Neuwahl soll Frieden bringen

Oberhausen hat jetzt eine Vizebürgermeisterin – Sonnleitner musste Posten an Reichert abgeben

+
Bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats in Oberhausen wurde per Wahl das Amt des zweiten Bürgermeisters übergeben.

Oberhausen – Ein Losentscheid zur Wahl des zweiten Bürgermeisters zog in Oberhausen heftige Turbulenzen nach sich und stellte den Frieden in dem 2100 Seelen-Dorf auf eine harte Probe. In der Gemeinderatssitzung am vergangenen Montag ergab die Neuwahl eine – für so manchen – überraschende Wende.

Nachdem sich in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates am 7. Mai nach zwei Wahldurchgängen beim anschließenden Losentscheid der bisherige Vizebürgermeister Rudolf Sonnleitner (Parteifreie Wählerschaft) gegen Herausforderer Andreas Reichel (ÖDP) durchgesetzt hatte, schien die Frage von Thomas Feistls Stellvertreter geklärt zu sein. Schnell tauchten aber Zweifel am Ablauf des Losverfahrens auf, so dass der Gemeinderat beschloss, die Wahl zu wiederholen. Letztlich hat der Gemeinderat nicht einen der ursprünglich angetretenen Kandidaten, sondern Anneliese Reichert zur Vizebürgermeisterin gewählt.

Anneliese Reichert ist neue Vizebürgermeisterin in Oberhausen.

In Artikel 19 der Bayerischen Gemeinde- und Landkreiswahlordnung ist genau festgelegt, wie ein Losentscheid rechtmäßig durchzuführen ist. Unter anderem dürfen die Bewerber weder selbst ein Los ziehen noch beim Herstellen der Lose anwesend sein. In Oberhausen war dies wohl anders der Fall. „Die Mehrheit der Gemeinderäte war der Meinung, dass das Losverfahren nicht dem Zufall überlassen worden war“, sagte Bürgermeister Feistl auf Nachfrage des Kreisboten. Das Gremium habe sich deshalb zu einer Neuwahl entschieden.

Zuvor hatte Sonnleitner den Bürgermeister in einem Antrag um eine Wiederholung des Losverfahrens gebeten. Dass er bei der Neuwahl seiner Herausforderin Reichert mit 5:10 Stimmen unterlegen war, hat Sonnleitner „zutiefst getroffen“, machte er aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Der Wählerwille sei für ihn „nicht mehr erkennbar“, schließlich sei er „mit den meisten Stimmen in den neuen Oberhauser Gemeinderat eingezogen“. Sonnleitner gehört diesem Gremium seit über 18 Jahren an. Sechs Jahre davon habe er als zweiter Bürgermeister mit Rathauschef Feistl „sehr eng und konstruktiv zusammengearbeitet“. Zu seinem künftigen kommunalpolitischen Engagement wollte er sich nicht äußern.

„Es gab viele konträre Stimmen. Das hat im Dorf zu unterschiedlichen Lagern geführt. Nicht nur der ÖDP ist aufgefallen, dass das Losverfahren wohl nicht ganz vorschriftsmäßig abgelaufen sein könnte“, gab Reichel zu verstehen. Er selbst hatte sich bei den Kommunalwahlen im März als Bürgermeisterkandidat der ÖDP aufstellen lassen. Im neuen Gemeinderat sitzen sechs Wählergruppierungen. „Da sollte der zweite Bürgermeister aus einer anderen Wählergruppe kommen als der erste“, forderte Reichel. Er habe sich bei der Neuwahl keine Mehrheit erhofft und Reichert als Kandidatin vorgeschlagen, „weil sie gut vernetzt ist im Ort und beste Voraussetzungen zum Brücken bauen mitbringt“.

Ihr deutliches Ergebnis freute die Wahlgewinnerin Reichert. Sie sehe es nun als ihre Aufgabe an, „dass der Gemeinderat wieder zu einer Einheit findet“, fasste sie am Tag nach der Wahl zusammen. Reichert will in dem Dorf, dessen Bewohner ein Losverfahren und seine Folgen so richtig in Aufruhr versetzt hat, als „Vermittlerin und Brückenbauerin“ agieren.

Zwei Mobilfunkmasten

Es bleibt bei den nördlich des Sportplatzes und in Untermaxlried am Bauhof geplanten Standorten für zwei Mobilfunkmasten, beschlossen die Räte. Ein von der Gemeinde beauftragter Gutachter und ein Anwalt hatten in der Sitzung über wichtige Details informiert. Laut Bürgermeister Feistl habe man sich mit der Telekom bei dem in Untermaxlried geplanten Masten auf eine Höhe von 40 (anstatt 30) Metern geeinigt, „damit sich die Strahlenbelastung etwas reduziert“.

Anwohner und der Naturkindergarten hatten gegen den Bauhof-Standort ihr Veto eingelegt. Ein Mietvertrag mit der Telekom wurde noch nicht unterzeichnet.

Ein Antrag der ÖDP auf Erstellung eines Vorsorgekonzeptes zum Schutz der Bevölkerung vor Umweltbelastungen wurde in der Sitzung abgelehnt.

Von Maria Hofstetter

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim auch auf FACEBOOK.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schropp tritt aus AfD-Kreistagsfraktion aus – Partei verliert alle Ausschusssitze
Schropp tritt aus AfD-Kreistagsfraktion aus – Partei verliert alle Ausschusssitze
Bundesweite Warnstreiks - Peißenberg und Weilheim betroffen
Bundesweite Warnstreiks - Peißenberg und Weilheim betroffen
Auto brennt auf Autobahn komplett aus
Auto brennt auf Autobahn komplett aus
Globaler Klimastreik: In Weilheim fordern Aktivisten ein schnelles Handeln
Globaler Klimastreik: In Weilheim fordern Aktivisten ein schnelles Handeln

Kommentare