Neuer Milchstreik: Droht ein "heißer Herbst"?

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JOSEF GUTSMIEDL, Fischen - Die Zeichen stehen - wieder - auf Sturm: Bei einem „Milchbauernabend“ des Bundes Deutscher Milchviehalter BDM / Kreisteam Oberallgäu in Fischen wurde vor rund 250 Landwirten mehr als einmal angedeutet, dass es einen „heißen Herbst“ geben könnte. Schritte in Richtung eines neuen Lieferboykotts seien wahrscheinlich, falls es den EU-Agrarministern Anfang September nicht gelinge, die Talfahrt des Milchpreises zu stoppen. Nur eine flexible Mengensteuerung werde für akzeptable Milcherlöse sorgen. Und bei der Steuerung müssten die Milcherzeuger mitreden können. „Das beste am Kongress zur Berglandwirtschaft war der Aufmarsch der Bulldogs“, brachte Josef Taffertshofer, Bürgermeister der Gemeinde Wildsteig im Landkreis Weilheim -Schongau, seine Bilanz der Gespräche in Krün auf den Punkt. Ergebnisse seien nicht zu erwarten gewesen: „Da lagen fertige Konzepte auf dem Tisch - alles war schon klar!“ An der Demonstration hatten auch Bäuerinnen und Bauern aus dem Allgäu teilgenommen. Der BDM hatte eine Resolution übergeben, in der die Position des Bundes Deutscher Milchviehhalter erneut unterstrichen wurde: Mitsprache der Erzeuger und flexible Milchmengensteuerung. Als Opfer der Globalisierung sieht Josef Taffertshofer nicht zuletzt die Landwirte: Ein unregulierter Markt funktioniere nicht und diene nur den Reichen, meinte der Bürgermeister von Wildsteig. „Wenn der Nachbar verreckt, kann es mir doch nicht gut gehen“, kommentierte er den Verdrängungswettbewerb und den aktuellen Kampf um Mengen und Flächen. „Wer glaubt, durch Wachstum Erfolg zu haben, wird sehen, dass er nur Arbeit hat - sonst nichts!“ Der streitbare Bauer und Bürgermeister aus Wildsteig hat Zweifel, dass die Politiker „überhaupt wissen, was sie beschließen“ und appelliert: „Wir müssen es ihnen sagen - sie wissen es nicht!“ Auf einen Ministersessel könne ja jeder gelangen, kritisiert Taffersthofer weiter. Aber „es ihnen sagen“ werde nichts helfen, befürchtet er. Jetzt müsse das Konzept des BDM her, die flexible Mengensteuerung. „In einem überschwemmten Markt, kannst du die Produkte nur verbetteln, nicht verkaufen“, fasst er die aktuelle Marktlage bei der Milch zusammen. Die Bauern stünden mit dem Rücken zur Wand. Kämpferisch ruft Taffertshofer zur Geschlossenheit auf: „Bauern, es ist Ernst!“ Weiter zuwarten nütze nichts: Die nächste Krise komme mit Sicherheit. Vielmehr müsse der Druck erhöht werden „bis zur Option eines EU weiten Lieferboykotts“, deutet Josef Taffertshofer die Marschrichtung an. Thomas Bertl, Landwirt, Vorstandsmitglied des „Butterwerkes Schongau“ und Mitglied im BDM-Kreisteam Weilheim-Schongau, skizzierte die aktuellen Entwicklungen auf dem Milchmarkt. Die Überproduktion und der Preisverfall beschäftige auch die regionalen Molkerei-Unternehmen. Der Milchmarkt sei im Umbruch, die Molkereien stellten sich neu auf. Umso wichtiger sei es für die Milcherzeuger, sich ebenfalls „aufzustellen“, rät Thomas Bertl. „Wenn wir aufgestellt wären, könnten wir mitgestalten.“ Sprich: Organisation der Erzeuger im Milchboard. Bislang seien von rund 100000 Milchviehhaltern erst ein Drittel im Verband organisiert. Als Sofortmaßnahme rät Bertl: „Menge muss vom Markt!“ Er denkt an fünf Prozent. Der Oberallgäuer BDM-Kreisvorsitzende, Andreas Steidele, konnte den beiden Referenten aus Wildsteig nur beipflichten. Die ständige Präsenz des BDM zeige Wirkung auf politischer Ebene: „Sie sollen uns nicht aus dem Blickfeld bekommen.“ Lieferstreiks seien legitimes Mittel, fuhr Steidele fort und kündigte weitere Aktionen für die kommenden Wochen an. Nach der Tagung der EU-Agrarminister am 7. September werde die BDM-Spitze über weitere Maßnahmen entscheiden. Steidele: „Die Politik muss handeln, und dafür sorgen, dass die Quotenregelung strikt angewendet wird.“

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