Neuer Vorstand des Kreisjugendrings hofft auf politische Unterstützung

"Jugend ist was Wichtiges"

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Thomas Bieringer hat nach zehn Jahren sein Amt als Vorsitzender an Karin Kastner übergeben. Trotzdem wird er den KJR weiterhin unterstützen.

Landkreis – Verschiedene Freizeitaktivitäten wie der Kinderzirkus „Fli Fly“ werden vom Kreisjugendring Weilheim-Schongau regelmäßig organisiert. Aber auch im Hintergrund hat der KJR einiges zu tun. Kürzlich wurde dessen Vorstand neu gewählt. Im Interview sprechen der „alte“ Thomas Bieringer und die „neue“ Vorsitzende Karin Kastner über aufregende Projekte und zukünftige Pläne.

Wie sind Sie beide denn zum KJR gekommen? 

Kastner: „Ich war in Franken bereits Kreiswasserwachts-Jugendleiterin und dadurch beim dortigen Kreisjugendring. Als ich dann nach Oberbayern gezogen bin, bin ich durch das Projekt ‘Drei Tage Zeit für Helden’ zum KJR Weilheim-Schongau gekommen und dann im Frühjahr 2008 in den Vorstand gewählt worden.“ 

Bieringer: „Bei mir war das sehr zweigleisig. Ich war schon als Kind immer im Zeltlager und bin später dann als Betreuer mitgefahren. Nebenher war ich bereits beim Jugendrotkreuz Jugendleiter. Im Laufe der Zeit habe ich immer mehr Interesse für die Hintergründe und die Arbeit des KJR entwickelt und habe dann gedacht: Jetzt könntest du ja eigentlich selber im Vorstand mitwirken.“ 

Also war das Amt des Vorsitzenden weniger geplant? 

Bieringer: „Im Vorstand haben wir uns erst einmal zusammengesetzt und überlegt, wer von uns Vorsitzender werden könnte. Weil ich die Arbeit des KJR durch meine Tätigkeit als Betreuer und Jugendleiter schon von zwei Seiten her kannte, wurde ich dann Vorsitzender.“ 

Warum liegt Ihnen die Jugendarbeit so am Herzen?

Bieringer: „Ich bin selber als Mitglied in Vereinen und Verbänden groß geworden und fand das als Kind immer sehr schön. Deshalb ist mir wichtig, dass das Vereinsleben auch weiterhin bestehen bleibt, und dafür habe ich mich in der Führungsposition engagiert.“ 

Kastner: „Ich habe Erzieherin gelernt und stand deshalb schon in Kontakt mit Kindern. Ich sage immer: ‘Jugend ist was Wichtiges; Jugend ist das, was nachkommt’ und dafür sollte man sich einsetzen.“ 

Welche Rolle spielt dabei der KJR? 

Kastner: „Die kleinen Verbände haben keine Zeit und zu wenig Leute, um sich ausreichend zu engagieren, deshalb ist es mir wichtig, diese mit dem Kreisjugendring zu vertreten und voranzubringen.“ 

Was heißt das konkret? 

Kastner: „Der KJR vernetzt beispielsweise als Koordinierungsstelle die Vereine und Verbände im Landkreis mit den Schulen. Ein einziger Ansprechpartner vermittelt Grundlagen und Pläne viel einfacher als alle Vereine einzeln und trotzdem können alle mit ins Boot einsteigen.“ 

Was konnte in der Vergangenheit bereits erreicht werden? 

Bieringer: „Von den regelmäßigen Aktionen ist ‘Halle der Jugendarbeit’ auf der ORLA etwas, was es vorher nicht gab und was wir in den letzten Jahren etablieren konnten. Von den einmaligen Ereignissen war mein Highlight die Aktion 'Drei Tage Zeit für Helden' in Zusammenarbeit mit SWR3. Damals haben wir mit unseren vielen Projekten den ganzen Landkreis bewegt.“ 

Was waren das für Projekte? 

Bieringer: „Die Gruppen haben unter anderem einen Tunnel bemalt, einen Barfußpfad gestaltet und einen Spazierweg angelegt.“ 

Welche Aufgabe hatte der KJR bei dieser Aktion? 

Bieringer: „Wir haben die verschiedenen Projekte angeworben, anschließend den Jugendgruppen zugelost und die Aktion durch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bekannt gemacht.“ 

Und was steht jetzt in Zukunft an? 

Kastner: „Ich muss mich erst einmal in mein neues Amt einfinden und sehen, was verbessert werden kann. Zudem stehen noch einige Gespräche mit beispielsweise der Landrätin und politischen Fraktionen an.“ 

Gibt es also noch keine konkreten Ziele? 

Kastner: „Doch. Mein großes Ziel ist es, dass der Antrag für eine zusätzliche pädagogische Stelle beim KJR genehmigt wird, die dafür zuständig ist, die Angebote und die Jugendarbeit zu optimieren und zu begleiten.“ 

Bieringer: „Die einzige pädagogische Stelle ist unser Geschäftsführer, aber der hat schlichtweg keine Zeit, beispielsweise die Verbände zu besuchen. Wir haben ein Defizit im pädagogischen Bereich, das beseitigt werden muss.“ 

Was durch die Ehrenamtlichen aber nicht möglich ist...? 

Bieringer: „Aufgrund deren Berufe haben sie keine Kapazitäten für beratende Tätigkeiten mehr frei. Es sind zwar viele Ideen für die Zukunft da, aber man muss schauen, wie man sie auch umsetzen kann.“ 

Wie äußern sich diese fehlenden Kapazitäten? 

Bieringer: „Beim Hochwasser beispielsweise mussten die Ehrenamtlichen Urlaub nehmen um zu helfen, weil es keine gesetzliche Freistellung für diese Leute gibt. Es konnten also nur die wenigen Helfer da sein, die Zeit hatten. Es ist dringend eine sogenannte ‘Helfergleichstellung’ und politische Unterstützung notwendig.“ 

Hat sich das Ehrenamt generell verändert? 

Bieringer: „Ja, das Umfeld wird unter anderem durch die Schichtarbeit und die Ganztagsschulen weniger ehrenamtsfreundlich. Die Menschen haben schlichtweg weniger Zeit sich zu engagieren.“ 

Kastner: „Keiner plant mehr langfristig. Regelmäßige Vereinstreffen haben keinen Platz mehr in der spontanen Freizeitplanung. Es ist dringend ein Umdenken in der Gesellschaft notwendig.“ 

Vielen Dank! 

Von Lea Stäsche

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