Die Bewahrer der Tradition

Oberländer Trachtler treffen sich zur Gau-Herbstversammlung in Mittenwald

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Angelika Flock, Martin Jocher von der VR-Bank Werdenfels und Salome Schreiter bei der Übergabe der Spende.

Mittenwald/Region – Sie hat 31 Vereine mit über 8 000 Mitgliedern. Damit ist die Oberländer Trachtenvereinigung ein Zusammenschluss, der sich nicht nur um Zeltfeste und Sänger-und Musikantentreffen kümmert, sondern zur rechten Zeit auch immer seine Stimme erhebt.

Denn die Trachtler verstehen sich seit der Gründung des Gaues im Jahre 1946 als Bewahrer von Traditionen, pflegen die angestammten Schuhplattler, Tänze und das Trachten-

gwand. Zweimal im Jahr treffen sich die Delegierten der angeschlossenen Vereine mit dem Gauausschuss und organisieren ihr Veranstaltungsjahr.

So auch kürzlich in Mittenwald, als der Gau zur Herbstversammlung in den Gasthof Postkeller lud. Franz Lipp, erster Vorstand des Gebirgstrachtenvereins Mittenwald, begrüßte die Gäste nach einigen schneidigen Märschen der kleinen Besetzung der Musikkapelle Mittenwald. Dann war Bürgermeister Adolf Hornsteiner an der Reihe, der traditionsgemäß den Anwesenden aus dem Loisach-, Ammer- und Isartal, sowie dem ganzen Murnauer Raum mit Gemeinden aus dem Nachbarlandkreis, den Markt Mittenwald mit seiner Struktur und Kultur vorstellte. „Es ist mir eine Ehre hier zu sein, in einem Saal mit lauter Aktiven, die im Sinne der Vorfahren sich der Trachtensache annehmen”, sagte Hornsteiner. „Und auch wir Isartaler dürfen dazu beitragen, denn Tracht ist auch Identität.”

Gauvorstand Josef Mayr rief zunächst zu einer Gedenkminute für die verstorbenen Konrad Jochner aus Murnau und Johann Lindauer (Markt Peißenberg) auf, beide hatten als Vorstände in ihren Vereinen früher viel Verantwortung übernommen. Ebenso rückte eine Delegation der Oberländer Trachtenvereinigung mit der Gaustandarte nach Unterwössen im Chiemgau aus, um mit Otto Dufter dem Ehrenvorsitzenden des Bayerischen Trachtenverbands die letzte Ehre zu erweisen.

Das ausführliche Protokoll über das vergangene Jahr mit seinen vielen Höhepunkten verlas Schriftführer Klaus Fleischhacker. Breiten Raum nahmen dabei die Veranstaltungshöhepunkte Gaufest und Gaujugendtag ein. Zum vierten Male in seiner Vereinsgeschichte richtete der Trachtenverein Markt Peißenberg heuer das 74. Gaufest der Oberländer aus. Mit gutem Erfolg. „Es war ein fundiertes Fest – vom Ehrenabend über den Gottesdienst bis zum Festzug. Hier verteilten die Helfer Getränke, um die Hitze erträglicher zu machen”, lobte Mayr.

Vertreter der Vereinigung besuchten auch das 100-jährige Gründungsfest des GTEV „D`Herzogstandler” Schlehdorf-Unterau und die Feier anlässlich des 120-jährigen Bestehen des GTEV „Ettaler Mandl” Ettal-Graswang.

Meist gute Laune zum verregneten Spiel machten viele klatschnasse jugendliche Teilnehmer des 56. Gaujugendtages in Garmisch. Und als ob es nie geregnet hätte, zeigte der Plattlernachwuchs bei den Ehrentänzen im Festzelt sein großes Können. „Es gab dazu einige bitterböse Bemerkungen an den Jugendleiter und an mich”, betonte Gau-Chef Mayr, der genau wie Christian Ruf von den Garmischer Trachtlern froh war, dass der Festzug doch noch irgendwie sein (feuchtes) Ende nahm. Viel Anerkennung sprach Mayr dann den Musikkapellen Partenkirchen, Peißenberg und Huglfing aus, die bei den beiden Gauveranstaltungen unermüdlich Landler um Landler bei den Ehrentänzen gekonnt und tempogerecht spielten. Aber es gab auch kleine Kritikpunkte. Gauvorplattler Josef Utzschneider missfällt der Trend, wenn Aktive mit Modeschmuck und Armbanduhren zum Platteln kommen. Auch Musikwart Stefan von Eiberg rügte die Tatsache, dass beim Gaufest Musiker „hemdsärmelig beim Kirchenzug antraten. Das geht hier gar nicht”, wetterte das Gauausschussmitglied.

Sängerwart Peter Egner freute sich über die 17 Gruppen beim Gaujugendsingen in Spatzenhausen und sprach von einem „Qualitätsvollen Singen”. Historischen-Vertreter Christian Ruf hielt einen Rückblick von der Delegiertenversammlung in Dießen und lud bereits die historischen Gruppen des Trachtengaus zur Fest-Teilnahme am 14. Juni am Ammersee ein.

Auch eine besondere Ehrung stand bei der Zusammenkunft noch an. Der Großweiler Wendelin Herbrand wurde mit der Gaumedaille in Gold ausgezeichnet. Herbrand ist seit 26 Jahren als Vereinskassier tätig, zudem aktiver Theaterer der vereinseigenen Bühne. Auch als Ansager und Küchenchef beim Gartenfest bringt er sich ehrenamtlich ein.

Bei „Wünsche und Anträge” meldete sich noch Martin Kratz vom GTEV „Almrösl” Saulgrub. Er regte an, ob sich der Gau wieder wie früher auch dem Volkstanz widmen könnte. So war es noch vor 35 Jahren üblich, dass die Gauvorplattler bei der Gauplattlprobe auch verschiedene Volkstänze einübten. „Es soll natürlich keine Konkurrenz zu den Plattlern sein, aber es wäre schön, wenn der Volkstanz wieder eine Heimat bei unseren Trachtenvereinen hätte”, sagte Kratz. Vorstand Mayr versprach, diesen Punkt im Ausschuss zu behandeln. Mit dem Wahlspruch „Treu dem guten, alten Brauch” endete die harmonische Versammlung.

Von mun

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