Noch viele Baustellen im Wald

Bei der Trophäenschau wird nicht nur über den Zustand des Wildes diskutiert, sondern immer auch das Wald-Wild-Thema beleuchtet. Fotos: Josef Gutsmiedl

Noch in der Phase des „Zusammenraufens“ befinden sich Jägerschaft und Forstleute im Oberallgäu. Bei der Frühjahrshegeschau des Kreisjagdverbandes Oberallgäu wurde zwar mehrfach ein zielführendes Miteinander beschworen, um das Wald-Wild-Verhältnis ins Lot zu bringen. Der angestrebte Waldumbau werde aber auf dem Rücken der Jagd voran gebracht, so die Klage der Verbandsspitze.

Zufrieden mit der „Ernte“ des vergangenen Jagdjahres zeigte sich Jagdberater Georg Jörg. Mit 1351 Stück Rotwild (Hirsche) liege man im Bereich der Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen „gut über dem Zuwachs“ und habe 90 Prozent des Solls erreicht. Mit 567 Gämsen komme man fast an die vorgegebene Abschusszahl. Und auch beim Reh-wildabschuss mit 2474 Stück sind die Jäger laut Jörg „auf dem richtigen Weg“. Georg Jörg: „Wir haben schon viel geleistet, aber es gibt noch viel zu tun.“ Und der Geschäftsführer der Hochwild-Hegegemeinschaft, Jürgen Wälder, ergänzte: „Unsere Baustellen sind alle in Arbeit und auf gutem Weg.“ Das müsse man „auch einmal würdigen“, selbst wenn es manchen nicht schnell genug gehe. „Wir sind dran - wir kriegen das hin. Mit Ausrufezei-chen.“ Sonderlich gut zu sprechen sind die Verantwortlichen in den Jagdverbänden nicht gerade nicht wenn es um den „Waldumbau“ geht. Unter dem Schirm der Bayerischen Bergwaldoffensive, so beklagte der Vize-Präsident des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein, bei der Frühjahrshegeschau des Kreisverbandes Oberallgäu in Fischen, werde viel Geld für „Schnellschüsse“ ausgegeben. In Bayern, so der Fürst weiter, sei der anvisierte Waldumbau „schon fast vollzogen“. Der Wald nehme zu an Fläche und Masse. Geld, das hier ausgegeben werde, sehe er lieber für den Schutz der tropischen Regenwälder angelegt. Er hoffe, dass das heimische Rotwild aus der „Roten Liste“ der bedrohten Tierarten falle und ein „normales Dasein“ führen könne. Mehr denn je sieht Dr. Ulrich Sauter, Bereichsleiter Forsten am Landwirtschaftsamt Kempten, die Jäger in der (Mit-)Verantwortung. „Wir kommen am Waldumbau nicht vorbei“, betonte Dr. Sauter, „aber der gelingt nur, wenn das Schalenwild entsprechend bejagt wird.“ Selbst der BJV-Präsident, Jürgen Vocke, habe von „Bestands-anpassungen“ bei Reh- und Rotwild gesprochen, um die Zukunftsicherung des Lebens-raumes Wald zu fördern, erinnerte Sauter. „Die Gesundung des Waldes müsste im ureigensten Interesse der Jägerschaft liegen“, schloss Sauter. „Da liegt die konkrete Verantwortung.“ Überrascht vom „engen Schulterschluss“ den Sauter offenbar erkenne, bot der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes, Ekkehard Voigt, die Mitgliedschaft im BJV an: „Der Antrag geht Ihnen sofort zu...“ „Gemeinsam auf einem richtigen Weg“ sei man inzwischen im Oberallgäu, betonte Landrat Gebhard Kaiser, wenngleich noch „nicht alle Ziele erreicht“ seien. Sorge bereite nach wie vor der hohe Rehwildbestand. Aufgabe der Jagdgenossenschaften sei es, „kompetente und zuverlässige Jäger einzusetzen“, deren Verpflichtung es wiederum sei, die Abschusspläne vollständig zu erfüllen, sagte Kaiser. Die Aufgabe der Behörde bestünde darin, die Umsetzung zu unterstützen, und „gegebenenfalls durch Abschussfestsetzung die Weichen in die richtige Richtung zu stellen“, so der Landrat unmissverständlich. Das sei im Oberallgäu oft gelungen - aber wo nicht, werde man „entsprechende Abhilfe“ finden. Kaiser rät allen Beteiligten zu gemeinsamen Wald- und Revierbegängen als Basis für gemeinsame Gespräche. Hoffnung setzt Kaiser auf das Projekt Schalenwild-Management für das Oberallgäu, das als „verlässliche Basis für einen gemeinsamen Weg“ dienen soll. Mehr Aussagekraft soll auch das so genannte Vegetationsgutachten bekommen. Vorschläge zur Anpassung an lokale Gegebenheiten bei der Auswertung werden zur Zeit in das Verfahren eingearbeitet.

Meistgelesen

Kleiner Käfer, großer Schaden
Kleiner Käfer, großer Schaden
Verbundlösungen gehört die Zukunft
Verbundlösungen gehört die Zukunft
Alles auf einen Blick
Alles auf einen Blick
Fällaktion in Murnau
Fällaktion in Murnau

Kommentare