Befristete Wärme

Obdachlosenunterkunft in Hechendorf nicht kostenlos

Straßenschild mit der Aufschrift Zum Alten Bahnhof.
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Seit rund 18 Jahren stehen zwei Wohncontainer für Obdachlose am alten Bahnhof in Hechendorf. Die Benutzung der Unterkunft ist aber nicht kostenlos.

Murnau – Sie fallen kaum auf, die beiden schmalen weißen Container, die am ehemaligen Bahnhof in Hechendorf stehen. An den Türen stechen bei näherer Betrachtung aber Hausnummern hervor. Denn ja, auch wenn die baustellenhafte Umgebung dies vermuten lässt, so verbringen keine Bauarbeiter ihre Mittagspause darin. Die Container werden bewohnt – von Obdachlosen. Aber kosten- und bedingungslos ist das Wohnen nicht.

Die Kosten und Bedingungen hält der Murnauer Hauptverwaltungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung fest, als dieser für die Wohncontainer zwei Satzungen zum Marktgemeinderat durchwinkt. Seit rund 18 Jahren bietet die Unterkunft an der Straße Zum Alten Bahnhof 1 und 3 in Hechendorf Menschen, die sonst auf kaltem Asphalt nächtigen müssten, eine Bleibe. Das Wohnen ist auf drei Monate befristet. Jedoch werde diese Dauer laut Ordnungsamtsleiter Florian Krammer „in den meisten Fällen“ überschritten. Die Folge: Die Unterkünfte werden blockiert für andere Fälle – und davon gibt es einige. „Im Jahr sprechen circa 20 Personen im Ordnungsamt vor, dass sie obdachlos sind oder werden“, so Krammer.

Doch die Wohncontainer sind keineswegs die einzige Unterbringungsmöglichkeit. Die Marktgemeinde arbeitet mit der Fachstelle zur Vermeidung und Behebung von Obdachlosigkeit (FOL) des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Garmisch-Partenkirchen zusammen. Diese Stelle wird vom Murnauer Ordnungsamt informiert, sobald ein Obdachlosenfall auftritt. Beide Seiten bemühen sich dann um eine Unterkunft. „In vielen Orten hat der SkF Wohnungen angemietet, wo Personen untergebracht werden können, um den Gemeinden zu helfen“, weiß Krammer. Da hakt Veronika Jones (Grüne) noch einmal nach: „Wenn eine Person obdachlos wird, dann kümmern sich SkF und Gemeinde um eine Unterkunft?“ Eine Frage, derer sich Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) annimmt. „Der SkF hat die Aufgabe zu leisten, vorübergehende Maßnahmen zu ergreifen“, erläutert der Rathauschef. Obdachlose, die nicht in einer Wohnung, sondern in einem der beiden Wohncontainer „landen, sind durchs Raster gefallen“, sagt Beuting.

Doch auch dort, in den Wohncontainern, die als öffentliche Einrichtung gelten, wollen die Nutzung und die Kosten für die Nutzung geregelt sein. Daher spricht sich der Hauptverwaltungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung für eine Benutzungssatzung aus, in der etwa Obdachlosigkeit definiert wird und die Pflichten der Benutzer aufgelistet werden. In einer Benutzungsgebührensatzung wird darüber hinaus das Finanzielle geregelt. Die Unterbringung ist für Obdachlose nämlich nicht kostenlos. Die Nutzungsgebühr beläuft sich auf 110 Euro im Monat, hinzu kommen Nebenkosten für Wasser, Kanal und Müll sowie Kosten für Strom und Heizung, die pauschal mit 50 Euro im Monat abgerechnet werden, sodass sich die Benutzungsgebühr auf insgesamt 160 Euro pro Monat beläuft. Wer vor einem Monatsende auszieht, der muss die Gebühren nur anteilig tragen. Vor Ablauf der dreimonatigen Frist ziehen jedoch nur wenige Bewohner aus. Wohl aber nicht, weil es so behaglich in den Wohncontainern ist. „Oft bleiben sie länger, weil sie ihr Leben nicht auf die Reihe bekommen“, sagt Ordnungsamtsleiter Florian Krammer.

Von Antonia Reindl

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