Was nötig ist um "Nein" zu sagen – Weilheimer Schüler zeigen Kinospots zum Thema Komasaufen

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VERONIKA STANGL; Weilheim – Ein Junge besteigt übermütig einen nächtlichen Sprungturm, in der Hand hält er eine Flasche, er kann sich kaum auf den Beinen halten. Eine Flasche mit rosafarbenem Inhalt wandert von einem liebeskummergeplagten Mädchen zu einer schwankenden Autofahrerin. Beim Flaschendrehen ist Nina immer wieder mit Trinken dran, bis sie nicht mehr kann. In allen drei Szenen fließt Alkohol in die Körper der jungen Menschen, zu viel Alkohol. Diese Szenen haben sich Jugendliche ausgedacht, gedreht und am vergangenen Sonntag als Spots im Weilheimer Stadttheater präsentiert. Was als Präventionsprogramm in der Schweiz schon seit 2004 Erfolge feiert, hat nun den Weg nach Weilheim gefunden. 31 Schüler haben in den Sommerferien eine Woche lang gelernt und praktiziert, was Film bedeutet. Sie haben Drehbücher geschrieben, Storyboards entworfen, waren Kamerafrauen und –männer, Tontechniker und Tontechnikerinnen, haben sich um Requisiten und Licht gekümmert. Und sie haben gelernt, was es heißt, zu schauspielern. Diese Aufgaben haben sie selbst bewerkstelligt, unterstützt durch den Schweizer Schauspieler Andreas Beutler. Der Tutzinger Kameramann und Filmproduzent Peter Stückl begleitete die Jugendlichen stets mit der Kamera und drehte eine Dokumentation über das Projekt. Doch vor allem das, was die Jugendlichen produziert haben, ist bemerkenswert. In drei Gruppen haben sie drei Kino-spots gedreht, die die Konsequenzen des Komasaufens aufzeigen. Dass die Jugendlichen am Ende des Trinkens bis zur Besinnungslosigkeit den Tod sehen, zeigt die Brisanz des Themas. Laut Dr. Karl Breu, Gesundheitsamtsleiter, hat die Zahl der Jugendlichen, die wegen einer Alkoholvergiftung intensiv medizinisch betreut werden müssen, in Deutschland seit dem Jahr 2000 um 143 % zugenommen. Allein im Landkreis Weilheim-Schongau mussten 2007 und 2008 insgesamt 125 Jugendliche nach übermäßigem Alkoholkonsum im Krankenhaus behandelt werden. Die Spots werden seit Sonntag im Kinocenter Trifthof gezeigt und haben, so hoffen die Beteiligten, Wirkung. Denn, wie Beutler betonte, wenn nur ein Jugendlicher durch das Projekt „nein“ zum Komasaufen sagt, hat es sich gelohnt.

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