"Pfaffenwinkler Kulturführer" bieten Rundgang

Neues Konzept im Radom 

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Führen künftig durchs Radom: (v.l.)Brigitte Petrussek, Elisabeth Welz, Maria Sporer und Edith Brey. In der Bildmitte „Radom-Raisting-GmbH“-Geschäftsführer René Jakob.

Raisting – Bislang standen auf dem Programm der von den „Pfaffenwinkler Kulturführern“ eher klassische Sehenswürdigkeiten wie Kirchen und Klöster. Das ist ab jetzt anders.

Ein bisschen nervös wirkten die vier Damen von den zertifizierten Tourismusfachfrauen daher schon, als sie letzte Woche vor der Eingangsschleuse zum Radom in Raisting die versammelten Pressevertreter zu ihrem ersten offiziellen Rundgang durch die futuristische Erdfunkstelle begrüßten. 

Doch genau dieser Kontrast ist es, der die Kulturführerinnen reizt: „Wir haben richtig Lust darauf“, versicherte Elisabeth Welz, die sich derzeit in Elternzeit befindet und früher für den Tourismusverband tätig war: „Wir wollen zeigen, dass unsere Landschaft eben nicht nur aus Klöstern und Kirchen besteht.“ 

Mit dem Einstieg der „Pfaffenwinkler Kulturführer“ ist es künftig möglich, das Radom auch unter der Woche zu besichtigen. Nach Voranmeldung können Gruppenführungen für maximal 15 Personen gebucht werden. Konkurrenz zu den bislang am Wochenende stattfinden Führungen des „Förder- vereins Industriedenkmal Radom Raisting“ soll das neue Angebot nicht sein: „Wir wollen uns integrieren und niemandem ins Gehege kommen“, beteuerte Welz. Statt auf die technischen Details würden sich diese Besichtigungstouren mehr auf die Entstehungsgeschichte und die Chronologie des rund 50 Jahre alten Radoms konzentrieren.

Dennoch: Für die „Radom Raisting GmbH“ als Eigentümer der „Antenne 1“ sind die Kulturführerinnen wohl eine willkommene Alternative. Die landkreiseigene Gesellschaft liegt mit dem Förderverein, der die Einrichtung eines dauerhaften Museumsbetriebs fordert, nach wie vor im Clinch. Ob dessen Mitglieder auch im kommenden Jahr Führungen anbieten werden, steht noch in den Sternen (wir berichteten). „Der Verein hat den Dialog mit uns einseitig aufgekündigt“, kritisierte Radom-GmbH-Geschäftsführer René Jakob im Rahmen der Presseführung. 

Sowohl in finanzieller als auch baurechtlicher Hinsicht sei es dem Landkreis aber schlichtweg unmöglich, einen Museumsbetrieb mit Exponaten aufzuziehen. Zudem solle das Radom als „unverfälschtes Denkmal“ bestehen bleiben: „In die Wieskirche baut man ja auch nichts anderes rein“, betonte Jakob, der mit den Besucherzahlen im Großen und Ganzen „zufrieden“ ist. Seit Mai dieses Jahres wurden 1 229 Besucher registriert: „Das ist kein schlechtes Ergebnis. Damit brauchen wir uns nicht zu verstecken.“ 

Der Vorwurf, dem Landkreis würde der Besucherbetrieb nicht interessieren, laufe zudem ins Leere: „Wir haben seit 2010 allein 64 561 Euro an Investitionskosten zum Beispiel für Infotafeln und Multimedia- Ausstattung ausgegeben“, so Jakob.

Was den Geschäftsführer besonders freut, ist jedoch die finanzielle Abwicklung der Sanierung, die zwischen 2010 und 2012 unter anderem mit dem spektakulären Austausch der Radomhülle über die Bühne ging. Statt der kalkulierten 2,9 Mio. Euro wurde am Ende mit Kosten von 2,3 Mio. Euro abgerechnet. 

Beeindruckend ist darüber hinaus das Ergebnis der energetischen Ertüchtigung. Ver- brauch­te man 2008 noch 1,5 Mio. GW Wärmeenergie, waren es 2012 dank der neuen Messregeltechnik nur noch 573 000 GW. „Das Radom war eine Bruchbude. Früher wurde eigentlich nur für die Luftwaffe geheizt“, so Jakob ironisch.

Und wie geht es mit der Erdfunkstelle weiter? Mit der TU München wurde inzwischen ein Vorvertrag abgeschlossen, wonach die Antenne als Redundanzobjekt zur Vermessung von Satelliten im Rahmen des EU-Galileo-Projekts genutzt werden soll. Insgesamt, so Jakob, sei das Radom mit jährlichen Betriebskosten von 175 000 Euro eine „enorm fordernde Angelegenheit“ für den Landkreis: „Wir stellen uns der Aufgabe“, betonte Jakob, „aber sie ist in manchen Teilen auch überfordernd.“ Von Bund, Land und Bezirk würde sich der Geschäftsführer ob der nationalen Bedeutung des Denkmals mehr Engagement wünschen, allerdings: „Der Interessenskreis ist da sehr eingeschränkt.“

Von Bernhard Jepsen

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