Arbeitsamt erkennt keinen Leistungsmissbrauch von Ausländern

"Jammern auf hohem Niveau"

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Durch das neue Berufsinformationszentrum (BIZ) führten (v.li.): Anette Farrenkopf, Ulrike Herz-Steinrötter, Robert Diesner, Christine Schmid und Robert Ernst.

Landkreis – Im Agenturbezirk des Arbeitsamtes sinkt die Arbeitlosenquote im Mai um 0,1 Prozent auf drei Prozent (Weilheim und Schongau 2,7 Prozent). Die Beschäftigung wächst und die Arbeitskräfte­nachfrage steigt – wohl auch begünstigt durch den fast nicht vorhandenen Winter.

Im Bezirk gibt es 10 423 Arbeitslose. „Das ist, ich sage es mal ganz vorsichtig, ‘jammern auf hohem Niveau’, wenn man unsere Zahlen mit anderen Bezirken vergleicht“, berichtet Anette Farrenkopf, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, beim Pressegespräch am Mittwoch in der Arbeitsagentur. Im Vergleich zum Vormonat sind das 493 Arbeitsuchende weniger. Intensiver soll mit den Kunden gearbeitet werden, die zwischen 50 und 55 Jahren sind sowie mit den Langzeitarbeitlosen. Farrenkopf kündigte ein Projekt an, welches von 2014 bis 2017 andauern wird. „Wir haben ein Team aus neun Arbeitsvermittlern zusammengestellt, das INGA-Team, das sich um unsere Kunden kümmert, die auf dem Arbeitsmarkt schwer zu integrieren sind. Dieses Programm wird vom Europäischen Sozialfond gefördert“, erklärte die Leiterin. 

EU-weiter "Exportschlager"

Der demografische Wandel ist nicht aufzuhalten. Heimische Unternehmen beschweren sich seit längerem über den Fachkräftemangel – und da kommen die EU-Länder ins Spiel. Sie sind aufgeteilt in EU2 (Bulgarien und Rumänien), EU8 (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn) sowie in die GIPS-Staaten (Griechenland, Irland, Portugal und Spanien). „Die Zuwanderung der EU-Bürger ist gewollt. Das Programm MobiPro unterstützt ausbildungsinteressierte Jugendliche und arbeitslose junge Fachkräfte aus Europa bei der Vermittlung in eine betriebliche Berufsausbildung oder eine qualifizierte Beschäftigung“, erklärte Farrenkopf. In den zwei Nachbarlandkreisen Garmisch-Partenkirchen und Starnberg fanden 60 junge Spanier in einem Engpassberuf, wie in der Hotelbranche oder in der Altenpflege, eine Ausbildung oder eine langfristige Stelle. Diese duale Ausbildung besteht aus einem intensiven Deutschkurs und der praktischen Ausbildung. „Das ist momentan der Exportschlager EU-weit“, so Farrenkopf. In unserem Landkreis soll dieses Projekt auch gestartet werden. „Dafür braucht es aber viele Helfer und ein gutes Netzwerk“, betonte sie. 

Kein Leistungsmissbrauch

In den fünf Landkreisen (Fürstenfeldbruck, Landsberg, Starnberg, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen), die von der Agentur betreut werden, gibt es 1 268 Beschäftigte und 183 Arbeitslose aus den EU2-Ländern. Aus den GIPS-Staaten haben 941 Personen einen Arbeitsplatz und 331sind noch auf der Suche. 2 288 Personen aus den EU8-Ländern haben einen Beruf in einem der fünf Landkreise gefunden. 290 sind noch arbeitslos gemeldet. Diese Zahlen sammelte die Arbeitsagentur zwischen 2011 und 2013. Dass es in den bereits genannten Landkreisen sogenannte „Sozialtouristen“ geben soll, das kann Farrenkopf nicht unterschreiben: „Wir können keinen Leistungsmissbrauch feststellen.“ 

Wie sie mitteilte, sind bayernweit 75 Prozent der Zuwanderer mit einer beruflichen Qualifizierung und ein Viertel auf der Basis „ungelernt“. „Der Zuzug nimmt 48 Prozent der Stellen ein, die keine besondere Ausbildung brauchen. Da könnte Konkurrenz mit den deutschen Arbeitnehmern entstehen“, bilanzierte Farrenkopf. 

Seit August 2013 leben Asylbewerber im Landkreis Weilheim-Schongau und in den Nachbarlandkreisen. Viele Syrer und Afghanen, die ihre befristete Aufenthaltserlaubnis bekommen haben, beziehen Geld vom Arbeitsamt und werden in den für sie neu geschaffenen Klassen in Berufsschulen unterrichtet. „2015 sind sie potenzielle Fachkräfte in vielen Handwerksberufen“, glaubt die Agenturleiterin. 

BIZ mit neuem Gesicht

Der Ausbildungsbeginn rückt näher und aktuell sind im Agenturbezirk noch 1 215 Mädchen und Jungen ohne Ausbildungsplatz und 1 555 Stellen sind noch unbesetzt. „Wir haben 16 Prozent mehr gemeldete Stellen als letztes Jahr“, erklärte Robert Ernst, Teamleiter U25. „Die Schere wird immer größer werden. Viele Jugendliche pendeln in größere Städte wie München oder Augsburg oder entscheiden sich für einen höheren Bildungsweg“, so Ernst weiter. Jedes Jahr bleiben laut dem Teamleiter ein paar Arbeitsplätze mehr übrig. 

Wer noch keinen passenden Ausbildungsplatz gefunden hat, kann sich gerne bei der Arbeitsagentur melden. „Es ist noch nicht zu spät, um sich zu bewerben“, so Ernst. Im neugebauten Berufsinformationszentrum stehen 32 IT-Arbeitsplätze und drei Bewerbungscomputer jedem frei zur Verfügung. Teamleiter Robert Diesner und sein Team, dazu gehören Ulrike Herz-Steinrötter und Christine Schmid, sind für Fragen offen.

 „Neu ist das Selbstinformationsangebot. Es ist in vier Themen gegliedert, die sich farblich voneinander unterscheiden“, erklärte Diesner. Die Themeninseln lauten: Arbeit und Beruf, Ausbildung und Studium (In- und Ausland), Bewerbung und Ausland. Jeder kann sich über Weiterbildung sowie Berufs- und Studienwahl informieren. Sogar ein Arbeitgebertelefon steht kostenlos für Gespräche mit dem Arbeitgeber bereit. In der Leselounge gibt es Gelegenheit, etwas in Ruhe nachzulesen und die Kleinen können sich in der Spielecke beschäftigen. 

Von Alma Jazbec

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