Platz für 270 Wohnungen

Nördlich der Geistbühelstraße soll neues Wohngebiet entstehen

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Auf dem abgeernteten Maisacker plant die Stadt ein Wohnquartier. Das Areal bietet auch Platz für eine neue Kita, ein Rückhaltebecken und einen Stadtpark.

Weilheim – In nachhaltiger, „anderer“ Bauweise dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum und eine Kindertagesstätte errichten (Kita) und mit einem Bürgerpark das lokale Stadtklima verbessern: Nach diesen Gesichtspunkten soll nördlich der Geistbühelstraße ein neues Wohngebiet mit insgesamt 270 Einheiten entstehen. Ideen sowie einige kritische Anmerkungen haben die Stadträte in ihrer jüngsten Sitzung ausgiebig diskutiert und einstimmig die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen.

Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt stellte das erste Plankonzept für den bislang unbebauten Bereich vor und sieht darin „große Chancen für die Stadt“. Auf dem früher als Vorbehaltsfläche „Friedhof“ ausgewiesenen und derzeit als Maisacker genutzten Anger sollen in den nächsten Jahren, angrenzend an die Geistbühelstraße, in drei Abschnitten Geschosswohnungsbau und eine Kita realisiert werden. Im nördlichen Bereich ist von der Pöltner Kirche bis zur Bahnlinie eine öffentliche Grünfläche vorgesehen, in der ein Regenrückhaltebecken eingeplant wird. Derzeit wird der Flächennutzungsplan geändert, nächster Schritt ist die Aufstellung eines Bauleitverfahrens.

Nachverdichtung und höhergeschossiges Bauen, so Roppelt, seien nötig, um den Wohnungsdruck in Weilheim zu mindern. Die künftige Nutzung des landwirtschaftlichen Areals am Rande der Altstadt basiert auf den Ergebnissen des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK). Im südwestlichen Teil ist eine Kita mit bis zu vier Gruppen angedacht, die laut Roppelt mit den drei Wohnblöcken im Osten als erstes realisiert werden soll. Die Kita könnte flexibel gestaltet werden. Als Beispiel nannte Roppelt die Einbettung des Gebäudes in einen Grünwall. Die Lage nahe am Bahngleis wurde nicht von allen Stadträten befürwortet.

In drei Abschnitten sollen entlang der Geistbühelstraße von einem privaten Investor nach bindenden städtischen Vorgaben bis zu neun viergeschossige Wohnblöcke errichtet werden, die nach hinten zwei- bis dreigeschossig abfallend um drei Höfe angeordnet sind. Der Planentwurf sieht bis zu 270 unterschiedlich große Wohneinheiten vor, mit Platz für Arztpraxen und Geschäften zur Nahversorgung. 30 Prozent des Wohnraumes müssen zu einem sozial vergünstigten Preis angeboten werden.

Im Hinblick auf den Klimawandel sollen Fassaden und Dächer begrünt, Bäume gepflanzt, erneuerbare Energien genutzt, ein Nahwärmenetz erstellt und oberirdische Freiflächen mit Quartiers-Tiefgaragen weitestgehend „autoreduziert“gestaltet werden. Nach den Ausführungen der Stadtbaumeisterin bietet sich hier die Chance, neue, „andere“ Ideen für zukunftsweisendes Bauen einzubringen. Auch Hausgärten könnten angedacht werden. Im nordwestlichen Bereich sieht das Plankonzept, angrenzend an die Bebauung am Badweg, sogenannte Starterhäuser für junge Familien vor.

So viel neuer Wohnraum setzt eine leistungsfähige Infrastruktur voraus, die auch Fußgängern und Radfahrern gerecht wird; mit Anbindung an das bestehende Verkehrsnetz, Anschluss an die Innenstadt, Verbindung zur Ammer und alternativen Angeboten, wie Car- und Bike-Sharing. Ein Strukturgutachten und ein Verkehrsgutachten liegen vor, ein Mobilitätskonzept muss erarbeitet werden.

Um finanzielle Unterstützung aus dem Städtebauförderungstopf zu erhalten, soll in einem Teil der verfügbaren Fläche ein Bürgerpark entstehen, mit positiven Auswirkungen auf das Stadtklima und den Erholungswert im Baugebiet sowie in den angrenzenden Quartieren. Auf der künftigen öffentlichen Grünfläche soll ein Stauraum-Rückhaltebecken unterirdisch Platz finden, das für die Entwässerung der südlichen Stadt erforderlich ist.

Verkehrskonzept wichtig

Einigkeit herrschte in der Sitzung darüber, dass zusätzlicher Wohnraum und eine weitere Kita dringend vonnöten sind. Ideen wurden eifrig diskutiert. Wichtig ist den Stadträten, dass Wohnungen auch „für den kleinen Geldbeutel erschwinglich“ sind. Von dem geplanten Wohnraum sollten vor allem Weilheimer Familien profitieren, die schon lange auf der Suche sind.

Bedenken äußerten die Stadträte bezüglich der Verkehrssituation. Vor allem für die neuralgische Kreuzung Geistbühel-/Pollingerstraße, die auch von vielen Schülern mit dem Fahrrad überquert wird, muss eine Lösung gefunden werden, eventuell mit einem Kreisverkehr. Für die neuen Wohnquartiere wurde ein – möglichst autofreies – Verkehrskonzept gefordert, dessen Planung früh einsetzen muss. Begrüßt wurde der Vorschlag eines Radweges entlang der Bahnlinie. Auch der vom Stadtrat mehrheitlich abgelehnte Bahnhalt „Weilheim-Süd“ in der Au kam wieder aufs Tapet: „Der hätte hier gut gepasst“, hieß es. Wann die Bürger in die Planungen eingebunden werden, wurde hinterfragt. Noch sei alles „zu unklar“, um an die Öffentlichkeit zu gehen, antwortete Bürgermeister Markus Loth.

Von Maria Hofstetter

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