Teile des Stadtwaldes sollen als Ausgleichsfläche aufgewertet werden

Guthaben auf das Ökokonto

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Die Stadt hat – verteilt auf die Gemeinden Eberfing, Polling und Weilheim – den größten Kommunalwald im Landkreis. Mit dem „Ökokonto“ gehen ihr zwar künftig Einnahmen aus dem Stadtwald verloren, aber die Vorteile überwiegen: Der ökologisch aufgewertete Wald wird naturnäher, und die Stadt kann in der Grundstückspolitik flexibler reagieren.

Weilheim – Weist die Stadt Bauland aus, müssen im Gegenzug ökologische Ausgleichsflächen geschaffen werden. Geschieht dies im Vorfeld, so können diese bei späteren Bauvorhaben angerechnet werden. Im Weilheimer Stadtwald sollen in einer ersten Phase 26 Hektar Flächen ökologisch aufgewertet werden.

Im November 2015 hat der Weilheimer Stadtrat nach Absprache mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) beschlossen, im Rahmen des neuen Forstbetriebsplanes für den Stadtwald ein Naturschutzkonzept erstellen zu lassen und daraus Maßnahmen in ein „Ökokonto Wald“ anzulegen. Mit dessen Ausarbeitung wurde das Ettinger Büro „AGL – Arbeitsgruppe für Landnutzungsplanung“ beauftragt. Landschaftsplanerin Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider stellte in der Stadtratssitzung das ausgearbeitete und mit den Fachstellen des Landratsamtes abgestimmte „Ökokonto Stadtwald Weilheim“ vor.

Laut Pröbstl-Haider sind beim Aufbau eines Ökokontos viele fachliche Kriterien zu beachten, und es muss grundsätzlich „mehr gemacht werden als der forstliche Betriebsplan vorschreibt“. Weilheim habe sehr gute Möglichkeiten, mit seinem Wald Ökopunkte zu sammeln, machte Pröbstl-Haider anhand von Beispielen deutlich. Im Zeitraum von 2020 bis 2042 sollen unter anderem Fichtenbestände in Laubwald umgewandelt, Biotopschutz betrieben und seltene oder gefährdete Baumarten gepflanzt werden.

26 Hektar des insgesamt 450 Hektar umfassenden Stadtwaldes, dessen Betriebsleitung und -ausführung mit dem AELF Weilheim vertraglich geregelt ist, sind für das „Ökokonto“ aufwertbar. Bei der Erhebung wurde jeder Bestand im Beisein von Stadtwaldförster Christian Schuller, der die Maßnahmen umsetzen wird, mehrfach begangen und alles dokumentiert. Auch der Naturschutz sei „mit der Arbeit sehr zufrieden gewesen“, betonte Pröbstl-Haider.

Was kostet das „Ökokonto“ die Stadt? Für die Umsetzung der jährlichen Maßnahmen sind Mittel von 25 000 bis 30 000 Euro bereitzustellen. Nachdem im diesjährigen Haushalt dafür keine Kostenstelle existiert, bewilligte der Stadtrat 30 000 Euro an außerplanmäßigen Ausgaben.

Das Fachgutachten stieß in dem Gremium auf positive Resonanz. „Weilheim ist eine waldreiche Kommune. Wir wollen das für unser ‚Ökokonto‘ nutzen und ein Vorzeigeprojekt für ganz Bayern sein“, begrüßte Bürgermeister Markus Loth (BfW) die Initiative. Mit dem Ökoausgleich, den die Stadt aus dem Wald holen will, sieht Rupert Pentenrieder (BfW) einen „Meilenstein“ gesetzt. Dank des „Ökokontos“ müssten weniger landwirtschaftliche Flächen für Ausgleichsmaßnahmen herangezogen werden – und „Weilheim kann seine Bauprojekte in Ruhe angehen“, folgerte der Referent für die Land- und Forstwirtschaft daraus.

Zweifel an der grundsätzlichen Denkweise äußerte Alfred Honisch: Der Wald könne „relativ günstig aufgepeppt“ werden. Die Punkte auf dem „Ökokonto“ würden jedoch einer weitere Bebauung die Türe öffnen: „Ist das nicht eine Art Ablasshandel mit der Natur?“ hinterfragte der Stadtrat der Grünen. Pröbstl-Haider appellierte, „den Aufwertungsbereich Wald“, in dem es noch Missstände zu beheben gebe, „nicht kleinzureden“. Laut Karl-Heinz Grehl seien noch Abstimmungen mit der Unteren Naturschutzbehörde nötig, was die Landschaftsplanerin jedoch verneinte: „Da ist nichts mehr offen. Die Behörde hat alle Vorhaben gesehen und abgesegnet.“

Von Maria Hofstetter

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