“

Was würden Sie sich als Jugendlicher vom KJR wünschen?

Haseitl: „Ich bin ja selber erst zwei Jahre vom ‚jungen Menschen‘ entfernt (lacht), bis 27 hat man beispielsweise noch Anspruch auf Jugendhilfe. Viele offene Angebote und kleine Initiativen wären unterstützenswert. Ich würde mir einfach wünschen, dass der Kreisjugendring als jugendpolitisches Sprachrohr wahrgenommen wird.“

Was macht Ihnen an Ihrem Job bisher am meisten Spaß?

Haseitl: „Im Vergleich zu meinem alten Job als Streetworker, habe ich hier das Gefühl auch was an den Strukturen verändern zu können. Früher habe ich an ganz vielen kleinen Problemen gearbeitet, jetzt geht es um das große Ganze. Am besten gefällt mir die Offenheit bei allen Beteiligten, die Ideen und die Kreativität – da ist viel Potenzial da.“

...und was am wenigsten?

Haseitl: „Sich in den Verwaltungsapparat einarbeiten zu müssen, ist hart. Außerdem herrscht zum Jahresende immer großer Zeitdruck. In dem Dreivierteljahr, in dem kein Geschäftsführer da war, ist auch viel liegen geblieben, das ich jetzt zackig durchziehen muss.“

Astrid Neumann

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