Das Herz pocht bald im Westen

Schloßmuseum Murnau soll umfassende Umgestaltung erhalten

Eingangstür Schlossmuseum Murnau
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Im Schloßmuseum Murnau sollen laut Leiterin Dr. Sandra Uhrig im Rahmen einer umfassenden Umgestaltung inhaltliche Schwerpunkte gebündelt werden. Aber auch Äußerliches wird in den Blick genommen: Die Eingangssituation – momentan werden Besucher nach dem Bezahlen an der Kasse über den Hof zur Besichtigung gelenkt – soll optimiert werden.
  • VonAntonia Reindl
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Murnau – Von Zurückhaltung oder Passivität will Dr. Sandra Uhrig nichts wissen, schon gar nicht in diesen Zeiten. „Wir dürfen uns jetzt nicht verstecken, nicht zurückstecken“, sagt die Leiterin des Schloßmuseums in Murnau in der jüngsten Sitzung des Hauptverwaltungsausschusses. Während in Pandemiezeiten viele Kunsthäuser um ihre Existenz kämpfen, möchte sie ihr Museum stärken. Dafür steht eine umfassende Umgestaltung an, wobei nicht nur die Besucherlenkung optimiert, sondern auch das Herzstück an die richtige Stelle im Korpus, pardon, im Komplex gerückt werden soll.

Eine lange Schlange vor der Kasse ist eigentlich ein gutes Zeichen für einen Betrieb. Nicht aber, wenn sich diese Schlange eher ungünstig schlängelt. Im Falle des Schloßmuseums etwa kommt es nicht selten vor, dass sich die Reihe Anstehender ins Treppenhaus hineinzieht. „Das ist für kein Museum wirklich wünschenswert“, meint Leiterin Dr. Sandra Uhrig, als sie die Pläne für ihr Kunsthaus in der jüngsten Hauptverwaltungsausschusssitzung vorstellt.

Seit der Eröffnung des Museums gibt es eine eigene Abteilung zur Ortsgeschichte Murnaus – beziehungsweise gab. Als die Dokumentation „Es kommen kalte Zeiten. Murnau zwischen 1919-1950“ kam, wurde der entsprechende Bereich im Frühjahr 2020 nämlich zurückgebaut. Die coronabedingt verlängerte Ausstellung läuft nun aber im November aus und wird dann abgebaut. In die westlich gelegenen Räume des ersten Geschosses wolle man dann die Kernsammlungen, also sie Werke des Blauen Reiters, von Gabriele Münter, des Expressionismus, ziehen lassen, berichtet Uhrig. So sollen die Hauptattraktionen zusammengeführt werden, meint die Museumsleiterin. Das Herzstück liege dann zentral im Haupthaus. Anlässe für den Umbau seien „eine dringend erforderliche schlüssige, didaktische Aufbereitung mit wichtigen Blickachsen zwischen den Werken“ sowie „eine zu optimierende Besucherlenkung zwischen den Hauptattraktionen des Museums innerhalb des verwinkelten und über unterschiedliche Ebenen laufenden Burggebäudes“, heißt es in der entsprechenden Sitzungsvorlage.

Mit dem Umzug der Hauptattraktionen werden Räume im zweiten und dritten Geschoss im Süden frei. Dort soll die Ortsgeschichte in Form einer Art Schaudepot und in Form eines Themenarchivs mit Bilddatenbank vermittelt werden. Mit den bereits bestehenden Bereichen, der Sammlung zu Hinterglaskunst im ersten Stock und der Sammlung zu Leben und Werk Ödön von Horváths im Dachgeschoss wird der Südflügel am Ende gänzlich der Ortsgeschichte vorbehalten sein. Im Westflügel wird dagegen Murnaus herausragende kunstgeschichtliche Bedeutung in Gestalt von Malereien aus den vergangenen beiden Jahrhunderten veranschaulicht werden. Die große Kunst wird sich dabei im ersten Stock befinden, was eine gewisse „Beruhigung“ bedeute, denn so könne man die wertvollen Werke im Notfall schnell evakuieren, meint die Museumsleiterin.

Doch bei Umzügen soll es nicht bleiben, man will auch umbauen. Auch das Foyer, das sich momentan im Veranstaltungsraum des Museums befindet und damit nicht gerade optimal situiert ist. Nach dem Bezahlen an der Kasse gelangt der Besucher nämlich nur über den Hof ins Museum.

Die räumliche Situation kennt Klaus Tworek genau. „Unser Haus hat viele Kreuzungswege“, sagt der Marktbaumeister. In und zwischen den Ausstellungsräumen gebe es gewisse Engen. Angesichts der derzeitigen Lage stelle sich die Frage, „wie man eine Einbahnstraße zwischen Eingang und Ausgang organisiert“, aber „da gibt’s schon erste Lösungsansatzüberlegungen“. Bei Überlegungen wird es wohl aber vorerst bleiben: „Im Vordergrund steht erst mal die Neukonzeption der Ausstellungen“, betont Klaus Tworek.

Nicht nur gut, sondern „sehr, sehr gut“ finde sie die „neue Akzentuierung“, meint Dr. Elisabeth Tworek (Mehr Bewegen). Diese „macht das Kunstmuseum in der Museumslandschaft konkurrenzfähig“, glaubt die Referentin für Kultur. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) freut sich derweil, dass im Rahmen der Neukonzeptionierung Werke ans Tageslicht kommen, die momentan im Verborgenen liegen, er spricht von „Schätzen, die derzeit ihr Dasein in unseren Depots und Schubladen fristen“.

Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum) dagegen betrachtet nicht die Werke, sondern den Eingangsbereich, dessen Enge „wir schon seit zehn Jahren monieren“, und dann noch die Kosten. „Es sind zwei Haushaltsjahre“, sagt er. 150 000 Euro 2022, 160 000 Euro 2023, plus 155 000 Euro für den Eingangsbereich. „Ich komme auf eine Summe von 465 000 Euro“, rechnet Manlik. Kämmerer Nils Knopf plant die Kosten für den Kassenbereich für 2024 ein, als Kämmerei wolle man sich „ein bisschen zurückhalten“, da die kommenden Jahre ein bisschen wie eine Glaskugel seien. Aber „wir halten es durchaus für umsetzbar, wenn wir das auf drei Jahre verteilen“, sagt Knopf. „Eine Förderung ist nicht drin?“, will Manlik da noch wissen. „Doch“, antwortet der Kämmerer, die Summe stehe aber noch nicht fest. „Solange ich keine Förderung habe, mach‘ ich es nicht“, schiebt die Museumsleiterin da noch nach. Doch Manlik will noch mehr wissen: „Wäre es möglich, einen Stopp einzulegen oder hinterlässt man dann eine Baustelle?“ Generell „sind es immer in sich geschlossene Bauabschnitte“, erklärt Klaus Tworek. Auf Dauer fehle im Falle von Baustopps aber immer ein Stück der Ausstellung, gibt der Marktbaumeister zu bedenken.

Nicht aufs Geld schaut dagegen Rudolf Utzschneider (CSU), der spüre, wie viel Herzblut Uhrig in das Vorhaben stecke, und betont, dass ein Museum nicht allein für die Besucher, sondern auch für die Leihgeber attraktiv sein müsse. Noch einmal auf das Finanzielle aber schaut Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) , „465 000 Euro sind viel Geld“, sagt er, jedoch werde die Summe ja auf drei Jahre verteilt und es wäre „für den Ort gut, wenn wir diese Investition tun“. Denn mit der neuen Akzentuierung werde das Museum „in aller Munde sein“, glaubt der Mehr Bewegen-Fraktionssprecher. „Es ist eine Investition, die man im Prinzip nicht aufschieben kann“, findet Veronika Jones (Grüne). Daher will sie wissen, ob man sich nicht ans Werk mache, wenn der Förderbescheid negativ sei. „Ich glaube, ich habe die Kollegen an der Angel“, lächelt Uhrig, die sich aber auch „nicht zu weit aus dem Fenster lehnen will“. Die Pläne seien bei den potenziellen Fördergeldgebern jedenfalls „auf großes Interesse gestoßen“, betont die Museumsleiterin, die aber auch nicht ausschließen möchte, noch eine Spendenaktion zu organisieren.

Am Ende votiert das Gremium einstimmig für die Umgestaltung der Dauerausstellung. Für die dafür erforderlichen Umbaumaßnahmen im Süd- und Westflügel sollen für das Haushaltsjahr 2022 Haushaltsmittel in Höhe von 160 000 Euro und im Haushaltsjahr 2023 Haushaltsmittel in Höhe von 150 000 Euro eingeplant werden.

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