Maßnahmen im Gespräch

Niederschlagswasserbeseitigung in Weindorf und Froschhausen

Leonhardistraße in Froschhausen
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Die Leonhardistraße in Froschhausen: Hier soll die bestehende Entwässerung ertüchtigt werden. Aber wie genau, muss noch geklärt werden. Wie Bürgermeister Rolf Beuting in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung feststellte, besteht diesbezüglich nämlich noch Gesprächsbedarf.
  • VonAntonia Reindl
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Murnau – Wenn einer weiß, was da abgeht, wenn es viel regnet, nein, wenn es schüttet, und das über längere Zeit, dann wohl Franz Neuner (CSU). Jedenfalls ließ er es sich in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung nicht nehmen, das Wort zu ergreifen, viele Worte, als es darum ging, welche Maßnahmen zur Niederschlagswasserbeseitigung an der Leonhardistraße in Froschhausen ergriffen werden sollen. Aber auch in der Weindorfer Senke soll und muss gehandelt werden.

Sicherlich kann Wasser aus der langgezogenen Senke in Weindorf verschwinden, aber eben nicht sonderlich gut, denn es gibt keine natürliche Entwässerung, ausgenommen die Versickerung. Und nun nehmen die Grünflächen in dem Murnauer Ortsteil nicht unbedingt zu, im Gegenteil, statt Gras wächst die Versiegelung, was „die Abflusssituation in den letzten Jahren noch verstärkt“ habe, ist in der vom Tiefbauamt erstellten Vorlage zu lesen, die die Marktgemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung beschäftigt, als man die Niederschlagswasserbeseitigung in diesem Bereich behandelt. Etwas Versickerung, mehr Versiegelung – und dann noch reichlich Regen, all das lässt erahnen, womit manch Privatgrundbesitzer in nassen Zeiten zu rechnen hat, nämlich mit rückgestautem Wasser an den Grabendurchlässen der Kreisstraße GAP1 und der Dorfstraße.

Eigentlich hatte das Tiefbauamt mehrere Varianten entwickelt, die verschiedene Möglichkeiten zur Beseitigung des Niederschlagswassers beinhalten. Vorgestellt wird an diesem Sitzungsabend aber nur eine, die von den Fachleuten im Amt priorisierte. Denn Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) muss ein wenig Zeitdruck machen, da der Uhrzeiger schon zu recht später Stunde vorgerückt ist und noch nicht einmal die Hälfte der Tagesordnung geschafft ist.

Und so werden lediglich die empfohlenen Maßnahmen auf die Leinwand geworfen. Zu lesen ist von einer Geländemodellierung, von Aufweitungen, etwa eines Durchlasses, eines Gerinnes oder eines Grabenabschnittes, von dem Bau eines Bypasses unter der Froschhauser Straße, von einer Vergrößerung der Abflussleistung und der streckenweisen Ertüchtigung des Grabens. Eine lange Liste an Maßnahmen, die laut Tiefbauamt nur zusammen wirkungsvoll seien. Und zusammen sind diese nicht ganz günstig. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf gut 200 000 Euro.

Ohne Diskussionen stimmt der Marktgemeinderat der Planung geschlossen zu. Der Verwaltung obliegt es nun, die Grundstücksverhandlungen zu führen und einen Antrag auf wasserrechtliche Genehmigung beim Landratsamt zu stellen. „Da muaß was gmacht werden“, findet auch Franz Neuner, der darauf hinweist, dass ein Konglomerat an Ursachen für die Rückstauungen verantwortlich sei. Dass auch an und auf der Leonhardistraße in Froschhausen etwas getan werden muss, bestreitet Neuner keineswegs, doch die vorgeschlagenen Maßnahmen des Bauamtes, die anschließend noch vorgestellt werden, behagen ihm nicht sonderlich.

Auf diesem Abschnitt wolle man dafür sorgen, „das Wasser möglichst schnell abzuleiten“, berichtet Hansjörg Resenberger, Leiter des Tiefbauamtes. Momentan macht das Wasser, was es will. Bei starkem Regen fließt es über die Straße gen Ort. Die Straße soll daher ertüchtigt, das anfallende Niederschlagswasser der Einzugsgebiete aufgefangen und kontrolliert abgeleitet werden. Wie auch in der Weindorfer Senke soll eine Reihe von Maßnahmen ergriffen werden, um dem Problem Herr zu werden. Angestrebt werden unter anderem ein Einlaufbauwerk und die Aufschüttung des Damms. Straßenabläufe sollen „nachgerüstet sowie vom bestehenden Mischwasserkanal abgehängt“ werden, ist in der entsprechenden Vorlage außerdem zu lesen.

Neuner blickt kritisch auf die Pläne. „Das kostet viel Geld“, sagt der Froschhauser auf die Kostenschätzung von rund 160 000 Euro bezugnehmend. „Ich glaube, dass es auch anders zu lösen wäre“, sagt der Froschhauser, der am liebsten von weiteren Versickerungsanlagen absehen würde. Er plädiert dafür, die Straße abzusenken und das Wasser seinem „natürlichen Lauf“ in Richtung See zu überlassen. Die Natur, das fließende Wasser, lasse sich nicht so einfach dämmen. Unerwähnt lassen möchte er auch nicht, dass die Anwohner sich schon ausgiebig mit der Regenwasserproblematik befasst haben, es gebe schon jetzt quasi ein „ganzes Kanalsystem“, so Neuner. Und weil die Anwohner als Betroffene so gut Bescheid wissen, sich auskennen, wie sich das Wasser umleiten lasse, findet Neuner, dass „das für mich ein Fall für die optimale Bürgerbeteiligung ist“.

Die Idee einer Absenkung, „da, wo die Leute so schnell reinfahren“, gefällt auch Welf Probst (FWG). Doch eines kann sich Probst nicht verkneifen. „Die Bodenverdichtung durch die Landwirtschaft, das wollen manche vielleicht nicht hören, ist Wahnsinn“, sagt Probst. „…auch der Klimawandel“ spiele bei der Problematik mit hinein, ergänzt Jones, die eigentlich aber etwas anderes ansprechen möchte. Sie kritisiert, dass ihr von zwei Seiten Unterschiedliches angeraten wird, von Experten des Tiefbauamtes und von Neuner, der sich anmaße, einer Fachkraft zu erklären, „dass das Wasser bergab fließt“.

Beuting versucht zu beschwichtigen, meint, dass beide Seiten berechtigt seien, ihre Meinung kundzutun, ob Neuner nun über die nötige Expertise verfüge oder nicht. Als Froschhauser sei man mit der Problematik jedoch gut vertraut. Der Bürgermeister sieht letztlich noch Gesprächsbedarf und schlägt vor, den Punkt zurückzustellen.

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